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Die Medien und die Wulffs

Über Bettina, die Böse, die Christian ins Verderben riss

  • Bild Zu einer Trennung gehören zwei
  • Video Wulff und Wulff trennen sich
  • BildZu einer Trennung gehören zwei
    (Quelle: dpa)
    VideoWulff und Wulff trennen sich

    Nach dem Polit-Aus steht Christian Wulff jetzt vor dem Ehe-Aus. Sechs Jahre galten er und Bettina Wulff als das Glamourpaar der Polit High Society. Er ist bereits aus dem gemeinsamen Haus ausgezogen.

    (08.01.2013)

     Kommentar von Winnie Heescher

    Ist das der Männer dominierte Journalismus? Oder der unreflektierte Frauenbilder-Eintopf der Medien? Die Trennung der Eheleute Bettina und Christian Wulff war kaum bekannt, da war Bettina schon in die Rolle der Schurkin geschrieben. So geht's nicht! 

    Manchmal weiß ich nicht, ob es klug ist, als Frau auf frauenfeindliche Ressentiments zu reagieren oder ob es nicht mehr persönliche Größe zeigen würde, einfach zu schweigen.

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    Im Falle des Schweigens erschiene Frau cooler, abgeklärter, toleranter. Nur manchmal ist es eben so, dass das Schweigen nicht auszuhalten ist: Weil die Ressentiments so bedenkenlos wie im Nebel daherkommen und sich langsam zu einer breiigen Masse an Widerlichkeiten zusammenfügen.

    Antonia Baum, eine FAZ-Autorin, hat das vor einiger Zeit in einem sehr klugen Essay den "Frauenbilder-Eintopf" genannt, als sie über Bettina Wulff schrieb. Sie benannte die Zutaten, aus dem dieser Eintopf im Falle Wulff zusammengeschnippelt wird: ein bisschen Hure, ein bisschen Hexe, ein bisschen blonde Schönheit. Fertig!

    Alle rühren im Betty-Eintopf

    In diesem Eintopf rühren im Fall Bettina Wulff viele herum seit dem Tag, an dem sie an Christian Wulffs Seite auftauchte. Übrigens Frauen wie Männer. An manche Äußerung, manchen Tweet habe ich mich schon gewöhnt, da bin ich ebenso tolerant wie abgestumpft. Das überlese ich. Gestern zum Beispiel: ALF, der auf Twitter fragt, ob Bettina Wulff sich jetzt an David McAllister ranmache. Oder BOB, auch hinter einem Comicfoto verschanzt, der fragt, ob Bettina Wulff jetzt in ihren alten Job zurückkehrt. Und damit ist bestimmt nicht der Pressejob bei einer Drogeriekette gemeint.

    Was ich heute nicht überlesen kann, ist ein Artikel in der FAZ und die Tweets von Hans-Joachim Otto. Hans-Joachim Otto ist FDP-Mitglied und Parlamentarischer Staatssekretär im Rösler-Ministerium. Er twitterte gestern: "Tragisch. Die Vorgänge, die #Christian_Wulff sein Amt gekostet haben, hat er nur getan, um Bettina zu imponieren. So sind (manche) Frauen." Auf die Nachfrage eines Twitterers, ob das wirklich so sei und woher Otto das wisse, schreibt dieser: "Zweifeln Sie ernsthaft daran? ALLE Vorwürfe stammen aus der Zeit mit Bettina, kein einziger aus der Zeit mit Christiane."

    Die Autorin reagiert auf Kritik

    In den Online-Netzwerken gab es viel Kritik, vor allem am letzten Absatz dieses Kommentares. Die Autorin schreibt selbst dazu:

    "Ja, ich weiß, der Indien-Vergleich ist hart. Aber er kam mir deshalb in den Sinn, weil ich es unerträglich finde, mit welchen frauenfeindlichen Äußerungen sowohl Regierungsmitglieder als auch FAZ-Kommentatoren Frauenfeindlichkeiten veröffentlichen, was nicht so wahrgenommen wird im allgemeinen Wulff-Bashing: Es ist das Böse der Frau, die den Mann schwach werden läßt, der gar nichts dafür kann, dass er Fehler begeht. Und die gleiche Argumentation finden wir immer wieder bei Vergewaltigungsfällen: Hat sie ihn angemacht, war der Minirock zu kurz, konnte er durch irgendein Verhalten von ihr zu seiner Gewalt provoziert worden sein. Sie alle kennen diese Argumentationsmuster. Und deshalb habe ich den harten Vergleich gewählt. Ich will nicht der armen indischen Studentin oder ihrer Familie weiteren Schmerz auferlegen mit dem Vergleich und ihr Schicksal ist mit nichts in der Welt zu vergleichen - schon garnicht mit dem von Bettina Wulff. Das hätte ich sicherlich klarer formulieren müssen. Für den zu harten bildlichen Vergleich also sorry. Für die Unterstellung, das hier Parallelen in den Argumentationsmustern sein könnten, kein Sorry."

    Die Schlampe, die Hexe, die Böse

    Da sind sie wieder, die Zutaten Schlampe, Hexe, Bettina, die Böse, die Christian ins Verderben riss. Ob der Bundestagsabgeordnete Otto überhaupt gemerkt hat, was er da über sich selbst offenbart? Und wenn er Christian Wulff kondolieren wollte, wäre da nicht ein anderer Weg besser geeignet? Und ein FAZ-Journalist schreibt heute unter der Überschrift "Der Glanz war nur Schein": "Angeblich" habe Christian Wulff Bettina auf einer Reise nach Südafrika kennengelernt – und insinuiert damit, vielleicht haben sie sich ja doch woanders kennengelernt. Wieder Zutat Schlampe. Und es folgt die nächste Portion: "Sie galt als lebensfroh und munter, aber auch als jemand, der eher an Glanz und Film interessiert ist denn an intellektuellen und musischen Fragen." Und noch ein Löffel in den stinkenden Bettina-Wulff-Brei: "Fast jeder Fehler, der ihn in den vergangenen vier Jahren ins Bedrängnis brachte, war entweder von ihr begangenen worden – etwa das Upgrade auf einem Ferienflug – oder von ihm, in der Absicht, ihr und ihrer Neigung zur Welt des Scheins zu gefallen." Jetzt ist mir endgültig schlecht.

    Mit diesem Frauenbild-Eintopf ist der Weg nicht mehr weit bis nach Indien: Die Studentin, die Mitte Dezember von sechs Männern in einem Bus vergewaltigt, geprügelt und aus dem Bus geworfen wurde, die ist doch am Ende auch selbst schuld gewesen. Oder nicht?

    08.01.2013
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