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25 Jahre nach Kriegsausbruch Kroatienkrieg vergiftet weiter die Nachbarschaft

BildBürgerkrieg in Jugoslawien 1991
Archiv: Eine alte Frau steht am 12.10.1991 in einem völlig zerstörten Haus in Nustar, einem Dorf nahe Vukovar

Im Bürgerkrieg 1991 - 1995 kamen 20.000 Menschen ums Leben. Allein über 200.000 Serben wurden aus ihrer kroatischen Heimat vertrieben und durften nie mehr zurückkehren.

(Quelle: dpa)

VideoBalkanroute so gut wie dicht
Flüchtlinge an der griechisch-mazedonischen grenze

Slowenien hat seine Grenze für Flüchtlinge geschlossen. Nur noch Menschen mit gültigen Pässen und Visa sollen einreisen dürfen. Serbien und Kroatien kündigten ebenso eine Grenzschließungen an.

(09.03.2016)

Vor einem Vierteljahrhundert schlitterte Kroatien in den Bürgerkrieg. Weil dessen Geschichte nicht aufgearbeitet wurde, stiftet er auch heute noch Unfrieden zwischen Kroatien und dem Nachbarn Serbien. 

Erst vor ein paar Tagen schossen Kroatien und Serbien wieder Giftpfeile aufeinander. Die Weigerung Belgrads, den großserbischen Chefideologen Vojislav Šešelj zu seiner Urteilsverkündung Ende des Monats gewaltsam nach Den Haag ins Kriegsverbrechertribunal zu schaffen, sei ein schlimmer Verstoß gegen internationale Verpflichtungen, tönte es aus der Regierung in Zagreb. In Kroatien gebe es viel mehr Missetäter wie Šešelj als in Serbien, keifte dessen Außenminister Ivica Dačić zurück.

Kroatien mit Veto gegen die Annäherung Serbiens an die EU

Das jüngste EU-Mitglied Kroatien droht inzwischen offen, die weitere Annäherung des serbischen EU-Kandidaten an Brüssel mit seinem Veto zu blockieren. Auch hier geht es um die Aufarbeitung der Kriegsgräuel, die in beiden Ländern bisher weitgehend unter den Teppich gekehrt wurden. Das sogenannte Blutige Ostern 1991 mit den ersten zwei Toten gilt als ein Anfangsdatum des Krieges. In den Monaten danach gab es weitere kleinere Scharmützel mit Dutzenden Toten, die für andere den Kriegsbeginn markieren. Die erste große Schlacht tobte erst im November um die ostkroatische Stadt Vukovar ("Kroatisches Stalingrad").

Urteil: Internationaler Gerichtshof

Im vergangenen Jahr sprach der Internationale Gerichtshof (IGH) Serbien und Kroatien vom Vorwurf des Völkermordes frei. Es sei nicht erwiesen, dass ethnische Säuberungen im jeweils anderen Staat von 1991 bis 1995 mit der Absicht verübt wurden, eine Bevölkerungsgruppe auszulöschen, urteilten die Richter.

Am Karfreitag (29.03.1991) besetzten Kämpfer der aufständischen serbischen Minderheit den Nationalpark der Plitvicer Seen (130 Kilometer südwestlich von Zagreb). Am Ostersonntag (31.03.1991) stürmten kroatische Polizisten die Parkverwaltung und gewannen so wieder die Kontrolle über das Naturreservat zurück. Ein Kroate und ein Serbe kamen dabei ums Leben. Sie gelten als die ersten Kriegstoten. Nach einer unvollständigen Zählung der NGO Documenta, die sich in Zagreb der Aufarbeitung des Krieges widmet, kamen etwa 20.000 Menschen ums Leben. Allein über 200.000 Serben wurden aus ihrer kroatischen Heimat vertrieben und durften nie mehr zurückkehren.

Der "blutige Ostersonntag" mit Feuergefechten

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Die kroatischen Serben, die knapp zwölf Prozent der Bevölkerung von 4,7 Millionen stellten, wollten sich nicht mit der Unabhängigkeit Kroatiens und dem damit verbundenen Ausscheiden aus dem Vielvölkerstaat Jugoslawien abfinden. Denn dort bildeten die Serben das mit Abstand größte Volk, dessen Angehörige überproportional viele Positionen in Wirtschaft, Staat und Militär einnahmen. In der "Baumstammrevolution" sperrten die Serben wichtige kroatische Transitrouten. Mit stundenlangen Feuergefechten und 20 zum Teil schwer Verletzten eskalierte der Konflikt am "blutigen Ostersonntag".

Die Serben konnten mit Unterstützung der hochgerüsteten jugoslawischen Volksarmee (JNA) zunächst ein Drittel Kroatiens unter ihre Kontrolle bringen und als "Republik Serbische Krajina" von Kroatien abspalten. Doch am Ende des Krieges gelang den auch von den USA unterstützen kroatischen Streitkräften die Rückeroberung und damit ein umstrittener Sieg. So Jedenfalls wurde die territoriale Einheit des Landes wieder hergestellt und die Unabhängigkeit endgültig durchgesetzt. Im letzten Jahr beging Kroatien den 20. Jahrestag des Kriegsendes mit einer Militärparade. Serbien rief dagegen einen Volkstrauertag aus.

Organisationen wollen Regierungen zur Aufklärung drängen

Vor fünf Jahren schlossen sich Hunderte privater Organisationen (NGO) in allen jugoslawischen Nachfolgestaaten unter dem Namen REKOM zusammen, um eine Million Unterschriften zu sammeln. Damit sollten alle Regierungen gedrängt werden, Regionale Kommissionen (eben REKOM) zu bilden, um das Schicksal der Opfer, der immer noch Vermissten und Vertriebenen sowie die vielen Kriegsverbrechen wissenschaftlich, aber ohne Schuldzuweisung aufzuschreiben. Nur die Hälfte der Unterschriften kam zusammen, die Aufarbeitung der Geschichte scheiterte krachend. Die nationalen Gerichte in Kroatien und Serbien taten bis heute nur sehr wenig, um die vielen immer noch unbehelligt lebenden Missetäter aus den 90er Jahren zur Rechenschaft zu ziehen.

Jugoslawischer Bürgerkrieg 1991-1995

"Vaterländischer Krieg"

Kroatien - Soldatenfriedhof - Vukovar

Kroatien sieht den "Vaterländischen Krieg" (1991-1995) als "Verteidigungskrieg gegen die großserbischen Kräfte" zur Durchsetzung seiner Unabhängigkeit von Jugoslawien. Die Serben behaupten auch heute noch, mit diesem Krieg hätten sie verhindern wollen, in Kroatien zur Minderheit zu werden, wo sie doch in Jugoslawien klar die Mehrheit stellten.

Kroatien wurde zunächst politisch, am Ende teilweise auch militärisch vor allem von den USA und der EU unterstützt. Die kroatischen Serben erhielten Verstärkung durch ihre Landsleute in Bosnien-Herzegowina, Serbien und Montenegro sowie von Russland.

Da die Kriegsvergangenheit immer noch nicht aufgearbeitet wurde, sind die entscheidenden Fakten des Krieges unklar und umstritten. Nach unterschiedlichen Quellen kann die Zahl der Toten mit etwa 20.000 beziffert werden - rund 14.000 Kroaten und 6.000 Serben. Nach kroatischen Angaben wurden weit über eine halbe Million Menschen vertrieben - bei 4,7 Millionen Einwohnern insgesamt. Mehr als 200.000 kroatische Serben mussten ihre Heimat verlassen. Die materiellen Schäden sind bisher offen.

(Quelle: dpa)

30.03.2016, Quelle: Thomas Brey, dpa
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