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19.06.2013

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Hinduistisches Fest

30 Millionen Pilger baden im Ganges

  • Bild Hindus baden im Ganges
  • Bilderserie Pilger baden im Ganges
  • Video Indien: Das große Bad im Ganges
  • BildBadende Hindus
    Hindus baden im Ganges / Quelle: ap
    (Quelle: ap)
    BilderseriePilger baden im Ganges
    Menschen auf Pontons auf einem Zufluss zum Ganges / Quelle: ap
    (10.02.2013)
    VideoIndien: Das große Bad im Ganges

    In Indien erreicht das größte religiöse Fest der Welt seinen Höhepunkt. Mit einem Bad im Ganges wollen sich Millionen gläubige Hindus von ihren Sünden reinwaschen.

    (10.02.2013)

    Kurzmeldung

    • Massenpanik mit Toten bei Hindu-Fest 18:35 10.02.2013
      Beim weltgrößten religiösen Pilgerfest am Ganges in Nordindien sind bei einer Massenpanik mindestens zehn Menschen getötet worden. Wie die örtlichen Behörden mitteilten, wurden die Pilger an einem Bahnhof nahe des Kumbh-Mela-Fests bei der Stadt Allahabad totgetrampelt. Dutzende wurden verletzt, wie die Regierung am Sonntag mitteilte. Auf dem Bahnhof herrschte ein großes Gedränge, weil das Hindu-Fest am Sonntag seinen Höhepunkt erreichte. Bis zum Abend wurden etwa 30 Millionen Menschen in Allahabad erwartet. 25.000 Polizisten und etwa 30.000 Freiwillige waren im Einsatz.

    Es sind so viele Gläubige wie nie zuvor: Eine riesige Menschenmenge ist zum Höhepunkt des Hindu-Festes Maha Kumbh Mela zum Ganges in Nordindien gepilgert. "Wir haben mehr als 34 Millionen Menschen gezählt", sagte Sprecher Ashok Sharma in Allahabad. Alle zwölf Jahre entsteht für das Festival eine riesige Zeltstadt. 

    "Lang lebe Mutter Ganges", murmelt Rupam Gupta, ehe sie ins Wasser steigt. In ihrem lilafarbenen Gewand watet sie durch die kalten Fluten, taucht unter, strahlt. "Ich fühle mich wie im Schoß meiner Mutter", sagt sie. Auch ihre Freundin Richa Khare ist in den Ganges gestiegen. Die Pilger wollen sich in dem Fluss von Sünden reinigen.

    "Ich glaube jetzt, dass ich etwas erreicht habe im Leben." Zu dem Fest Maha Kumbh Mela, das dieses Mal bis zum 10. März geht, erwarten die Organisatoren insgesamt 100 Millionen Menschen. Sie baden im heiligen Fluss und fühlen sich "wiedererwacht" und "erleuchtet". Andere sprechen von "Entspannung" und "Belebung". Vergessen sind in diesen Momenten die stunden- oder gar tagelangen Fahrten in überfüllten Zügen und über die holprigen Straßen Indiens.

    Wichtigste Pilgerreise

    Für kurze Zeit haben die Menschen ihr meist ärmliches Leben in den Hütten und auf den Feldern hinter sich gelassen und sind auf die wichtigste Pilgerreise für Hindus gegangen. Sie kommen zusammen am Samgam, dem Zusammenfluss von Ganges, Yamuna und dem mythologischen Saraswati, zur weltgrößten Versammlung.


    Gelenkt wird der Pilgerstrom von Polizisten wie Udham Singh Talan. Die ganzen 55 Tage des Festivals geht er an den Ufern auf und ab und bläst in seine Trillerpfeife, wenn die Gläubigen zu lange verweilen. Niemand darf ewig tauchen und beten, denn es kommen noch unzählige Gläubige nach ihm. "Die Vorbereitung war gut. Wir schaffen das schon", meint der Unterkommissar zuversichtlich. Wird die Schlange der Menschen zu lang, lenken er und die mehr als 25.000 anderen Polizisten, 17.000 Paramilitärs und 10.000 Freiwilligen die Gläubigen in Gatter auf freien Feldern. Dort müssen sie, von Holzzäunen dirigiert, Slalom laufen.


    Bei Allahabad ist aus dem Nichts eine 19 Quadratkilometer große Zeltstadt entstanden. Händler verkaufen Töpfe und riesige Schöpfkellen, Säcke mit Reis und Heiligenbilder. In regelmäßigen Abständen stehen Krankenhäuser, Feuerwehren, Mobilfunkmasten, Wasserstationen. Ein Vergnügungspark lockt mit einem Riesenrad und einem künstlichen Berg voller Statuen von Hindu-Gottheiten. Organisiert sind selbst die Orte für die heiligen Männer.

    Aufbrausendes Temperament

    Zehntausende Sadhus liegen, nach Sekten aufgeteilt, in ihren Zelten oder sitzen am Feuer und rauchen Marihuana. An den Haupttagen für die spirituelle Reinigung haben sie eine festgelegte Reihenfolge für ihre Rituale. Zuerst rennen die Naga Babas ins Wasser - nackt bis auf die Asche, mit der sie ihren Körper einreiben. "Wir haben Barrikaden für die Sadhus aufgestellt, damit sie sich nicht mischen", erklärt Polizist Talan. Die für ihr aufbrausendes Temperament bekannten Heiligen würden sich sonst die Köpfe einschlagen, sagt er.

    Auch im Fluss halten über Kilometer hinweg Pflöcke mit langen Seilen die Gläubigen davon ab, zu tief hineinzusteigen. An einer Sandbank, dort, wo sich das blaue Wasser der Yamuna und das braune Gangeswasser mischen, legen in Reih und Glied Holzboote mit Pilgern an. "Es ist professioneller geworden, nicht mehr so ursprünglich", meint Heinz Eisele aus München, der schon bei der vergangenen Kumbh Mela vor zwölf Jahren dabei war. Er ist erstaunt, wie gut alles klappt. "Für Millionen Menschen Essen und Trinken rankarren - das schaffen nur die Inder."

    Manchmal geht jemand verloren

    Zum Klang des Festes gehört neben den Segnungen, Trommeln, "Hare Krishna"-Liedern und den schreienden Kindern, die nicht ins Wasser wollen, auch die stündliche Lautsprecherdurchsage für die Vermissten. "Die Menschen hier laufen oft weite Strecken. Wenn eine Gruppe dann abbiegt, geht manchmal jemand verloren", sagt Sant Prasad Pandey, Chef des Fundbüros für Frauen und Kinder. Bis zu 2.000 Menschen führt er an den Haupttagen zusammen - trotz Handys.


    Dara Bai aus dem Bundesstaat Orissa hat ihr Telefon verloren und kann sich nicht an die Nummern ihrer Familienmitglieder erinnern. Acht Tage wartet die alte Frau schon auf ihre Angehörigen, nun soll sie ein Zugticket nach Hause bekommen. "Sie haben uns verlassen", klagt sie. Fundbüroleiter Pandey meint: "Eltern sind sehr erpicht darauf, ihre Kinder wiederzufinden, aber manchmal nicht ihre Alten." Die freiwilligen Helfer geben denen, die verloren gegangen sind, ein Zeltdach über dem Kopf und Stroh zum Schlafen. Eine Greisin sitzt selig auf ihrem Plastikstuhl mittendrin und lächelt. Sie ist bereits seit 20 Tagen da. "Es gefällt mir hier", sagt sie. Jeden Tag könne sie im Ganges baden und erhalte Essen. Erst wenn die Kumbh Mela am 10. März vorbei ist, will sie wieder in ihr Dorf fahren.

    10.02.2013, Quelle: dpa
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