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30 Jahre nach Attentat Palme-Mord: Schwedens Ermittler tappen im Dunkeln

Bild30 Jahre nach Palme-Mord
Pressekonferenz: Mord an Schwedens Staatschef Olof Palme

30 Jahre nach dem Mord an Ministerpräsident Olof Palme: Kurz vor dem Jahrestag stehen Schwedens Ermittler immer noch mit leeren Händen da.

(Quelle: reuters)

von Henner Hebestreit

Im Februar 1986 erschießt ein Attentäter den schwedischen Regierungschef Olof Palme auf offener Straße. Es gibt Spuren und Verdächtigungen, immer noch gehen Hinweise ein. Auf einer Pressekonferenz kurz vor dem 30. Jahrestag der Tat stehen die Ermittler einmal mehr mit leeren Händen da. 

Seit den tödlichen Schüssen auf Schwedens Ministerpräsident Olof Palme am 28. Februar 1986 haben sich 133 Menschen selbst der Mordtat bezichtigt, was für die Bedeutung des Opfers genauso spricht wie für die kranke Sehnsucht vieler nach Prominenz durch eine solche Tat. Es wirft aber zugleich einen sehr dunklen Schatten auf die Leistungsfähigkeit eines Polizeiapparates, der es in 30 Jahren nicht geschafft hat, den Mord aufzuklären.

100 Hinweise allein im letzten Jahr

Kurz vor dem 30. Jahrestag des Attentates auf offener Straße mitten in Stockholm standen die Ermittler heute Mittag einmal mehr mit leeren Händen da. Auf einer Pressekonferenz von Polizei und Staatsanwaltschaft versicherte der Leiter der "Palme-Gruppe", Hans Melander, das Verbrechen mit Hilfe der Bevölkerung aufklären zu wollen. "Wir nehmen die ganze Zeit noch Tipps entgegen", sagte er in Stockholm.

ZDF-Reporter Henner Hebestreit

Allein im vergangenen Jahr seien 100 Hinweise bei der Polizei eingegangen und geprüft worden – ein besonders heißer war offenkundig nicht dabei: Weder wurde ein neuer Verdächtiger noch ein mutmaßlicher Auftraggeber präsentiert. Auch die Tatwaffe bleibt verschwunden.

Spuren und Spekulationen

Was bleibt, sind Spuren und Verdächtigungen in nahezu alle Himmelsrichtungen – die einen führen aus Schweden hinaus in die Welt der Geheimdienste und Terrororganisationen – von PKK bis RAF, von südafrikanischen Killern aus Kreisen des früheren Apartheit-Regimes, über ex-jugoslawische Geheimdienst-Mörder, der CIA oder dem ehemaligen chilenischen Pinochet-Regime.

Olof Palme muss sich in seinen beiden Amtszeiten zwischen 1969 und 1986 weltweit viele Feinde gemacht haben. Sein Eintreten gegen den Vietnamkrieg, die Rassendiskriminierung oder den Waffenhandel mag als Mordmotiv manchem plausibel erscheinen – einen gerichtsfesten Beleg für derlei Thesen gibt es bislang nicht.

Olof Palme: Abgesperrter Tatort in Stockholm - Aufnahme vom 01.03.1986

1986: Abgesperrter Tatort in Stockholm
Quelle: dpa

Selbst das Urteil gegen einen mutmaßlichen Täter wurde in der Berufung kassiert: Christer Petterson, ein polizeibekannter drogenkranker Kleinkrimineller wurde vom Vorwurf freigesprochen, Palme hinterrücks erschossen zu haben. Palmes Ehefrau hatte ihn bei einer Gegenüberstellung zwar identifiziert – allerdings mit Hilfe von Tipps der Ermittler. Petterson starb 2004 unter merkwürdigen Umständen.

"Trauma für das gesamte Land"

Hartnäckig hält sich auch der Verdacht, der oder die Täter könnten aus dem Inneren des schwedischen Polizei- oder Geheimdienst-Apparates gekommen sein. Der steht im Ruf, zumindest in den 1980er Jahren teilweise von Rechtsextremisten unterwandert gewesen zu sein. Vielleicht dient die Spur in den Apparat nur als Entschuldigung für vielfältige Schlampereien bei den Ermittlungen – könnte sie genauso gut aber auch erklären. Die heutige Pressekonferenz blieb darauf neue Antworten schuldig.

Stockholms Staatsanwältin Kerstin Skarp sehnt sich nach einem erfolgreichen Abschluss der Ermittlungen: "Ich denke, dass es ein Trauma für das gesamte Land ist, dass wir nicht aufklären konnten, wer den Ministerpräsidenten ermordet hat." 30 Jahre nach den tödlichen Schüssen von Stockholm tappen die Ermittler immer noch im Dunkeln.

25.02.2016
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