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90. Geburtstag von Fritz Stern "Die Freiheit ist ungeheuer verletzlich"

VideoStern: "Welt aus den Fugen"
Fritz Stern

Er hat NS-Zeit, Untergang der Demokratie und ihr Wiederaufleben erlebt. Zu seinem 90. Geburtstag sagt der Historiker Fritz Stern: Die Welt ist wieder aus den Fugen geraten.

(02.02.2016)

VideoStern: "Sehe Demokratie in Gefahr"
Fritz Stern im ZDF-Interview

"Wir stehen in einer Situation des andauernden Wackelns", sagt der Historiker Fritz Stern. Er mahnt: "Die Verdummung der Menschen kann man nicht unterschätzen", sie sei eine Gefahr für die Demokratie.

(02.02.2016)

von Alexander Sarovic

Von New York aus beobachtet er die Flüchtlingskrise in Europa. Und mit dem Geschichtsbewusstsein eines Europäers blickt er auf die US-Politik. Der Historiker Fritz Stern analysiert im Gespräch mit heute.de das Weltgeschehen – und sieht auf beiden Seiten des Atlantiks Freiheit und Demokratie in Gefahr. 

Als Zwölfjähriger floh Fritz Stern vor den Nazis aus Deutschland. Heute beobachtet er, wie Deutschland zum Zufluchtsort für jene wird, die vor Krieg und Verfolgung fliehen. Der deutsch-amerikanische Historiker wird 90 Jahre alt. Für Stern war das große Zeitgeschehen immer eng mit der eigenen Geschichte verwoben. Seine Biografie prägt seinen Sinn für Geschichte und gibt ihm eine ganz eigene Perspektive auf das Weltgeschehen der Gegenwart.

Die Flucht aus Nazi-Deutschland

Fritz Stern wird 1926 in eine angesehene Breslauer Ärztefamilie hineingeboren. Er wird protestantisch getauft und nach seinem Paten, dem Chemie-Nobelpreisträger Fritz Haber, benannt. Von seinem Vater, der im Ersten Weltkrieg als Offizier für Deutschland gekämpft hatte, erfährt Stern 1933, dass die Familie jüdischer Abstammung ist.

1938 verlässt die Familie Deutschland. In New York findet Fritz Stern eine neue Heimat. Die Columbia University wird zum Zentrum seines akademischen Wirkens. Hier lehrt er bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1997 Geschichte. Stern wird zum scharfsinnigen politischen Beobachter. Bis heute schlägt er immer wieder den Bogen von seinen persönlichen Erlebnissen zur Weltpolitik.

Trump und Cruz "sind rechtsradikal"

Der aktuelle Präsidentschaftswahlkampf in den USA ruft in Stern Erinnerungen an seine Kindheit in der späten Weimarer Republik hervor. "Ich finde es eigentlich etwas unfair vom Leben. Ich bin aufgewachsen mit dem Sterben einer Demokratie." Und auch heute sehe er die Demokratie in Gefahr.

Für Stern sind Donald Trump und Ted Cruz, die beiden aussichtsreichsten Kandidaten der Republikaner, keine Konservativen. "Sie sind rechtsradikal und würden das Land und die Welt ins Unglück stürzen."

Fritz Stern und die Bundesrepublik

Auch in Deutschland sei ein rechtsradikaler Populismus im Auftrieb. Die Pegida-Aufmärsche in Dresden und Leipzig seien besorgniserregend. Zwar verstehe er die Beunruhigung in der Bevölkerung angesichts der Übergriffe von Köln. Dies dürfe aber nicht zu einer pauschalen Verurteilung aller Muslime führen.

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Der Historiker lobt Bundeskanzlerin Angela Merkel für ihre Haltung in der Flüchtlingskrise. Gleichzeitig weist er auf die Herausforderung hin, vor der die deutsche Gesellschaft steht. "Die Generosität, die Offenheit, der aktive Anstand, den Angela Merkel bewiesen hat, muss natürlich übersetzt werden in die Bereitstellung von Mitteln, um es den Kommunen möglich zu machen, die Leute reinzubringen, sie zu erziehen, ihnen Deutsch beizubringen."

Die Gefahr der Verdummung

Sowohl in den USA als auch in Europa ist die Freiheit nach Sterns Einschätzung heute wieder "ungeheuer verletzlich". Sie dürfe nicht als etwas Selbstverständliches angesehen werden. Gerade deshalb sei es wichtig, dass sich junge Menschen mit Geschichte auseinandersetzen. "Wenn man Verunsicherung, Angst und Verdummung zusammentut, dann kommt der große Schrei nach Autorität, nach Führung."

02.02.2016
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