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24.05.2013

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Moody's senkt Daumen

Abstufung mit Ansage: Britische Wirtschaft taumelt

  • Video Großbritannien verliert Bestnote
  • Video EU: Schärfere Regeln für Ratingagenturen
  • Video Moody's stuft Frankreich herab
  • VideoGroßbritannien verliert Bestnote

    Die Rating-Agentur Moody's hat Großbritannien die Bestnote für die Kreditwürdigkeit entzogen.

    (23.02.2013)
    VideoEU: Schärfere Regeln für Ratingagenturen

    Ratingagenturen wie Standard & Poors, Moodys oder Fitch sollen in der EU schärferen Regeln unterworfen werden. Bei fahrlässigen oder absichtlich falschen Beurteilungen sollen sie künftig haften.

    (28.11.2012)
    VideoMoody's stuft Frankreich herab

    Die US-Ratingsagentur Moody's hat Frankreichs Kreditwürdigkeit abgestuft. Gründe hierfür sind überfällige Reformen, das schwache Wirtschaftswachstum und die geringe Wetterbwerbsfähigkeit.

    (20.11.2012)

    Gemunkelt wurde es seit Monaten, nun hat die Ratingagentur Moody's ernst gemacht: Großbritannien gehört erstmals seit den 1970er Jahren nicht mehr zum Kreis der Länder mit Top-Rating. Das Land ist beim Schuldenabbau aus dem Tritt gekommen. 

    Es war weniger eine Frage des "ob", sondern vielmehr eine Frage des "wann": Großbritannien hat seine Top-Note bei der Ratingagentur Moody's verloren. Die Entscheidung, die Bewertung um eine Stufe von Aaa auf Aa1 herunterzunehmen, kam mit Ansage. Spätestens seit Finanzminister George Osborne Anfang Dezember in seinem Herbststatement zugeben musste, dass er beim Schuldenabbau völlig aus dem Tritt gekommen ist und der Zeitplan keinesfalls eingehalten werden kann, war klar: Lange wird die Top-Bonität nicht mehr zu halten sein. Herabstufungen durch andere Ratingagenturen könnten nun folgen.

    Rotstift-Politik mit nie dagewesenem Sozialabbau

    Premierminister David Cameron hatte bereits im Januar vorgebeugt: Die Meinung der Märkte sei wichtiger als die der Ratingagenturen, sagte Cameron damals der BBC. Seine Regierung war im Mai 2010 mit dem eisernen Willen angetreten, die Schulden des Inselstaates zu drücken. Sie ließen eine Rotstift-Politik mit nie dagewesenem Sozialabbau, Kürzungen in allen öffentlichen Bereichen, verdreifachten Studiengebühren und Massenentlassungen im öffentlichen Dienst folgen.

    Gleichzeitig sollte die in Schieflage geratene Wirtschaftsstruktur verändert werden. Weg von der zu starken Konzentration auf den Finanzsektor, hin zu industrieller Produktion: "Echte Dinge", wie Cameron es einmal ausdrückte, müssten von Großbritannien aus wieder in die Welt exportiert werden, nicht nur Luftschlösser aus den Investmentabteilungen der Banken und Schattenbanken in der Londoner City.

    So weit die Theorie. In der Praxis greift die Politik Camerons nicht. Der rigide Sparkurs hat das Wachstum abgewürgt und damit auch die Steuereinnahmen. Im Jahr 2012, als die Konjunktur durch die Olympischen Spiele in London eher noch angekurbelt wurde, stand am Ende dennoch ein Minus von 0,1 Prozent zu Buche.

    Neuverschuldung schrittweise abgebaut
    Zwar konnte die Neuverschuldung von einst 11,5 Prozent im Jahr 2009 schrittweise auf 6,9 Prozent abgebaut werden - knapp vier Punkte über dem erlaubten Maastricht-Kriterium. Dies gelang jedoch auch nur, weil der Pensionsfonds der staatlichen Post Royal Mail mit 28 Milliarden Pfund (32,4 Milliarden Euro) aufgelöst wurde - ein Einmaleffekt, der immense Kosten für den Staat in der Zukunft nach sich ziehen wird, wie Experten befürchten.

    Die drei großen Ratingagenturen

    Die drei dominanten Rating-Riesen

    Drei Ratingagenturen mit langer Geschichte und US-amerikanischen Wurzeln beherrschen den weltweiten Markt für die Benotung der Kreditwürdigkeit von Unternehmen und Staaten. Alle drei sind Finanzdienstleister, die gewinnorientiert arbeiten.

    Standard & Poor's (S&P)

    Der Ratingriese ist Teil des Gemischtwarenladens McGraw-Hill - ein börsennotierter Medienkonzern, der unter anderem Schulbücher verlegt. An McGraw-Hill wiederum sind große Investmentfonds beteiligt sowie Unternehmenschef Harold McGraw. In diesem Jahr soll der US-Konzern aufgespalten werden in eine Bildungs- und eine Finanzmarktsparte, zu der dann auch S&P gehört.

    Moody's

    Der härteste Konkurrent von S&P ist selbst börsennotiert. Anteile halten eher unauffällige Investmentfonds, aber auch Investoren-Legende Warren Buffett, der mit seiner Firma Berkshire Hathaway auf mehr als zehn Prozent der Moody's-Anteile kommt. Als S&P 2011 die Kreditwürdigkeit der USA von der Topnote Aaa auf Aa herabstufte, kritisierte Buffett dies scharf.

    Fitch

    Die kleinere Nummer drei geht ebenfalls auf einen US-amerikanischen Gründer zurück, gehört heute aber zu 60 Prozent dem börsennotierten französischen Finanzinvestor Fimalac. Die restlichen Anteile hält der US-Medienkonzern Hearst ("Cosmopolitan", "Elle", ESPN). Hinter Fimalac steht der in Frankreich weit vernetzte Geschäftsmann und Unternehmer Marc Ladreit de Lacharrière. Fitch sitzt in New York und London.

    Kritik an den US-Ratingagenturen

    Die Bewertungen der Ratingagenturen sind umstritten. Ihnen wird vorgeworfen, die Finanzkrise 2008 mit verursacht zu haben, weil sie Bestnoten für Wertpapiere vergaben, in denen faule US-Immobilienkredite gebündelt waren. Damit führten sie Anleger, darunter gerade auch deutsche Banken, in die Irre. In Europa wird zudem kritisiert, dass die drei profitorientierten US-Unternehmen Standard & Poor's, Moody's und Fitch den Markt dominieren und in der Regel ausgerechnet von denen, die sie bewerten, auch bezahlt werden.


    In der Schuldenkrise basieren die Benotungen einzelner Länder oder Banken häufig auf schon bekannten Daten, sorgen aber zum Veröffentlichungszeitpunkt an den Märkten für erneute Verunsicherung.

    Bei der Gesamtverschuldung sieht es noch düsterer aus: Im dritten Quartal 2012 war laut der europäischen Statistikbehörde ein Schuldenstand von 87,8 Prozent des Bruttoinlandsproduktes aufgelaufen. Da im vierten Quartal das Wirtschaftswachstum mit 0,3 Prozent rückläufig war, dürfte Großbritannien am Jahresende mit mehr als 90 Prozent in der Kreide gestanden haben - insgesamt die enorme Summe von 1,35 Billionen Pfund. Rechnet man die Stützungsmaßnahmen für das marode Bankensystem mit ein, schnellt die Schuldenrate gar auf 140 Prozent.

    Moody's: Weitere Herabstufung droht erstmal nicht 

    Immerhin hat Moody's auch ein gutes Haar an den Briten gelassen. Die Volkswirtschaft sei wettbewerbsfähig und diversifiziert. Der Ausblick ist jetzt stabil - eine weitere Herabstufung droht zunächst nicht. In der Tat hatte sich zuletzt die Arbeitslosigkeit, die derzeit bei 7,8 Prozent liegt, etwas günstiger entwickelt. Auch die Exporte machten in jüngster Zeit Fortschritte. Dass der Pfundkurs in den vergangenen Wochen auf Talfahrt sowohl im Vergleich zum Euro als auch zum US-Dollar ging, kommt der Regierung in dieser Hinsicht nicht ungelegen.

    Die Zentralbank in London scheint - darauf lassen jüngste Äußerungen aus der Bank of England schließen - der Eindämmung der Inflation nicht mehr die oberste Priorität einzuräumen. Sie werde mittelfristig nicht mehr die Zielmarke von zwei Prozent erreichen, sondern eher bei drei Prozent liegen. Kritiker von der Labour-Opposition schäumen vor Wut: Die konservative Regierung um Börsianer-Sohn David Cameron lasse den kleinen Mann auf der Straße über schnell steigende Preise die Schulden zahlen, die die Banker verursacht haben.

    23.02.2013, Quelle: Michael Donhauser, dpa
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