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Nervenkrieg in der Wüste

Algerien: Geiseldrama endet blutig

  • Video Algerien: Armee beendet Geiseldrama
  • Video Teurer Truppeneinsatz in Mali
  • Video Mali: Kampf um Markala
  • Video Al-Kaida im libyschen Grenzgebiet
  • VideoAlgerien: Armee beendet Geiseldrama

    In der algerischen Wüste haben Sicherheitskräfte das Geiseldrama beendet.

    (19.01.2013)
    VideoTeurer Truppeneinsatz in Mali

    Aus finanziellen Gründen verzögert sich das Anrücken der Truppen aus westafrikanischen Ländern noch. Auch die Planung des Einsatzes gegen die Islamisten stockt. Aus Bamako berichtet Jörg Brase.

    (19.01.2013)
    VideoMali: Kampf um Markala

    Während immer mehr Truppen aus Frankreich nach Mali verlegt werden um die Extremisten zu stoppen, sind vor allem strategisch wichtige Orte hart umkämpft. Zu diesen gehört auch die Stadt Markala.

    (19.01.2013)
    VideoNordafrika: Al-Kaida auf dem Vormarsch

    Bei einem Einsatz gegen Entführer auf einem Gasfeld in Algerien ist es zu einem Blutbad gekommen. Sicher scheint, dass Al-Kaida hinter der Geiselnahme steckt. Für Experten nicht überraschend, sie beobachten zunehmende Gewalt der Terrororganisation in Nordafrika. Und offenbar planen die Islamisten neue Angriffe.

    (17.01.2013)

    Kurzmeldung

    • Geiseldrama endet blutig: 55 Tote 20:44 19.01.2013
      Die mehrtägige Geiselnahme durch islamistische Kämpfer in einer Gasanlage in Algerien ist blutig zu Ende gegangen. Algerische Spezialeinheiten stürmten am Samstag das Gelände. Dabei starben laut Innenministerium 21 Geiseln, zwei weitere Opfer und 32 Entführer. Ein erster Befreiungsversuch der algerischen Sicherheitskräfte am Donnerstag war gescheitert. Wie viele Menschen am Samstag starben, teilte das Innenministerium nicht mit. Ein Vertreter der Sicherheitskräfte hatte zuvor gesagt, "elf Terroristen" seien bei dem Sturm auf die Anlage getötet worden. Zudem seien sieben Ausländer "umgekommen".

    Hunderte Geiseln hatten die Islamisten festgehalten - jetzt hat die algerische Armee den Gaskomplex gestürmt, in dem sich die Kidnapper verschanzt hatten. Die Aktion endete blutig. 

    Mit einem weiteren Blutbad ist das Geiseldrama in der algerischen Wüste zu Ende gegangen. Einheiten der Armee stürmten am Samstag die Gasanlage im Osten des
    Landes. Dabei seien alle verbliebenen elf Terroristen getötet worden. Zuvor sollen die Kidnapper sieben ausländische Geiseln umgebracht haben. Einzelheiten blieben zunächst unklar.

    Erdgasfeld In Aménas in Algerien

    Der Sturmangriff habe dem Drama ein  Ende gesetzt und "einen weiteren Verlust an Menschenleben" zur  Folge gehabt, bestätigten der britische Verteidigungsminister Philip Hammond und sein US-Kollege Leon Panetta. Dass es Todesopfer gegeben habe, sei "entsetzlich und  unannehmbar", liege aber in der "alleinigen Verantwortung der  Terroristen".

    Entführer Anlage offenbar in Brand setzen

    Die schwer bewaffneten Angreifer hatten die Anlage am Mittwoch besetzt. Sie forderten ein Ende des französischen Militäreinsatzes gegen Islamisten im benachbarten Mali. Am Donnerstag griff das Militär die Islamisten an. Nach Informationen der algerischen Zeitung "El Watan" sollen die Entführer am Samstag begonnen haben, die Geiseln zu töten. Für die sieben Ausländer - drei Belgier, zwei US-Amerikaner, ein Brite und ein Japaner - kam der Armee-Einsatz zu spät.

    Laut algerischem Radio hatten die Entführer versucht, einen Teil der Anlage in Brand zu setzen. Die Anlage soll nun nach Minen abgesucht werden. Das Auswärtige Amt in Berlin bekräftigte, dass es keine deutschen Geiseln gegeben habe.

    Deutsche in der Nähe der Geiselnahme

    Während des Geiseldramas in Algerien haben sich zwei deutsche Mitarbeiter einer Bohrfirma nach Angaben des Auswärtigen Amts in der Region aufgehalten. Die beiden hätten sich aber nicht unter den Geiseln befunden, teilte das Ministerium am Samstag mit. "Sie waren während der Geiselnahme mehrere Kilometer entfernt an ihrem Einsatzort und haben die letzten Tage an einem sicheren Ort in der Obhut algerischer Sicherheitskräfte verbracht." Es gehe ihnen den Umständen entsprechend gut. Derzeit befänden sie sich am Flughafen In Aménas in Algerien, von wo sie in Kürze vermutlich ausgeflogen werden könnten.

    Armee verteidigt vorgehen

    Berichten zufolge waren bei Befreiungsversuchen an den Vortagen zwischen zwölf und 30 Geiseln getötet worden - darunter wohl zahlreiche Ausländer. 100 Ausländer und 600 Algerier sollen aus der vom Militär umstellten Anlage befreit worden sein. Das Gasfeld wird vom britischen Energiekonzern BP, dem norwegischen Ölkonzern Statoil und dem algerischen Staatsunternehmen Sonatrach betrieben.

    Die Armee verteidigte ihr umstrittenes Vorgehen. "Der Einsatz ist die Antwort auf eine Entscheidung der Terroristen gewesen, alle Geiseln zu töten und ein wahres Massaker anzurichten", zitiert die Zeitung "El-Khabar" einen Armeesprecher.

    Abdul Rahman al Nigeri
    Abd al-Rahman al-Nigri / Quelle: ANI

    Der Internet-Informationsdienst Site hat unterdessen ein Bild veröffentlicht, das den Anführer der islamistischen Entführer darstellen soll. Es soll von der mauretanischen Nachrichtenagentur ANI stammen und Abdul Rahman al Nigeri zeigen. Dieser stammt offenbar aus Nigeria, steht dem Anführer der Al Mulathameen Brigaden, Moktar Belmoktar, nahe - und gilt als "Mann für schwierige Fälle". Angeblich soll es ein Video geben, das Al Nigeri zeigt, wie er seinen Männern Anweisungen gibt, während das Gasfeld gestürmt wird.

    Lammert: Mali-Beitrag reicht nicht

    Frankreichs Präsident François Hollande sah sich durch das Geiseldrama im Kampf gegen den Terrorismus in Mali bestärkt. Dort gelang es der Armee nach Angaben lokaler Medien und der französischen Regierung, Diabali zurückzuerobern. Die Stadt war zuvor in Händen der Islamisten. Inzwischen sind in Mali 1.800 französische Soldaten im Einsatz. Deutschland und andere EU-Staaten leisten logistische Hilfe. Die beiden deutschen Transall-Maschinen, die ECOWAS-Soldaten transportieren sollen, sind am Abend in der malischen Hauptstadt Bamako gelandet.

    Einigen Politikern geht der deutsche Einsatz derweil nicht weit genug: Bundestagspräsident Norbert Lammert kritisierte in der "Saarbrücker Zeitung" die Unterstützung als ungenügend. Die Entsendung zweier Transall-Maschinen reiche nicht aus, sagte der CDU-Politiker. CDU-Außenpolitiker Ruprecht Polenz sagte der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung", die gegenwärtige Hilfe Deutschlands sei "richtig", es könne beispielsweise aber möglich werden, dass die Bundeswehr ihre Transporte auch näher an  die Kampflinie heranfliegen müsse. Deutschland könne "erheblich mehr tun", sagte auch der Grünen-Politiker Omid Nouripour. SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück warnte: Zu einer "Beteiligung Deutschlands mit
    Blick auf ein militärisches Eingreifen in Mali" dürfe es nicht kommen.


    Mali: Vorzeigestaat fällt an Islamisten

    Militärputsch im Norden Malis

    Karte: Mali / Quelle: ZDF

    Das westafrikanische Mali galt lange als demokratischer Vorzeigestaat in Afrika. Gleichzeitig kämpfen die Menschen aber seit Jahren ums Überleben: Die durchschnittliche Lebenserwartung der rund 14,5 Millionen Einwohner, darunter etwa 300.000 Angehörige des Berbervolkes der Tuareg, liegt bei nur 53 Jahren. Das 1,2 Millionen Quadratkilometer große Land am Südrand der Sahara ist einer der wichtigsten Baumwoll-Produzenten Afrikas. Dürreperioden haben der Landwirtschaft aber nachhaltig geschadet. 60 Prozent des Landes ist von Wüste bedeckt.

    Die Tuareg

    In den 1980er Jahre hatten viele Tuareg nach einer Dürre Mali verlassen. Als sie zurückkehrten, führten sie Krieg gegen die Regierungstruppen. Nach langen Verhandlungen wurden die Tuareg in Malis Armee integriert. Auch Libyens Ex-Diktator Muammar al-Gaddafi rekrutierte Tuareg für seine Streitkräfte. Nach Gaddafis Sturz kehrten viele in die Heimat zurück und schlossen sich Aufständischen im Norden Malis an.

    Die Islamisten in Mali

    Nach einem Militärputsch gegen die Regierung von Präsident Amadou Toumani Touré im vergangenen März rückten die mit verschiedenen Islamistengruppen verbündeten Rebellen im Norden immer weiter vor. Die Gruppe Ansar Dine, der Verbindungen zu Al-Kaida nachgesagt werden, rief im April gemeinsam mit der Tuarag-"Nationalbewegung" MNLA die unabhängige "Islamische Republik Azawad" in Nord-Mali aus. Seit der Machtübernahme der Islamisten flohen Hunderttausende aus dem Gebiet. In der Stadt Timbuktu, wo drei große Moscheen sowie 16 Friedhöfe und Mausoleen zum Weltkulturerbe gehören, ließen die Islamisten mehrere dieser historischen Heiligtümer zerstören.

    Spannungen zwischen Tuareg und Islamisten

    Spannungen zwischen Tuareg und Islamisten eskalierten zu offenen Kämpfen. Bei Gefechten der Tuareg mit Kämpfern der mit Ansar Dine verbundenen "Bewegung für Einheit und Dschihad in Westafrika" (MUJAO) wurden Ende Juni in der Stadt Gao mindestens 20 Menschen getötet. Um das Chaos im Land zu stoppen, könnte eine Regionaltruppe eingreifen. Jedoch befürchten Experten eine militärische Katastrophe in dem unwegsamen Gebiet sowie eine mögliche Ausbreitung der Gewalt auf die ganze Region.

    (Quelle: dpa)

    19.01.2013, Quelle: reuters, dpa, dapd, afp, ZDF
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