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merkzettel

Massaker an US-Grundschule

Amoklauf: Polizei rätselt über Motiv

  • Video Nach Amoklauf: USA trauern
  • Video "Ein Motiv vermag keiner zu erkennen"
  • Video Nach Amoklauf: Debatte über Waffengesetz
  • VideoUSA trauern nach Amoklauf

    Nach dem blutigen Amoklauf in einer Kleinstadt im US-Bundesstaat Connecticut herrscht weltweite Trauer. Ein schwer bewaffneter 20-Jähriger stürmte eine Grundschule und erschoss 26 Menschen.

    (15.12.2012)
    Video"Ein Motiv vermag keiner zu erkennen"

    Die Stadt Newtowm ist nach dem Amoklauf an ihrer Grundschule "unter Schock", berichtet ZDF-Korrespondent Klaus Prömpers.

    (15.12.2012)
    VideoNach Amoklauf: Debatte über Waffengesetz

    Das Attentat in Connecticut lässt den Diskurs über ein schärferes Waffenrecht neu aufflammen.

    (15.12.2012)

    Was trieb den Amokschützen zu einem solchen Verbrechen? Warum erschoss er so viele Kinder? Der Ablauf des Massakers an der Grundschule in Newtown wird klarer. Über das Motiv des 20-Jährigen aber rätselt die Polizei noch. US-Medien berichten, der Täter sei möglicherweise geistesgestört gewesen. 

    Die Opfer des Amoklaufs in Newtown sind identifiziert - die Hintergründe der Bluttat mit 27 Toten aber bleiben zunächst noch im Dunkeln. Nach Angaben des Gerichtsmediziners Wayne Carver tötete der Amokschütze 12 Mädchen und acht Jungen im Alter von sechs und sieben Jahren sowie sechs erwachsene Frauen. Jedes Opfer sei mehrfach getroffen worden. Der 20 Jahre alte Täter nahm sich nach seiner Bluttat in der Grundschule der Kleinstadt nördlich von New York das Leben.

    Die Untersuchung des Wohnhauses des Todesschützen habe "gute Beweise" gebracht, sagte Polizeisprecher Paul Vance auf einer Pressekonferenz. Nähere Einzelheiten nannte er nicht.

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    Täter geistesgestört?

    Die Polizei sage, sie puzzele Bausteine aus Computer, Notizen und Emails des Täters zusammen, berichtet ZDF-Korrespondent Klaus Prömpers. Es heißt, der Täter sei möglicherweise "ein wenig geistesgestört" gewesen - "zwischen Genie und Wahnsinn". Aber "präzise wissen wir das noch nicht".  Während die  Ermittler den Namen des Täters weiterhin nicht nannten, wurde er in  den Medien Adam Lanza identifiziert.

    Zumindest der Ablauf der Bluttat wird klarer: Der Schütze erschoss in seinem Haus erst seine Mutter, bevor er mit ihrem Auto zur Sandy-Hook-Grundschule fuhr. Anders als viele US-Medien zunächst berichtet hatten, sei der 20-Jährige nicht freiwillig in die Schule hereingelassen worden, sagte Polizeisprecher Vance. "Er hat seinen Eintritt in die Schule erzwungen." Im Inneren stürmte er dann nach Angaben aus Ermittlerkreisen in zwei Klassenzimmer, wo er das Feuer eröffnete. In vielen anderen Klassenzimmern versperrten die Lehrer die Türen und kauerten mit ihren Schülern in einer Ecke, als ein Schulangestellter durch die Gänge rannte und sie vor dem Schützen warnte.

    Infokarte / Quelle: zdf


    Quelle: zdf

    "Es machte Bang, Bang"

    Augenzeugen berichteten, der Mann sei ganz in schwarz gekleidet gewesen und habe eine schussichere Weste getragen. Er habe bis zu 100 Schüsse abgegeben. "Es machte Bang, Bang, ich habe Schreie gehört", schilderte ein Junge die Szene. "Ich habe Kugeln gesehen, die an mir vorbeigeflogen sind, und dann hat mich eine Lehrerin geschnappt und in einen Klassenraum gezogen", beschrieb ein anderer die Vorgänge. Seine Mutter hielt ihn im Arm. "Die Lehrerin hat sein Leben gerettet, da bin ich sicher", sagte sie und weinte. "Mein Kind will am Montag nicht wieder in die Schule gehen", sagte ein Vater, dessen achtjährige Tochter überlebt hat. "Sie fragt mich ständig, wann das wieder passiert."

    Die Spurensuche am Tatort werde noch mindestens bis Sonntag andauern, sagte Polizeisprecher Vance. Ob auch ein Abschiedsbrief oder eine andere Nachricht gefunden wurde, wollte er nicht sagen. Es seien aber wichtige Beweise entdeckt worden, die Aufschluss über die Beweggründe des Täters geben könnten. Die Polizei stellte auch drei Waffen sicher: Ein halbautomatisches Sturmgewehr und zwei Pistolen. Alle drei Waffen seien legal erworben worden und auf den Namen der Mutter registriert, berichteten Medien. Sie soll als Lehrerin in der Schule gearbeitet haben.

    Amokläufe in Schulen - dramatische Fälle 
    • Dunblane, 13. März 1996: Offenbar aus Rache für seine Ausgrenzung als Jugendbetreuer richtet ein 43 Jahre alter Arbeitsloser in einer Grundschule im schottischen Dunblane ein Massaker an. Er erschießt 16 Kinder im Alter von fünf bis sechs Jahren sowie ihre Lehrerin in der Turnhalle. Dann tötet er sich selbst.

    • Littleton, April 1999: In der Columbine High School im US-Staat Colorado töten zwei mit Gewehren bewaffnete US-Schüler im Alter von 17 und 18 Jahren zwölf ihrer Mitschüler und einen Lehrer. Dann erschießen sie sich selbst. Nach dem Blutbad entdeckt die Polizei mehr als 30 Bomben, mit denen offenbar das Schulgebäude gesprengt werden sollte.

    • Erfurt, April 2002: Am Erfurter Gutenberg-Gymnasium richtet ein 19-Jähriger ein Blutbad an. Er erschießt zwölf Lehrer, zwei Schüler, die Sekretärin und einen Polizisten. Dann tötet sich der Amokläufer selbst. Er war der Schule verwiesen worden.

    • Minnesota, März 2005: In einem Indianerreservat im US-Bundesstaat Minnesota tötet ein 16-Jähriger an seiner High School fünf Schüler, eine Lehrerin und einen Sicherheitsbeamten. Dann bringt er sich selbst um. Zuvor hatte er seinen Großvater und dessen Lebensgefährtin erschossen. Der Täter hatte Kontakte zur Neonazi-Szene.

    • Tuusula, November 2007: Ein 18 Jahre alter Abiturient erschießt in einem Schulzentrum der finnischen Ortschaft sechs Mitschüler, eine Krankenschwester und die Schulleiterin. Dann tötet er sich mit einem Kopfschuss.

    • Kauhajoki, September 2008: Ein Amokläufer stürmt in der westfinnischen Kleinstadt in eine Berufsschule. Er tötet neun Mitschüler sowie einen Lehrer. Danach legt der 22-jährige Waffennarr Feuer und erschießt sich. Er hatte die Tat im Internet angekündigt.

    • Winnenden, März 2009: In seiner früheren Realschule in Winnenden bei Stuttgart und auf der Flucht erschießt ein 17-Jähriger 15 Menschen und sich selbst. Die Waffe hat er seinem Vater entwendet, einem Sportschützen.

    • Provinz Fujian, März 2010: Ein ehemaliger Arzt ersticht acht Kinder an einer chinesischen Grundschule. Der psychisch gestörte Mann hatte zuvor seinen Arbeitsplatz verloren.

    • Rio de Janeiro, April 2011: In der brasilianischen Metropole ermordet ein offenbar geistig verwirrter 23-Jähriger zwölf Schüler und tötet sich dann selbst. Für seine Beerdigung hat er zuvor genaue Anweisungen verfasst.

    • Oakland, April 2012: An einem christlichen Privatcollege in Kalifornien erschießt ein ehemaliger Student sieben Menschen. Dann stellt er sich der Polizei. Grund für die Tat: Wut auf seine Mitschüler und eine Angestellte.

    • Newton, Dezember 2012: Beim bisher schlimmsten Amoklauf an einer US-Schule kommen in Newtown im Bundesstaat Connecticut 27 Menschen ums Leben - darunter 20 Kinder. Der Schütze tötet sich nach dem Blutbad selbst.

    Bekannte: Merkwürdiger Einzelgänger

    US-Medien berichten, der Täter solle in Newtown aufgewachsen sein. Nachbarn und Bekannte hätten ihn demnach als klug, sehr scheu und introvertiert beschrieben. In jungen Jahren sei er ein Einzelgänger gewesen, berichtete eine frühere Klassenkameradin auf CNN. Nachbarn hätten ihn als merkwürdig beschrieben, hieß es.

    Die Polizei Berichten zufolge auch den älteren Bruder des Amokläufers vernommen. Der 24-Jährige sei sehr kooperativ gewesen und habe wahrscheinlich nichts mit der Tat seines Bruders zu tun, hieß es. Er glaube, dass sein Bruder eine gestörte Persönlichkeit gehabt habe und "etwas autistisch" gewesen sei, sagte der 24-jährige. Sein Bruder habe bei seiner geschiedenen Mutter gelebt, sagte er. Er habe seit zwei Jahren keinen Kontakt mehr zu ihm gehabt. 

    "Das Böse hat unsere Gemeinde besucht"

    Amerika steht nach der Gräueltat unter Schock, Politiker rangen um Worte. Präsident Barack Obama sagte, derartige Tragödien passierten zu häufig in den USA. Der Gouverneur des Bundesstaates Connecticut, Dan Malloy, erklärte: "Das Böse hat unsere Gemeinde besucht. Es ist eine schreckliche Zeit."

    Links
    Streit um US-Waffengesetz
    Die Bluttat löste auch eine neue Debatte über die laxen Waffengesetze aus. Waffengegner hielten eine Mahnwache vor dem Weißen Haus ab. New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg, der als Befürworter schärferer Gesetze bekannt ist, mahnte eindringlich, jetzt dürfe nicht wieder nur geredet werden. Obama indes äußerte sich vergleichsweise zu dem Thema: Das Land müsse etwas Bedeutsames tun, um eine solche Tat in Zukunft zu verhindern, hieß es lediglich.

    15.12.2012, Quelle: dapd, dpa, AFP, AP
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