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Stichwahl zum Präsidentenamt
Anastasiades soll Zypern aus der Krise führen
BildAnhänger von Nikos Anastasiades feiern
VideoZypern will EU-Hilfe
VideoZypern, Geldwäsche und Eurorettung
VideoDas geteilte Zypern soll Europa einen
Zypern hat gewählt: Der konservative Politiker und Sparkurs-Befürworter Nikos Anastasiades wird neuer Präsident. Er soll die Insel nun aus der Krise führen. Viel Zeit bleibt nicht: Zypern hat nur noch Geld bis Ende März. Ohne Hilfe droht der Staatsbankrott.
Der 66-Jährige erhielt bei der Stichwahl am Sonntag nach offiziellen Angaben 57,5 Prozent der Stimmen und siegte damit über Ex-Gesundheitsminister Stavros Malas. Erste Aufgabe des neuen Staatschefs wird es sein, ein Hilfspaket der Eurostaaten für das schwer angeschlagene Zypern zu verhandeln.Zypern hatte im Juni eine Anfrage auf Hilfe aus dem Eurorettungsfonds gestellt und benötigt nach eigenen Angaben rund 17 Milliarden Euro, vor allem für seine angeschlagenen Banken. Erhält der Staat keine Hilfe, droht ihm die Pleite. Die Euro-Finanzminister hatten entschieden, über den Antrag erst nach der Wahl eines neuen Staatschefs entscheiden zu wollen.Anastasiades für strikte Sparmaßnahmen Der pro-europäische Anastasiades, der gute Beziehungen zu Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat, hatte sich im Wahlkampf für strikte Sparmaßnahmen ausgesprochen, um die Vorgaben der internationalen Gläubiger zu erfüllen. Zypern befinde sich an einem "Scheideweg", sagte der Chef der konservativen Demokratischen Sammlungsbewegung (Disy) bei der Stimmabgabe in der Küstenstadt Limassol. "Diese Wahl markiert den Beginn einer neuen Ära für Zypern." "Die kommende Regierung steht vor großen Herausforderungen", konstatierte auch Malas bei seiner Stimmabgabe. Der 45-jährige Genforscher war erst 2011 in die Politik eingetreten und wurde im Wahlkampf von der kommunistischen Akel-Partei des äußerst unbeliebten scheidenden Präsidenten Demetris Christofias unterstützt.Am Abend gestand Malas seine Niederlage kurz vor Veröffentlichung der offiziellen Ergebnisse ein. "Jetzt brauchen wir Geschlossenheit", sagte er in seiner Wahlkampfzentrale. "Aber wir werden strikt alles kritisieren, was den Interessen des Volkes oder des Landes widerspricht." Malas war im Wahlkampf für eine Entschärfung der Sparauflagen eingetreten.Zyprer befürchen Armut Zyperns Wirtschaft war 2012 um 2,3 Prozent geschrumpft. Für das laufende Jahr wird mit einem Rückgang um 3,5 Prozent gerechnet, eine Erholung nicht vor 2016 erwartet. Viele Zyprer befürchten, dass sie bei einem harten Sparprogramm verarmen werden und man künftig auch auf der Insel Elendsszenen wie im benachbarten Griechenland sehen wird. Die Krise in Griechenland hatte auch Zyperns Banken schwer in Mitleidenschaft gezogen. Zyperns Geldinstitute sind eng mit dem griechischen Bankensystem verbunden und wurden in den Strudel der Griechenland-Krise gerissen, als 2012 der Schuldenschnitt für den privaten Sektor umgesetzt wurde.Zypern: Kleines Land, große Probleme
Geteilte Insel seit 2004 EU-Mitglied
Die Republik Zypern ist seit 2004 Mitglied der EU und hat 2008 den Euro eingeführt. Das EU-Recht gilt vorerst jedoch nur im Süden der Mittelmeerinsel. Denn im Norden liegt die nur von der Türkei anerkannte Türkische Republik Nordzypern. Türkische Truppen hatten 1974 den Norden der Insel besetzt, als griechische Putschisten den Anschluss Zyperns an Griechenland erzwingen wollten. 2004 lehnten die griechischen Zyprer einen UN-Wiedervereinigungsplan in einem Referendum ab. Daraufhin wurde nur ihr Landesteil EU-Mitglied.
Eine der kleinsten Volkswirtschaften
Mit einem Bruttoinlandsprodukt von 18 Milliarden Euro (2011) und 862.000 Einwohnern (2012) ist Zypern eine der kleinsten Volkswirtschaften der Eurozone. Ende 2011 lag die Staatsverschuldung noch bei 71,1 Prozent des BIP, für 2013 erwartet die Ratingagentur Moody's allerdings ein Anschwellen auf 150 Prozent.
Bankenkrise und Schwarzgeldvorwürfe
Vor allem die Nähe zum kriselnden Nachbarn Griechenland brachte Zypern und dessen ausgeprägten Finanzsektor ins Straucheln. Zypern stellte im Juni 2012 eine Anfrage auf Hilfe aus dem Euro-Rettungsfonds und benötigt nach eigenen Angaben rund 17 Milliarden Euro. Der Antrag ist jedoch umstritten. Zypern muss sich bis heute den Vorwurf gefallen lassen, korrupte russische Beamte und Oligarchen hätten knapp 20 Milliarden Euro auf den Bankkonten der Mittelmeerinsel gelagert.
Zyperns Wirtschaft leidet zudem unter einer extremen Exportschwäche: 2011 standen Importen von 6,2 Milliarden Euro Ausfuhren von 1,3 Milliarden Euro gegenüber. Haupthandelspartner ist ausgerechnet Griechenland. Die Banken wickeln traditionell Geschäfte für ausländische Investoren, unter anderem aus Russland, ab.
(Quelle: dpa, afp)



