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US-Botschaft in der Türkei

Anschlag: Ankara geht von Linksterror aus

  • Video Selbstmordanschlag in Ankara
  • VideoSelbstmordanschlag in Ankara

    Bei einem Anschlag auf die US-Botschaft in Ankara kommen zwei Menschen ums Leben.

    (01.02.2013)

    Die Vertretung der USA in der Türkei ist zum Ziel eines Selbstmordanschlags geworden. Der Attentäter riss in der US-Botschaft in Ankara einen Wachmann mit in den Tod. Zu der Tat bekannte sich niemand. Regierungschef Erdogan zeigte sich jedoch überzeugt: Es waren marxistische Terroristen. 

    Der Attentäter zündete die Bombe offenbar in der Sicherheitsschleuse im Eingang zur Visa-Abteilung der Botschaft - dabei riss er einen Wachmann mit in den Tod. Nach offiziellen Angaben wurde zudem eine türkische Fernsehjournalistin schwer verletzt, zwei weitere Wachleute hätten leichtere Verletzungen erlitten. Den Ermittlungen zufolge drang der Mann am Freitag in ein Nebengebäude auf dem Botschaftsgelände ein und zündete seinen Sprengsatz, den er am Körper befestigt hatte.


    Erdogan macht marxistische Gruppe verantwortlich

    Zu dem Anschlag bekannte sich zunächst niemand, die türkische Regierung machte jedoch die verbotene marxistische Gruppe DHKP-C für den Anschlag verantwortlich. Regierungschef Recep Tayyip Erdogan sagte dem Sender HaberTurk, der Angriff gehe auf das Konto der Untergrundorganisation Revolutionäre Volksbefreiungspartei-Front.  "Ich äußere mich prinzipiell nur, wenn ich das endgültige Ergebnis erhalten habe. Aber ich kann eindeutig sagen: Es war die DHKP-C."

    Die Gruppe wird von den USA und von der Europäischen Union als terroristisch eingestuft. Die DHKP-C fordert einen sozialistischen Staat und gilt als entschieden anti-amerikanisch. Auf ihr Konto soll unter anderem ein Angriff auf eine Polizeiwache in Istanbul am 11. September 2012 gehen, dem elften Jahrestag der Anschläge auf das World Trade Center in den USA.

    Die DHKP-C beklagt einen zu starken Einfluss der US-Außenpolitik in der Türkei. Die Regierungen in Ankara und Washington arbeiten ungeachtet einiger Spannungen seit Jahren intensiv zusammen. US-Präsident Barack Obama wählte die Türkei als erstes muslimisches Land für einen Besuch nach seinem ersten Wahlsieg vor fünf Jahren.

    400 US-Soldaten wegen Patriot-Einsatz im Land

    In den vergangenen Wochen trafen rund 400 US-Soldaten im Land ein, um gemeinsam mit deutschen und niederländischen Kameraden die Grenze zum Bürgerkriegsland Syrien mit Patriot-Abwehrraketen zu sichern. US-Soldaten sind aber nicht nur wegen des Patriot-Einsatzes im Land, sie betreiben auch ein NATO-Radarsystem im Osten der
    Türkei, das unter anderem zum Schutz gegen eine mögliche Bedrohung durch Iran dienen soll.

    Anschläge auf US-Einrichtungen 
    • US-Einrichtungen und Amerikaner im Ausland waren schon häufig Ziel von Anschlägen. Spektakuläre Fälle:

    • 11. bis 13. September 2012: Als Reaktion auf ein Schmäh-Video über den Propheten Mohammed stürmen Muslime US-Botschaften in mehreren Ländern. Beim Angriff auf das Konsulat im libyschen Bengasi werden vier Amerikaner getötet, darunter der Botschafter.

      Ägyptische Demonstranten greifen die Botschaft in Kairo an. Im Jemen stürmen mehrere hundert Demonstranten die US-Vertretung in Sanaa. Vier Angreifer sterben.

    • 2. März 2011: Ein Kosovo-Albaner greift auf dem Flughafen Frankfurt/Main einen Bus mit US-Soldaten an. Zwei von ihnen sterben, zwei weitere werden schwer verletzt. Als Motiv nennt der Täter Rache für US-Angriffe auf Muslime.

    • 17. September 2008: Bei einem Terroranschlag auf die US-Botschaft im Jemen kommen mindestens 16 Menschen ums Leben. Die als Polizisten verkleideten Terroristen greifen das Botschaftsgelände in Sanaa mit Schusswaffen, einer Panzerfaust und Autobomben an.

    • 9. Juli 2008: Bei einem Feuergefecht vor dem US-Konsulat in Istanbul sterben drei türkische Polizisten und drei der vier Angreifer. Die Männer werden Osama bin Ladens Terrornetz Al-Kaida zugerechnet.

    • 6. Dezember 2004: Bei einem Angriff auf das US-Konsulat im saudi-arabischen Dschidda werden fünf Konsulatsmitarbeiter und vier Attentäter getötet. Islamisten bekennen sich zur Tat.

    • 26. Mai 2004: Zwei Autobomben explodieren vor dem Pakistanisch-Amerikanischen Kulturzentrum im pakistanischen Karachi. Ein Polizist wird getötet.

    • 15. Oktober 2003: Bei einem Sprengstoffanschlag auf US-Bürger in den palästinensischen Autonomiegebieten sterben am Grenzübergang Eres drei Sicherheitsbeamte der US-Botschaft in Israel.

    • 14. Juni 2002: Vor dem US-Konsulat im pakistanischen Karachi explodiert ein Auto. Zwölf Pakistaner sterben.

    • 12. Oktober 2000: Bei einem Anschlag auf den US-Zerstörer "USS Cole" sterben im Hafen von Aden (Jemen) 17 Soldaten und zwei Täter, 39 Menschen werden verletzt. Zu dem Attentat bekennt sich Al-Kaida.

    • 7. August 1998: Bei zeitgleichen Anschlägen auf die US-Botschaften in Nairobi (Kenia) und Daressalam (Tansania) sterben 230 Menschen, Tausende werden verletzt. Drahtzieher ist Osama bin Laden.

    Die US-Regierung verurteilte das Selbstmordattentat. "Wir arbeiten eng mit der türkischen Polizei zusammen", sagte eine Sprecherin des Außenministeriums. Nach Medienberichten hatten US-Vertreter in Ankara bereits mehrmals mit den türkischen Behörden über mögliche Sicherheitsrisiken für die Botschaft gesprochen. Demnach wurde auch über einen Neubau außerhalb der Stadt gesprochen.

    US-Konsulat rät Amerikanern zu Vorsicht

    Das US-Konsulat in Istanbul mahnte Amerikaner in der Türkei zu besonderer Vorsicht und riet ihnen, sich vorerst von amerikanischen Vertretungen fernzuhalten. Das britische Generalkonsulat in Istanbul empfahl britischen Unternehmen in der Türkei, besonders wachsam zu sein und Sicherheitsvorkehrungen zu ergreifen. Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte, sie sei bestürzt über den Vorfall.

    Auslandsvertretungen der USA wurden bereits häufiger Ziel von Angriffen, etwa im September vergangenen Jahres im ostlibyschen Bengasi, wo der US-Botschafter und drei andere Amerikaner getötet wurden, als Extremisten das dortige Konsulat stürmten. 1998 starben Hunderte bei Anschlägen auf die US-Botschaften in Kenia und Tansania.

    01.02.2013, Quelle: dpa, afp, ap, reuters
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