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19.06.2013

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Schon wieder Montag: Überstunden

Arbeit für lau - paradox, aber üblich

  • Infografik Das Kreuz mit den Überstunden
  • Video Auf der Jagd nach den Zeitfressern
  • InfografikDas Kreuz mit den Überstunden
    Fallback / Quelle: ZDF
    VideoAuf der Jagd nach den Zeitfressern

    Wer hat an der Uhr gedreht? Kaum hat der Arbeitstag begonnen, ist es auch schon wieder Arbeit. Doch wo ist all die Zeit geblieben? Zeitfresser sorgen jeden Tag für Stress und Überstunden.

    (16.08.2012)

    40-Stunden-Woche? Von wegen. Die Deutschen machen im Schnitt 12,3 Überstunden pro Monat – davon drei unbezahlt. Das zeigt eine aktuelle Studie. Im heute.de-Interview erklärt Co-Autor Hans-Ulrich Brautzsch, warum sich die Arbeitnehmer das gefallen lassen. 


    heute.de: In Deutschland werden immer mehr unbezahlte Überstunden geleistet, im Schnitt arbeitet jeder Berufstätige drei Stunden pro Monat ohne Bezahlung. Warum lassen Arbeitnehmer sich das gefallen?

    Hans-Ulrich Brautzsch:
    Zur Person
    Hans-Ulrich Brautzsch

    Dr. Hans-Ulrich Brautzsch ist Arbeitsmarktexperte am Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH). Zu den Schwerpunkten in seiner Forschung zählen die Entwicklung von Arbeitsmarkt und Konjunktur in Deutschland. 2012 war Brautzsch Co-Autor einer IWH-Studie zu unbezahlten Überstunden.

    Unbezahlte Überstunden sind ein paradoxes Phänomen und die Ursachen, warum Menschen sich darauf einlassen, sind vielfältig und schwer zu greifen. Oft wird erwartet, dass unbezahlte Überstunden geleistet werden. Eine andere Ursache liegt darin, dass Überstunden häufig freiwillig als Investition in die eigene Karriere gemacht werden. Das geschieht dann in der Erwartung, dass sich diese Überstunden eines Tages in einem höheren Gehalt niederschlagen.

    heute.de: Heißt das im Umkehrschluss, es handelt sich um freiwillig geleistete unbezahlte Überstunden?

    Brautzsch: Es gibt sicher Fälle, in denen man Überstunden im persönlichen Interesse für unumgänglich hält. Beispielsweise ist man - wenn der eigene Arbeitsplatz unsicher geworden ist - eher bereit, unbezahlte Überstunden zu leisten, in Erwartung, dass der Arbeitsplatz dadurch sicherer wird. Zu beachten ist aber Folgendes: Die unbezahlten Überstunden konzentrieren sich auf bestimmte Gruppen, auf Führungskräfte, auf qualifizierte Mitarbeiter. Mit der Übernahme einer Führungsaufgabe geht es meist einher, dass die Aufgaben nicht in der normalen Arbeitszeit bewältigt werden können. Das ist dem Arbeitnehmer im Vorfeld klar. Er geht dann bewusst, also freiwillig, ein solches Arbeitsverhältnis ein und nimmt die Mehrarbeit in Kauf.

    heute.de: Aber warum gibt es ausgerechnet heute so viele unbezahlte Überstunden wie nie zuvor?

    Brautzsch: Die unbezahlten Überstunden nehmen zu, weil auch die Zahl der Personen, die in Branchen arbeiten, wo solche Überstunden anfallen, zunimmt. Zum Beispiel nimmt ja der Dienstleistungsbereich in Deutschland wegen des strukturellen Wandels ständig zu – also genau der Bereich, wo die meisten unbezahlten Überstunden geleistet werden.

    heute.de: In welchen Jobs werden denn die meisten Überstunden gemacht?

    Brautzsch: Vor allem in den qualifizierten Jobs in den Dienstleistungsbereichen. Weniger unbezahlte Überstunden gibt es hingegen im produzierenden Gewerbe. Wenn hier mehr gearbeitet wird, wird das häufiger kompensiert.
    Schon wieder Montag

    Die Arbeitswoche beginnt und bringt Spaß oder Frust im Job, Chancen oder Probleme. Heute.de geht in der Serie Schon wieder Montag jede Woche einem Thema aus der Arbeitswelt auf den Grund. Was bewegt Sie in Sachen Job und Karriere? Schreiben Sie an redaktion.heuteonline@zdf.de - wir freuen uns über Anregungen für die nächsten Montage.

    heute.de: Machen Überstunden Arbeitsplätze kaputt?

    Brautzsch: Tatsache ist, dass die Arbeitsplätze, in denen die meisten Überstunden geleistet werden, von Hochqualifizierten besetzt sind. Ein Teil derjenigen, die keine Arbeit haben, ist weniger qualifiziert. Wegen dieser Verteilung ist es meist zu kurz gegriffen zu sagen, dass der Abbau von Überstunden an einer Stelle an anderer Stelle neue Jobs schaffen würde. Vereinfacht gesagt: Man kann die Arbeit der Überstunden leistenden Höherqualifizierten nicht auf Arbeitslose übertragen.

    heute.de: Wie schreibt man denn Überstunden am besten auf? Auch minutenweise, wenn beispielsweise täglich 20 Minuten anfallen?

    Brautzsch: Da muss jeder eine individuelle Lösung finden. Es kommt immer auf die Phase an, in der man sich befindet und auf die Ziele, die man hat.

    Das Interview führte Valerie Henschel

    28.01.2013
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