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Stressreport Deutschland 2012

Arbeitgeber blockieren Anti-Stress-Verordnung

  • Video Studie: Belastung am Arbeitsplatz wächst
  • Video Wenn das Smartphone klingelt...
  • Grafik Deutsche sind besonders im Stress
  • Video Burnout durch Arbeit
  • VideoDeutsche Islamisten reisen nach Ägypten

    Die Belastung am Arbeitsplatz wächst. Laut dem neuen Stress-Report Deutschland glauben 43 Prozent der Erwerbstätigen, dass ihr beruflicher Stress zugenommen hat. Die Folgen: immer mehr werden krank.

    (29.01.2013)
    VideoWenn das Smartphone klingelt...

    Forscher warnen vor dem Stress, den wir durch die ständige Erreichbarkeit erleiden. ZDF-Reporter und Smartphone-Junkie Wolf-Christian Ulrich prüft, was wirklich dran ist.

    (10.01.2013)
    GrafikDeutsche sind besonders im Stress
    Fallback / Quelle: ZDF
    VideoBurnout durch Arbeit

    Antriebsschwäche und Erschöpfungszustände - beim Burnout handelt es sich nicht mehr nur um eine Managerkrankheit. Burnout ist längst in der Masse der Betriebe angekommen.

    (28.08.2012)

    Zeitdruck und ständige Unterbrechungen bei der Arbeit sind zum Dauerstress geworden. Psychisch bedingte Krankschreibungen nehmen zu. Der Stress kostet viel Geld. Dennoch können sich Arbeitgeber und Gewerkschaften nicht auf Gegenstrategien einigen. 

    Download

    Stressreport 2012 der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin - die wichtigsten Ergebnisse als Download sowie die komplette Studie.

    Der hohe Arbeitsstress in allen Branchen kostet die Wirtschaft pro Jahr zehn Milliarden Euro. Psychische Belastungen sind die Hauptursache dafür, dass Arbeitnehmer vorzeitig Rente beantragen müssen (42 Prozent). Das sind zwei Zahlen zum "Stressreport Deutschland 2012", der am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde. Er kommt zu dem Ergebnis, dass ein großer Teil der Arbeitnehmer die Dauerbelastungen durch Zeitdruck, ständige Unterbrechungen der Arbeit, Multitasking und Monotonie zunehmend schlechter verkraftet.

    Breite Zusammenarbeit ausgehebelt

    Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) bilanzierte bei der Vorstellung des Reports, eine Folge des Drucks seien allein 2011 bundesweit 59 Millionen Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen. Von der Leyen bedauerte, dass Arbeitgeber und Gewerkschaften sich nicht auf eine gemeinsame Strategie gegen zuviel Stress am Arbeitsplatz verständigen konnten. Eine "Anti-Stress-Verordnung" sei aber nur sinnvoll, wenn die Inhalte geklärt seien.

    Die Ministerin bezog sich auf gemeinsame Verhandlungen mit Arbeitgebern, Gewerkschaften und dem Bund, die gerade gescheitert waren. Da hatte man eine gemeinsame "Erklärung zur psychischen Gesundheit bei der Arbeit" unterzeichnen wollen. Aber dazu kam es dann nicht. Die Arbeitgeber hätten "auf der Zielgeraden einen Rückzieher" gemacht, klagte DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach. Es brauche klare Regeln und Sanktionen für Unternehmen, die gegen die Ziele der Erklärung verstießen.

    Hundt: Nicht Arbeit macht Stress, sondern Arbeitslosigkeit

    Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt dagegen erklärte, man habe in vielen Punkten Einigkeit erzielt, insbesondere in Hinblick auf Verbesserungen am Arbeitsplatz. Die Gewerkschaften wollten aber eine neue Rechtsverordnung, während die Arbeitgeber dies für unnötig hielten. Man werde die Gespräche fortsetzen.

    Fragen und Antworten zum Stress im Job 
    • Ist Burn-out eine Promi-Krankheit?

      Nein. Es kann jeden treffen. Die Krankenkassen sprechen von einer Volkskrankheit. 41 Prozent der Frühverrentungen haben psychische Erkrankungen als Ursache. Diese nahmen laut Krankenkasse DAK-Gesundheit 2012 um vier Prozent zu, rückten erstmals auf Platz zweialler Krankschreibungen hinter Muskel- und Skeletterkrankungen.

    • Warum klagen viele über Psychostress?

      Die globalisierte Arbeitswelt, die internationalen Verflechtungen der Konzerne, der Konkurrenzdruck: All das zusammen erhöht die Anforderungen an die Beschäftigten. Ihre Arbeitstage werden immer länger, auch an den Wochenenden sitzen sie im Büro oder zu Hause am Schreibtisch, überrollt von einer Lawine von E-Mails. In dieser Tretmühle sind viele dann ausgelaugt, überfordert, verzweifelt, kraftlos. Der Akku ist - salopp gesprochen - leer.

    • Ist jede psychische Erkrankung jobbedingt?

      Nein. Denn der Umgang mit Stress im Job ist höchst verschieden. Manche sind stressresistenter als andere, die dann auch früher an ihr Limit kommen. Depressionen können ihre Ursache auch im privaten Umfeld haben, etwa eine Ehescheidung oder der Tod eines Angehörigen. Hoher Arbeitsdruck, monotone Tätigkeiten und Unzufriedenheit können aber diese seelischen Leiden verschärfen.

    • Was belastet die Menschen am meisten?
      Am häufigsten belastet fühlen sich die Beschäftigten - 58 Prozent - nach dem neuen "Stressreport Deutschland 2012" der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) durch Multitasking, also das Sich-Kümmern-Müssen um mehrere Aufgaben gleichzeitig. Termin- und Leistungsdruck sowie ständige Unterbrechungen nerven die Arbeitnehmer ebenfalls erheblich. Laut BAuA hat sich der Anteil der von diesen Stressfaktoren betroffenen Beschäftigten auf dem relativ hohen Niveau des vergangenen Jahrzehnts stabilisiert. Immerhin 43 Prozent klagen aber über wachsenden Stress innerhalb der vergangenen zwei Jahre.

    • Macht Arbeit generell krank?
      Nein. Arbeit trägt nach Einschätzung der BAuA-Experten grundsätzlich zur Zufriedenheit bei: Die psychische Gesundheit Erwerbstätiger ist meist besser als die von Arbeitslosen. Kritisch wirken sich jedoch andauernder Zeitdruck und fehlende Erholungsmöglichkeiten aus; positiv Teamarbeit und die Möglichkeit, Arbeit selbst planen und einteilen zu können. Laut Stressreport stehen Ingenieure, Chemiker, Physiker und Mathematiker am häufigsten unter starkem Termin- und Leistungsdruck. Wegen des durchweg größeren Handlungsspielraums leiden sie aber seltener unter gesundheitlichen Beschwerden.

    • Was ist mit den Chefs?
      Die stehen meist selbst unter Dauerstress, und zwar umso mehr, je größer die Zahl der Mitarbeiter ist, für die sie verantwortlich sind. Das macht es Führungskräften schwer, "gesundheitsförderlich zu führen", heißt es im Report. Immerhin 59 Prozent der Beschäftigten geben an, von ihren Vorgesetzen häufig Unterstützung zu erhalten.

    • Sind Psycho-Probleme eine Modekrankheit?
      Manche Experten bejahen das, zumal Burnout kein offizielles Krankheitsbild ist. Die Arbeitgeber sehen als Grund für immer mehr Arbeitsunfähigkeits-bescheinigungen die wachsende Zahl neuer Diagnosen für seelische Leiden. Damit würden Alltagsprobleme zu seelischen Störungen umdefiniert, Menschen mit bloßen Beeinträchtigungen der Befindlichkeit zu Patientenen gemacht.

    Zum Stressreport selbst sagte Hundt, psychische Störungen aufgrund von Arbeitsbelastungen hätten nicht zugenommen, würden aber häufiger diagnostiziert. Tatsächlich sieht Hundt, dass Beschäftigte seltener an psychischen Erkrankungen litten als Nichtbeschäftigte. "Daher ist es auch falsch, psychische Erkrankungen vorrangig auf Arbeit zurückzuführen, das Gegenteil ist richtig."

    Mehrere Dinge gleichzeitig erledigen

    Dem Report zufolge müssen 58 Prozent der Arbeitnehmer dauernd mehrere Dinge gleichzeitig erledigen, jeder Zweite steht unter starkem Zeit- und Termindruck. 44 Prozent werden ständig unterbrochen, etwa durch E-Mails und Telefonate. Als belastend empfinden den Zeitdruck aber nur 34 Prozent der Befragten, die Arbeitsunterbrechungen jeder Vierte. Jeder Zweite empfindet ständig wiederkehrende Arbeitsvorgänge als belastend. Nach Angaben der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, die den Report erstellt, sind die psychischen Anforderungen und Belastungen seit 2006 unverändert.

    DAK: 2012 mehr psychische Erkrankungen

    Depressionen und andere psychische Erkrankungen haben nach einer Analyse der Krankenkasse DAK-Gesundheit auch 2012 zugenommen. Dies werde für die Arbeitswelt "zunehmend zum Problem", heißt es in einer Mitteilung. Psychische Erkrankungen nahmen danach um vier Prozent zu und rückten erstmals auf Platz zwei aller Krankschreibungen.

    Der Anteil psychischer Erkrankungen am Krankenstand steigt seit Jahren kontinuierlich. Krankschreibungen aufgrund psychischer Diagnosen dauern laut DAK-Gesundheit im Durchschnitt 33 Tage. Erst am Wochenende war bekannt geworden, dass die Krankheitstage aufgrund von Burn-Out-Syndrom innerhalb von acht Jahren bis Ende 2011 um das 18-fache gestiegen waren.

    Ausgleichend wirkt die zu 88 Prozent als gut empfundene Zusammenarbeit im Betrieb und die Hilfe von Kollegen (80 Prozent). Fast 70 Prozent der Arbeitnehmer können sich ihre Arbeit zumindest in Grenzen einteilen, fast 60 Prozent fühlen sich vom Chef unterstützt. Diese Faktoren sorgen dafür, dass der Stress unterschiedlich stark empfunden wird und nicht zwangsläufig zu Krankheiten führt.

    29.01.2013, Quelle: epd, ZDF
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