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21.05.2013

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Biodiversität

Artenschutz auf dem Teller

  • Bilderserie Fast "ausgestorbene" Lebensmittel
  • Video Mit Wildpferd gegen Wildwuchs
  • Video außendienst: Koala, Känguruh und Co
  • BilderserieFast "ausgestorbene" Lebensmittel
    Pastinake
    (01.03.2013)
    Video

    Sie sind mit die naturnahesten Unkrautbekämpfer Deutschlands: in einem Steinbruch auf der schwäbischen Alb werden Wildpferde und Urzeit-Rinder zur Artenpflege eingesetzt.

    (12.06.2012)
    Videoaußendienst: Koala, Känguruh und Co

    ZDF-Reporter Andreas Stamm ist im außendienst bei Australiens Artenschützern – und entwickelt beim Füttern und Hegen Vatergefühle für das ein oder andere verletzte Tier.

    (20.06.2012)

     von Britta Wagner

    Soll der Handel von gefährdeten wilden Arten wie Haien stärker beschränkt werden? Das ist Thema auf der Artenschutzkonferenz in Bangkok, die heute beginnt. Doch die Artenvielfalt ist nicht nur in der freien Natur bedroht – sondern auch auf Äckern und in Ställen. 

    Als Alternative zur viel geschmähten Holland-Tomate gibt es Rispentomaten, Cocktailtomaten und vielleicht noch gelbe Tomaten. Das ist das Standard-Angebot im Supermarkt – eine Auswahl, über die Tomatenkenner nur müde lächeln können. Die
    Britta Wagner / Quelle: Britta Wagner

    Britta Wagner schreibt für heute.de über Wissenschaft und Gesellschaft.
    Quelle: Britta Wagner

    Gärtnerin Melanie Grabner hat in zehn Jahren mehr als 450 Tomaten-Arten angebaut und ausprobiert. Auf die Frage nach ihrer Lieblingssorte nennt sie gleich fünf: "Angora Supersweet", "sibirische Fleischtomate", "lila Tomate", "Lime Green Salad" und "Black and Red Boar" – alles Namen, von denen der Supermarktkunde noch nicht einmal gehört haben dürfte.

    Verlust der Vielfalt

    Ganz ähnlich ist das beim Legehuhn. Fast alle weißen Eier stammen aus denselben Zuchtlinien – obwohl es bei uns eigentlich viele Arten gibt. Die bedrohtesten Tiere stehen auf einer Roten Liste, die die "Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Nutztierrassen" alljährlich herausgibt. Die Organisation warnt: Alle paar Wochen stirbt weltweit eine Nutztierrasse aus. Bei den Pflanzen geht die Welternährungsorganisation davon aus, dass seit 1900 drei Viertel aller Kultursorten ausgestorben sind – und diese Entwicklung ist noch nicht beendet.

    Washingtoner Artenschutzabkommen

    Seit seiner Aushandlung vor genau 40 Jahren sind insgesamt 177 Staaten dem Washingtoner Artenschutzabkommen CITES (Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Flora and Fauna) beigetreten. Es regelt den internationalen Handel mit wild lebenden Tier- und Pflanzen-Arten – je nach Gefährdungsgrad gibt es verschiedene Schutzkategorien, für die Handels-Verbote oder Einschränkungen (Pflicht zur Ausfuhrgenehmigung, Handelsquoten) gelten.

    Hauptursache ist die Industrialisierung, die einheitliche Hochleistungssorten in die Landwirtschaft brachte. "Leider ist dabei der Geschmack zur Nebensache geworden", findet Susanne Gura vom "Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt". Die Saatguthersteller schauten darauf, möglichst viel von einer Sorte zu verkaufen – am besten von einer Hybridsorte, so dass die Landwirte jedes Jahr neues Saatgut kaufen müssen. Für die Erzeuger zähle das Argument möglichst großer Erntemengen. Und für den Handel sei wichtig, dass sich zum Beispiel eine Erdbeersorte gut lagern und transportieren lässt.

    Einheimische Schätze

    Allerdings haben viele Hobbygärtner begonnen, vernachlässigte Pflanzen wiederzuentdecken: "Nachbarn geben wieder gute regionale Sorten über den Gartenzaun hinweg weiter", hat Gura beobachtet, die sich wie Tomaten-Freundin Grabner dafür engagiert, die Artenvielfalt der Nutzpflanzen bekannter zu machen.

    Auch die Biobranche ist inzwischen von den herkömmlichen Sorten abgekommen und entwickelt eigene Züchtungen, deren Samen sie im Folgejahr weiterverwenden können. Das schafft Unabhängigkeit vom Diktat der großen Konzerne. Und nicht zuletzt ist das Thema auch für die Slowfood-Bewegung wichtig: Schon seit Mitte der 90er Jahre sammelt die "Arche des Geschmacks" wertvolle regionale Lebensmittel, Tier- und Pflanzenarten, um sie vor dem Vergessen zu bewahren. Gourmets loben die Gaumenfreuden.

    Vielfalt zahlt sich aus

    Doch Biodiversität auf Äckern und in Ställen ist nicht nur eine Frage der Suche nach dem besonderen Geschmack oder der Freude an der Abwechslung. Die menschliche Ernährung hängt von 30 Pflanzenarten ab, hat die Welterernährungsorganisation analysiert – und dabei spielen sogar nur drei Pflanzen die Hauptrolle: Weizen, Reis, Mais.
    Sendungshinweis

    planet e "Invasion der Exoten", um 13:25 Uhr im ZDF

    Auch innerhalb dieser Arten gibt es eine genetische Verarmung: Beim Reis sieht der Agrarökologe Teja Tscharntke von der Georg-August-Universität Göttingen einen dramatischen Sortenrückgang.

    "Da geht eine genetische Vielfalt verloren, die später noch einmal wichtig werden könnte", warnt Tscharntke. Er denkt dabei an Arten, die an ein bestimmtes Klima angepasst sind – durchaus relevant in Zeiten des Klimawandels – oder gegen einen Schädling resistent sind. Das Bundesumweltministerium hat dafür ein Beispiel parat: In den 70er Jahren vernichtete ein Virus weltweit die Reisfelder. Von mehr als 6.273 getesteten Reissorten war nur eine gegen die Krankheit immun und wurde weiter gezüchtet. So könnten Sortendatenbanken und die Erhaltung der Artenvielfalt geradezu zu einer Überlebensfrage werden.

    03.03.2013, Quelle: zdf
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