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25.05.2013

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Fleischskandal in Europa

Arznei im Pferdefleisch - Festnahmen in Großbritannien

  • Video Pferdefleisch-Skandal weitet sich aus
  • Video Der Weg des Fleisches
  • Video Billigprodukte - "Nährboden für Betrug"
  • Video Pferdefleisch-Skandal in Großbritannien
  • VideoPferdefleisch-Skandal weitet sich aus
    (14.02.2013)
    VideoDer Weg des Fleisches

    Lebensmittelbetrug scheint umso leichter je mehr Wege die Nahrung zurücklegt. Manchmal um die halbe Welt. Abgesehen von dem ökologischen Irrsinn, stellt sich daneben auch das Problem der Kontrolle.

    (14.02.2013)
    VideoBilligprodukte - "Nährboden für Betrug"

    "Viele Verbraucher achten bei Lebensmitteln auf den Preis, dies ist aber oft auch der Nährboden für Lebensmittelbetrug", sagt Sternekoch Nelson Müller in einem Zwischenruf für das ZDF heute journal.

    (14.02.2013)
    VideoPferdefleisch-Skandal in Großbritannien

    Tausende unwissender Briten haben Tiefkühlkost gekauft, in dem Glauben, darin sei Rindfleisch enthalten. Stattdessen aßen sie Pferdefleisch - offenbar geliefert aus Rumänien.

    (13.02.2013)

    Der Pferdefleisch-Skandal weitet sich aus: In Deutschland findet nach Real auch Edeka Tiefkühl-Lasagne mit Pferdehack-Anteilen. In Großbritannien kommt heraus, dass Pferdefleisch mit Arznei-Rückständen in die Nahrungskette gelangt ist. Dort wurden am Abend drei Verdächtige festgenommen. 

    Der europäische Pferdefleisch-Skandal hat eine neue Dimension erreicht: In London gab es Hinweise auf Arznei-Rückstände in Pferdefleisch. Britische Lebensmitteltester  fanden heraus, dass Fleisch von drei mit dem Medikament Phenylbutazon gespritzten Pferden wohl in die Nahrungskette gelangt ist. Die geschlachteten Tiere wurden nach Frankreich exportiert. Dort fielen Tests zunächst negativ aus, sagte der britische Ernährungsstaatssekretär David Heath. Das Mittel wird bei Pferden auch als Dopingmittel verwendet, bei Menschen kurzzeitig gegen Rheuma. Das Gesundheitsrisiko für Menschen ist nach Einschätzung der britischen Behörden aber nur gering.

    Britische Polizei nimmt drei Männer fest

    In Großbritannien wurden am Abend drei Männer unter Betrugsverdacht festgenommen - zwei von ihnen in einem Fleischbetrieb in Wales, der dritte Verdächtige in einer Fleischfirma in der Grafschaft West Yorkshire. Beide Betriebe waren am vergangenen Dienstag bereits von der Polizei durchsucht worden. Die britische Lebensmittelaufsicht FSA stellte den Betrieb vorübergehend ein. Welche Rolle die Männer in dem aktuellen Skandal spielen, war zunächst nicht bekannt.

    Phenylbutazon

    Das Medikament Phenylbutazon wird häufig bei Pferden eingesetzt. Tiere, die damit behandelt wurden, dürfen nicht zu Lebensmitteln verarbeitet werden. Bei Menschen wird die Substanz vereinzelt bei Rheuma eingesetzt. Nebenwirkungen können - auch bei kurzzeitiger Anwendung - Blutungen in Magen und Darm sein, sagen Verbraucherschützer. Nähere  Erkenntnisse über die Gefahren für den Menschen liegen aber nicht vor.

    Unterdessen bestätigte die britische Supermarktkette Asda, dass erstmals nicht in einem Tiefkühlprodukt, sondern in einer Bolognese-Sauce aus frischem Hackfleisch Pferdebestandteile gefunden wurde. Asda nahm die betroffenen Produkte umgehend aus den den Regalen und entschuldigte sich bei den Verbrauchern. Auch in Irland wurden neue Fälle von mit Pferdefleisch versetzten Burgern bekannt.

    Edeka nimmt Lasagne aus Angebot

    Auch in Deutschland weitet sich der Fleisch-Skandal aus. Nach der Metro-Tochter Real entdeckte auch die Supermarktkette Edeka Pferdefleisch in Fertiggerichten, die eigentlich nur Rind enthalten sollten. Auf Anfrage von heute.de erklärte die Edeka-Zentrale in Hamburg, anlässlich dieser Meldungen habe man "die eigenen Lieferwege überprüft".

    Bei dem Tiefkühlartikel "Gut & Günstig - Lasagne Bolognese" habe der Lieferant eine mögliche Beimischung geringer Mengen Pferdefleisch nicht sicher ausschließen können. Daher habe das Unternehmen diesen Artikel "bereits am Dienstag vorsorglich aus dem Verkauf genommen". Tester hätten tatsächich geringe Spuren gefunden. Ein Risiko für die Verbraucher bestehe aber nicht. Die Supermarktkette Real hatte am Mittwoch eine Tiefkühl-Lasagne zurückgerufen, nachdem bei Stichproben Anteile von Pferdefleisch entdeckt worden waren.  Auch Kaiser's Tengelmann, Rewe, Edeka und Eismann überprüfen verdächtige Produkte. Ergebnisse sollen an diesem Freitag vorliegen.

    Kontrolleur: In Deutschland sicher

    Trotz Pferdefleisch-Lasagne und anderer Skandale müssen sich Verbraucher nach Einschätzung des Bundesverbands der Lebensmittelkontrolleure keine Sorgen über die Sicherheit von Lebensmitteln machen. Vorstand Manfred Woller sagt: "Wir haben in Deutschland grundsätzlich sichere Lebensmittel. Die Überwachung ist so stark wie noch nie." Der größte Teil der Produzenten sei an einer Zusammenarbeit mit den Kontrollbehörden interessiert.

    An die Grenzen stoße man allerdings durch die Globalisierung. "Wenn wir wie jetzt im Fall des Pferdefleisches sehen, dass Fleisch über solche langen Wege über verschiedene Länder vermarktet und gehandelt wird, muss man sich fragen, ob wir so was brauchen." Skeptisch bewertet Woller Forderungen von Verbraucherschützern nach einer Pflicht zur Herkunftsangabe auf dem Etikett von Fleischprodukten. "Wir müssen uns Gedanken machen, was kann der Verbraucher eigentlich noch aufnehmen an Informationen."

    In Baden-Württemberg wurde laut Behörden eine verdächtige Tiefkühl-Lasagne der Firma Eismann aus dem Handel genommen. Tiefkühl-Lasagne mit möglicherweise falsch deklariertem Pferdefleisch wurde zudem in einem Lager in Brandenburg vorsorglich sichergestellt. In beiden Fällen führt eine Spur nach NRW. In Niedersachsen wurde ein Kühlhaus geschlossen. Bayern kündigte verschärfte Kontrollen an, hat aber bislang keine Auffälligkeiten entdeckt.

    Deutsche Politiker empört: "Echte Sauerei"

    Politiker reagierten empört auf den Fund falsch deklarierter Pferdefleisch-Lasagne im deutschen Handel. "Man könnte fast sagen: Es ist eine echte Sauerei", sagte Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) in der ARD. Ihr nordrhein-westfälischer Kollege Johannes Remmel (Grüne) schloss weitere Funde nicht aus.

    110.000 Tonnen Pferdefleisch

    Es ist nicht so, dass Menschen nicht durchaus freiwillig Pferdefleisch essen. Laut EU-Kommission essen die Europäer jährlich wissentlich 110.000 Tonnen Pferd, 70.000 Tonnen davon aus heimischer Zucht.

    Aigner und Remmel sprachen von gewaltiger Verbrauchertäuschung. "Das ist kriminell", sagte Remmel in der ARD. Grünen-Fraktionschefin Renate Künast kritisierte die Billig-Produktion von Fleisch. "Beim Pferdefleisch zeigt sich, dass die Billig-Billig-Ideologie wirklich Probleme bereitet", sagte sie. In dieses Horn bläst heute auch die britische Tageszeitung "The Times".

    Niedrige Preise im Fokus

    Die Zeitung mutmaßt, dass die Ursache für das falsch deklarierte Fleisch in dem Verbot von billigem Rind- und Lammhackfleisch aus britischer Produktion liegen könnte. Im vergangenen Jahr hatte die britische Lebensmittelaufsicht FSA auf Anraten der EU-Kommission die Verarbeitung von maschinell gefertigtem Hackfleisch ohne Sehnen plötzlich untersagt. Diese Art von Hack wird aus Kostengründen in industriell hergestellter Fertigkost, Hamburger-Frikadellen und Kebabs benutzt.

    Da die Hersteller die Preise niedrig halten wollten, sei ihr Ausweichen auf billige Fleischimporte aus dem Ausland geradezu programmiert gewesen, schreibt die Zeitung. Der ehemalige Landwirtschaftsminister, Jim Paice, hatte demnach schon im vergangenen Sommer einen Parlamentsausschuss vor möglichen Billigfleisch-Importen gewarnt.

    DNA-Tests gegen falsch deklariertes Fleisch

    Die EU-Kommission will mit DNA-Tests wirksamer gegen falsch deklariertes Fleisch vorgehen. An diesem Freitag sollen Experten aus allen 27 EU-Staaten über den Vorschlag entscheiden. Die ersten 2.500 Gentests könnten den Plänen zufolge im März stattfinden, etwa 200 davon in Deutschland, teilte EU-Verbraucherkommissar Tonio Borg nach einem Krisentreffen acht beteiligter Staaten in Brüssel mit. Ergebnisse sollen Borg zufolge Mitte April veröffentlicht werden. Insbesondere Irland und Großbritannien hatten auf gentechnische Untersuchungen gedrungen.

    14.02.2013, Quelle: dpa, reuters, dapd
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