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Luftverkehr

Bei airberlin geht's ums Überleben

  • Bild Maschine der airberlin
  • Video Airberlin will 900 Stellen streichen
  • BildMaschine der airberlin
    (Quelle: imago)
    VideoAirberlin will 900 Stellen streichen

    Air Berlin will bis Ende des Jahres 2014 900 seiner 9.300 Stellen streichen. Dabei seien auch Entlassungen nicht ausgeschlossen. Seit 2008 schreibt die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft Verluste.

    (15.01.2013)

     von Steffen Lobenstein

    Seit Jahren kämpft airberlin mit roten Zahlen. Damit soll jetzt Schluss sein. Seit Januar hat die zweitgrößte deutsche Airline einen neuen Chef, Wolfgang Prock-Schauer. Er will drastisch sparen, damit das Unternehmen wieder auf die Überholspur kommt. 

    Es sind gute Zahlen, die airberlin für den Monat Januar vorgelegt hat. Die Sitzplatzauslastung stieg um ein Prozent auf 83,1 Prozent. Allerdings gibt es weniger Passagiere, da in der vergangenen Zeit eine deutliche Kürzung des Angebots erfolgte. Die Zahl der Passagiere ging im Vergleich zum Vorjahresmonat um 7,6 Prozent auf 1,76 Millionen zurück.

    Die Airline versucht, mit Streichungen beim Streckennetz, der Flotte und der Mitarbeiter wieder schwarze Zahlen zu schreiben. Das selbstverordnete Sparprogramm "Turbine" sieht bis Ende 2014 Kürzungen in Höhe von 450 Millionen Euro vor.

    Neuer Chef und knallharter Sanierer

    Der neue Chef der Airline, Wolfgang Prock-Schauer, hat jetzt in der Mitarbeiterzeitung "airberlin news" sehr deutlich gemacht, worum es geht: "Airberlin kann nur überleben, wenn wir es schaffen, unser Hauptgeschäft, nämlich den Europa-Verkehr, wirtschaftlich zu gestalten."

    Zur Person
    Wolfgang Prock-Schauer / Quelle: dpa

    Wolfgang Prock-Schauer ist 1956 in Österreich geboren. Nach seinem Studium an der Wirtschaftsuniversität Wien begann er 1981 bei Austrian Airlines. 2003 wechselte er als CEO zu Jet Airways. Die indische Fluglinie führte er 2005 sehr erfolgreich an die Börse. Von 2009 bis 2012 war Wolfgang Prock-Schauer CEO der British Midland International, einer Lufthansa-Tochter. Prock-Schauer ist verheiratet und hat drei Kinder.

    Dabei will der erfahrene Sanierer 85 Prozent der Einsparungen durch Verhandlungen erzielen. Alte Verträge sollen überprüft, mit Leasinggebern, Reiseveranstaltern und Flughäfen soll gesprochen werden. Die Mitarbeiter sollen bis 15 Prozent beisteuern. Mehr als 90 Prozent der Führungskräfte verzichten bereits auf fünf Prozent ihres Gehaltes. Die Basis soll ihr 13. Monatsgehalt einbringen. Mit den Gewerkschaften werde verhandelt. Dickster Brocken: Der Abbau von 900 Stellen. Dagegen laufen die Mitarbeiter Sturm.  

    Problematisch sind für Prock-Schauer auch die unterschiedlichen Firmenkulturen, die durch die Zusammenführung von dba und LTU zu airberlin noch immer als heterogene Strukturen erhalten geblieben sind. Die Gesellschaft sei in den letzten Jahren zu schnell gewachsen, ohne ihre Hausaufgaben zu machen.

    Sparen bei Crew und Wartung

    Für den Sommerflugplan hat das Unternehmen erste Optimierungen vorgenommen, was übersetzt Streichungen von Flugzielen und Frequenzen bedeutet. Die werden ab Winter 2013/14 dann vorangetrieben. Eine bessere Planung soll das Umsteigen an den Drehkreuzen Berlin und Düsseldorf beziehungsweise Palma verbessern, aber auch die Zahl der gesamten Flotte auf 142 Flugzeuge senken.

    Weiterer Sparpunkt: Crew- und Wartungsstandorte werden konsolidiert. 15 Crew Bases bei 25 Flughäfen allein in Deutschland sind zu viel, so Prock-Schauer. Nach Gewerkschaftsangaben wird aktuell die Schließung der Standorte Dortmund, Münster und Paderborn geprüft. Zudem wird Düsseldorf als Standort für die Hauptwartung geschlossen.

    Das Sportsponsering ist schon jetzt gestrichen, genauso der eigene große Messestand auf der ITB in Berlin, den airberlin einst nicht ohne Stolz von der Lufthansa übernommen hatte. 

    Die Fluggesellschaft

    Airberlin wurde 1978 gegründet und hat seit 2011 eine Kooperation mit Etihad Airways, die auch 29 Prozent der Anteile halten. Die arabische Gesellschaft hat mehrfach neues Geld in das Unternehmen gebracht. International kooperiert die Airline über die Luftfahrtallianz oneworld. Zu airberlin gehören Niki mit Sitz in Wien und die Schweizer Fluggesellschaft Belair. Derzeit arbeiten etwa 9.300 Menschen für das Unternehmen. 2011 flog airberlin 271 Millionen Euro Verlust ein.

    07.02.2013, Quelle: dpa
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