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Letzte Generalaudienz

Bewegender Abschied von Benedikt XVI.

  • Video Rom: Abschied von Papst Benedikt XVI.
  • Video Benedikt XVI. und die Deutschen
  • Interaktiv Papst-Scanner
  • VideoPapst 19 Uhr

    Hunderttausende Menschen haben sich in Rom am Petersplatz versammelt, um die Generalaudienz von Papst Benedikt XVI. zu hören. Er verlässt nach sieben Jahren und zehn Monaten das Amt.

    (27.02.2013)
    VideoBenedikt XVI. und die Deutschen
    (27.02.2013)
    InteraktivPapst Benedikt XVI. im Scanner
    Interaktive Anwendung Papst-Scanner / Quelle: ZDF
    (Quelle: ZDF)

    Zehntausende kamen auf den Petersplatz, um bei der letzten Generalaudienz des Papstes dabei zu sein. Mit bewegenden und sehr persönlichen Worten verabschiedete sich Benedikt XVI. von den Gläubigen. Es war keine Trauer-, sondern eine Jubelfeier, berichtet ZDF-Korrespondent Michael Bewerunge. 

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    Noch einmal große Emotionen mit dem deutschen Papst. Kurz vor seinem Rücktritt wird Benedikt XVI. auf dem Petersplatz von Zehntausenden Gläubigen umjubelt.  Der 85-Jährige, der am Donnerstagabend ohne weitere Zeremonie aus dem Amt scheiden will, ließ sich in seinem Papamobil durch die Menge fahren, bevor er die Worte an sie richtete. "Gott wird seine Kirche nicht kentern lassen", gab der sichtlich bewegte Papst den Menschen mit auf den Weg. 

    Zahlreiche Gläubige schwenkten Fahnen oder hielten Spruchbänder mit Aufschriften wie "Danke" in die Luft und jubelten ihm zu. Immer wieder klatschte die Menge begeistert, während der Papst sprach, am Ende gab es minutenlangen Beifall. "Ein bewegender Augenblick", sagte eine Pilgerin aus Bayern, "großartig, dabei zu sein".  Der letzte Auftritt des Papstes sei keine Trauer-, sondern eine Jubelfeier gewesen, sagt ZDF-Korrespondent Michael Bewerunge. Und der Papst habe das Bad in der Menge sichtlich genossen.

    Papst-Bruder: "Es geht ihm gut"

    Georg und Joseph Ratzinger

    Georg und Joseph Ratzinger

    Der Papst und sein Bruder - seit jeher sind Joseph und Georg Ratzinger eng verbunden. Beide sehen sich regelmäßig. Den letzten großen Auftritt von Benedikt XVI. schaute sich der in Regensburg lebende ältere Bruder aber lieber daheim im Fernsehen an.

    "Es war sehr berührend", sagte der 89-jährige Georg Ratzinger anschließend der Nachrichtenagentur dpa. "Es herrschte eine wehmütige Stimmung." Und der Prälat fügte mit Blick auf die angeschlagene Gesundheit von Benedikt XVI. hinzu: "Es geht ihm gut."

    Auch am Abend des 19. April 2005 hatte Georg Ratzinger gebannt vor dem Fernseher gesessen, als der neue Papst verkündet wurde: Joseph Ratzinger. Der damals 81-Jährige Georg Ratzinger sei kreidebleich geworden,  "Er ist vor dem Fernseher versunken und sagte kein Wort", berichtete seine Haushälterin Agnes Heindl damals. Dass ausgerechnet sein Bruder Papst werden und damit jedes Privatleben verlieren sollte, hatte ihn schockiert.

    Dieses Mal saß der weißhaarige Mann wesentlich entspannter vor dem Fernseher - wenn auch etwas gerührt. Seinem Bruder war "die innere Anteilnahme anzusehen", sagte Georg Ratzinger, aber er sei "relativ gut disponiert" gewesen.

    Nach Deutschland würde "der Joseph"  nicht mehr kommen, da ist sich der langjährige Leiter der Regensburger Domspatzen sicher.  So wird der ältere Bruder den jüngeren auch weiterhin besuchen, bald in dessen neuem Domizil, einem umgebauten Kloster im Vatikan. Und Georg Ratzinger weiß: "Ich bekomme ein eigenes Zimmer."

    von Paul Winterer, dpa

    "Vergelt's Gott"

    In seiner Ansprache dankte der Papst allen, die seinen Rücktritt mit Respekt und Verständnis aufgenommen haben. Er habe diese Entscheidung zum Wohl der Kirche getroffen. "In den letzten Monaten habe ich empfunden, dass meine Kräfte nachlassen", sagte Benedikt XVI. in seiner Ansprache. Er habe zu Gott gebetet, um die richtige Entscheidung zu treffen und habe sie dann getroffen - "im vollen Bewusstsein der Schwere". "Der Herr hat mich immer geführt und war mir nah", sagte der Papst auf Deutsch und sprach "ein herzliches Vergelt's Gott".

    Er sei sich bewusst, wie wichtig und ungewöhnlich sein Rücktritt sei, sagte der Papst, der als erstes katholisches Kirchenoberhaupt seit dem Mittelalter vor dem Tod auf eigenen Beschluss aus dem Amt scheidet. Benedikt hatte seinen Rücktritt am 11. Februar angekündigt und ihn mit schwindenden Kräften begründet. Er werde den Weg der Kirche weiterhin im Gebet begleiten. Der Papst dankte auch seinen Mitarbeitern, die für ihn während des fast achtjährigen Pontifikats ein sicherer Halt gewesen seien.

    "Gott führt die Kirche"

    Vor allem aber dankte der scheidende Papst Gott, der ihn in diesen acht Jahren geführt habe - in Zeiten der Freude und des Lichts, aber auch in schwierigen Zeiten, als der Wind entgegenstand und Gott zu schlafen schien. Wie die Jünger beim Sturm auf dem See Genesareth wusste er aber, dass Gott mit im Boot sei, dass er das Schiff der Kirche geführt habe - denn es sei ja sein Boot. "Gott führt die Kirche, er unterstützt sie immer, auch und vor allem in schwierigen Momenten". Nichts könne diese Gewissheit verdunkeln, rief der Papst. Er äußerte sich zuversichtlich und überzeugt, dass die Kirche die Kraft habe, auch Krisen zu überwinden.


    Die Zeremonie folgte weitgehend dem klassischen Ablauf einer Generalaudienz: eine Schriftlesung, dann eine längere Ansprache auf Italienisch, an die sich Zusammenfassungen auf Französisch, Englisch, Deutsch und Spanisch anschlossen, sowie Grußworte in einem halben Dutzend weiterer Sprachen, einschließlich Arabisch.

    Eine Ära geht zu Ende

    Daran schloss sich der Segen des Papstes für die Gläubigen auf dem Petersplatz an. Zum letzten Mal rief Benedikt XVI. die Fürsprache der Apostel und den Segen Gottes auf die Menschen herab. Mit langem Applaus dankten die Gläubigen dem Papst. "Betet für die Kardinäle, betet für den neuen Nachfolger des Apostels Petrus!", rief er den Menschen zu. Dann bestieg Benedikt XVI. das offene Papamobil. Eskortiert von Schweizergarde und vatikanischer Gendarmerie fuhr er über den Petersplatz - und verschwand zum letzten Mal durch das Glockentor im Inneren des Vatikan. Eine Ära geht zu Ende.

    Die katholische Kirche weltweit

    1,18 Milliarden Katholiken

    Knapp 2,3 Milliarden Christen leben auf der Welt. Die römisch-katholische Kirche bildet mit 1,18 Milliarden Angehörigen hinter den Muslimen (1,56 Milliarden) die zweitgrößte Religionsgemeinschaft. Laut Vatikan ist von 2009 bis 2010 der Anteil der Katholiken in Europa und Südamerika gesunken, während er in Afrika und Südostasien stieg.

    Lateinamerika

    Mit 488 Millionen Gläubigen leben über 40 Prozent der Katholiken in Mittel- und Südamerika. Auf dem Kontinent ist keine andere Religionsgemeinschaft nur annähernd so bedeutend wie die katholische Kirche.

    Europa

    Rund 588 Millionen Christen leben in Europa (inklusive Russland). Der katholischen Kirche gehören 278 Millionen Menschen an - das sind knapp ein Viertel der weltweiten Katholiken. Mit reichlich 200 Millionen Gläubigen stellt die orthodoxe Kirche die zweitgrößte christliche Gruppe in Europa. Etwa 69 Millionen Menschen sind protestantische, 26 Millionen anglikanische Christen. Rund 100 Millionen Menschen werden keiner Religion zugeordnet.

    Afrika

    Christen bilden mit knapp 500 Millionen Anhängern vor den Muslimen die größte Glaubensgemeinschaft auf dem Kontinent. Die meisten davon - 183 Millionen - gehören der römisch-katholischen Kirche an. Sie stellen über 15 Prozent der Weltgemeinde.

    Asien

    Hinter Muslimen, Hindus, Anhängern von Volks- und ethnischen Religionen sowie Buddhisten stellen die Katholiken mit 140 Millionen Mitgliedern nur einen kleinen Teil unter den asiatischen Gläubigen. Rund jeder neunte Katholik kommt somit aus Asien.

    Nordamerika und Ozeanien

    Knapp ein Drittel der 275 Millionen nordamerikanischen Christen sind Katholiken (87 Millionen). Rund neun Millionen Katholiken leben in Ozeanien. Somit leben auf beiden Kontinenten etwa acht Prozent der weltweiten Katholiken.

    27.02.2013, Quelle: dapd, dpa, kna, ZDF
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