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Spielabbruch nach Rassismus

Boateng würde es wieder tun

  • Bild Kevin-Prince Boateng
  • BildKevin-Prince Boateng
    Kevin-Prince Boateng (AC Mailand)

    Kevin-Prince Boateng würde jederzeit wieder das Spielfeld aus Protest gegen Rassismus verlassen - auch in einem Spiel der Champions League. ZDF-Sportexperte Wolf-Dieter Poschmann sieht aber nicht nur die Spieler in der Pflicht. Gerade Fans müssten sich klar von Rassismus distanzieren. 

    Kevin-Prince Boateng will nach seinem eindrucksvollen Statement gegen Rassismus in Zukunft bei ähnlichen Fällen genauso handeln. "Egal, ob Freundschaftsspiel, Ligaspiel oder Champions League - ich würde wieder vom Feld gehen. Ich bin traurig und wütend, dass ich derjenige sein musste, der etwas unternimmt", sagte der 25-Jährige im Interview mit CNN.

    Verantwortung auch bei den Fans

    Vor und während eines Testspiels hatten am Donnerstag Fans des Viertligisten Pro Patria Boateng und weitere dunkelhäutige Milan-Spieler beleidigt. Daraufhin unterbrach Boateng in der 26. Minute das Spiel, schoss den Ball in Richtung der Zuschauer und verließ den Platz. Seine Teamkollegen folgten Boateng, das Spiel wurde anschließend abgebrochen.

    Wolf-Dieter Poschmann / Quelle: zdf

    ZDF-Sportexperte Wolf-Dieter Poschmann
    Quelle: zdf

    ZDF-Sportexperte Wolf-Dieter Poschmann sieht in dem Statement von Boateng zwar ein starkes Signal, hinterfragt aber die Nachhaltigkeit und fordert deshalb von den Vereinen und Fans ebenfalls ein klares Bekenntnis: "Nur wenn sich die Fans ganz klar von radikalen und rassistischen Fans abgrenzen, dann wird deutlich, das Rassismus in Stadien keinen Platz hat. Die Verantwortung kann nicht nur bei den Spielern liegen".

    Große Solidarität mit Boateng

    Nach dem eindrucksvollen Zeichen gegen Rassismus können sich der ehemalige Bundesligaprofi Kevin-Prince Boateng und sein Klub AC Mailand über große Solidarität
    freuen. "Der AC Milan hat sich fantastisch verhalten. Italien muss wachsen und entschlossener gegen Rassismus vorgehen. Wir haben einen wichtigen Schritt in diese Richtung unternommen", sagte Italiens Nationaltrainer Cesare Prandelli.

    Auch AC-Mailand-Eigner Silvio Berlusconi hat angekündigt, dass die Fußballer seines Vereins künftig bei jeder Begegnung dem Beispiel von Kevin-Prince Boateng folgen und eine Partie im Falle rassistischer Beleidigungen abbrechen werden. "Ich garantiere, dass bei allen Spielen, auch internationalen, Milan vom Feld gehen wird, bei denen es zu Vorfällen dieser Art kommt", sagte er.

    Boateng bedankt sich

    Der ehemalige Bundesligaspieler Kevin-Prince Boateng hat sich nach den rassistischen Beleidigungen für den Zuspruch bedankt. "Danke an alle für die Unterstützung und das Verständnis. Das bedeutet mir sehr viel", twitterte der gebürtige Berliner. Hier der Link zum Video, wo er den Platz verlässt: das Video

    Der Präsident der Spielergewerkschaft AIC, Damiano Tommasi, solidarisierte sich ebenfalls. "Der AC Milan hat ein wichtiges Signal gegeben, auch wenn ein Fußballmatch nicht von derartigen Vorfällen belastet werden dürfte. Das Ideal ist allerdings nicht,das Spiel abzubrechen, sondern die Rassisten aus den Stadien zu verjagen", sagte Tommasi. Bereits am Donnerstag hatte Giancarlo Abete, Präsident des italienischen Fußballverbandes FIGC, den Vorfall als `unerträglich" bezeichnet.

    Lob für Spielabbruch

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     Auch aus Spielerkreisen gab es Lob für den Spielabbruch. Der französische Welt- und Europameister Lilian Thuram, UNICEF-Botschafter gegen Rassismus, sprach von einer "einmaligen Reaktion" der Milan-Spieler. "Milan hat beschlossen, hart gegen Rassisten vorzugehen. Zum ersten Mal bricht ein Topklub aus Protest gegen das rassistische Verhalten von Fans ein Match ab", sagte Thuram.

    Per Twitter lobte auch Jerome Boateng das Verhalten seines Bruders. "Ich bin stolz auf meinen Bruder. Gut gemacht", schrieb der deutsche Nationalspieler von Bayern München. Ähnlich äußerten sich auch weitere Aktive.

    Pressestimmen aus Italien 
    • Gazzetta dello Sport

      "Rassistische Schande. Wir sind alle Boateng! Wir beneiden ihm nicht das Talent, den Ruhm, das Gehalt oder die schöne Freundin: Seine Geste, seine Revolte gehören uns allen. Wir sind schwarz wie er, schwarz im Gesicht, in der Seele, schwarz vor Wut wegen einer riesigen Beleidigung gegen die Vernunft und das zivile Verhalten."

    • Corriere dello Sport

      "Ein großer Klub, eine große Lehre. AC Milan ist nicht nur der italienische Klub, der auf internationalem Gebiet am meisten gewonnen hat. Er ist jetzt auch der erste Klub Italiens, der auf dem Spielfeld eine Gruppe von rassistischen Idioten besiegt hat. Milan ist ein großer Verein und er hat es auch bewiesen, indem er gestern seinen Spieler Boateng vor rassistischen Beleidigungen in Schutz genommen hat."

    • Tuttosport

      "Der AC Milan verdient größtes Lob. Der Klub zeigt, dass man keine Aggressionen, nicht einmal verbale, seitens von Personen tolerieren darf, die sich in der Gruppe stark machen, um ihre unakzeptablen Meinungen auszudrücken. Der Beschluss Milans, das Spiel abzubrechen, ist vorbildhaft."

    • Repubblica

      "Das ist ein Rekord der Schande, der uns bisher noch fehlte. Rassismus wächst in Italien und in Europa. Jetzt hat der AC Mailand auf eine Weise reagiert, die vorbildhaft ist."

    • La Stampa

      "Jetzt ist keine Rückkehr mehr möglich. Jetzt gibt es kein Alibi mehr für Klubs, die sich in der Meisterschaft aus Angst, oder aus Bequemlichkeit bei rassistischen Schmährufen taub stellen. Von jetzt an kann man nicht mehr so tun, als würde es Rassismus im Fußball nicht geben."

    04.01.2013
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