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Sexismus-Debatte

Brüderle will zu Vorwürfen schweigen

  • Bild Rainer Brüderle
  • Video Niebel: "Eine ziemliche Unverschämtheit"
  • Video Sexismus in der Politik
  • Video Kommentar zu Sexismusvorwürfen
  • BildRainer Brüderle
    Rainer Brüderle / Quelle: dapd
    (Quelle: dapd)
    VideoNiebel: "Eine ziemliche Unverschämtheit"

    Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel hat den Stern für seine Berichterstattung um Rainer Brüderle kritisiert. Es sei "eine ziemliche Unverschämtheit", die Vorwürfe erst nach einem Jahr zu erheben.

    (27.01.2013)
    VideoWie sexistisch ist das politische Berlin?

    Politikerinnen und Journalistinnen werden immer mehr Opfer von sexuellen Übergriffen . Vor allem Männer in großen Machtpositionen wahren nicht die professionelle Distanz und überschreiten Grenzen.

    (25.01.2013)
    VideoKommentar zu Sexismusvorwürfen

    Andreas Wiemers von Frontal 21 kommentiert die Sexismusvorwürfe gegen Rainer Brüderle. Eine Journalistin vom Stern wirft ihm vor, sie vor gut einem Jahr bedrängt zu haben.

    (25.01.2013)

    Die Vorwürfe gegen FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle haben in Deutschland eine Debatte über Sexismus ausgelöst. Mit Spannung wurde erwartet, ob und wann sich Brüderle selbst äußert. Jetzt legt er sich fest: Diese Diskussion wird ohne ihn auskommen müssen. Keine Entschuldigung, kein Schuldeingeständnis, keine Gegenangriffe. 

    "Es ist Rainer Brüderles Entscheidung", sagt Generalsekretär Patrick Döring über den designierten Spitzenmann seiner FDP, "keine Stellungnahme zu dem Vorgang abzugeben, und wir unterstützen ihn in seiner Entscheidung". Brüderle habe in der Sitzung deutlich gemacht, dass er die Berichterstattung nicht kommentieren werde. Die Mitglieder hätten ihm dafür Respekt bekundet. Auch Parteichef Philipp Rösler werde sich nicht dazu äußern, weil die FDP-Spitze die Debatte nicht beleben wolle.

    Unterstützung für Brüderle

    Die "Stern"-Journalistin Laura Himmelreich hatte Brüderle kurz nach dessen Kür zum Spitzenkandidaten für den Bundestagswahlkampf in einem Artikel vorgeworfen, vor gut einem Jahr an einer Hotelbar zudringlich geworden zu sein. Döring sagte nun, nur weil mit der Reporterin eine Seite (der Beteiligten) ihre Befindlichkeit zum Ausdruck gebracht habe, müsse Brüderle dies nicht auch tun. Weitere Ratschläge an Brüderle von Kollegen oder Medien seien fehl am Platz. Zugleich betonte Döring, Brüderle habe als Spitzenmann im Wahlkampf die volle Unterstützung der Parteiführung.

    Sendehinweis

    Sind Frauen Macho-Opfer?

    log in sendet am Montag eine Sondersendung zum Thema Sexismus - um 22.25 Uhr auf ZDFinfo und auf heute.de im Livestream.

    Nach Worten des Generalsekretärs braucht die Journalistin Himmelreich keine Konsequenzen der FDP zu fürchten. Die Pressefreiheit in Deutschland sei ein hohes Gut, und darunter falle der Bericht. "Es gibt keine Arbeitsbeschränkungen oder Kontaktsperre." Über Einladungen für Hintergrundgespräche entscheide allerdings jeder Kollege selbst. Döring sagte zudem, die FDP werde sich einer Debatte über eine tolerante und offene Gesellschaft nicht verschließen. Diese müsse aber von der Person Brüderle losgelöst geführt werden. Und das wird sie längst.

    #Aufschrei bei Twitter

    Viele Männer würden die Realität von Frauen gar nicht kennen, sagt Anne Wizorek, Initiatorin des Twitter-Aktion #Aufschrei. Die Web-Beraterin hatte nach Aufkeimen der Debatte über die angeblich anzüglichen Äußerungen von FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle unter dem Hashtag #Aufschrei dazu aufgerufen, über Sexismus im Alltag zu twittern.

    Die bislang 60.000 Kommentare zeigten, welches Redebedürfnis da sei, "und dass da wirklich ein Knoten geplatzt ist", sagte die Web-Unternehmerin in der ARD. Viele Männer hätten schockiert festgestellt, wie viele Übergriffe auf Frauen heute noch stattfinden. "Das ist für sie eine andere Realität. Wir leben in einer männlich dominierten Gesellschaft. Und insofern ist das für Frauen der Alltag."

    "Massenphänomen Alltagssexismus"

    Die Piraten-Politikerin Anke Domscheit-Berg sprach im heute.de-Interview von einem "Massenphänomen": Sie kenne unzählige Frauen, die von sexualisierter Gewalt erzählen könnten, sie habe auch selber solche Erfahrungen schon gemacht. Die akuelle Debatte sei eine "enorme Chance", das große Massenphänomen Alltagssexismus in seiner Dimension zu erkennen, so die Unternehmerin.

    FDP-Europapolitikerin Silvana Koch-Mehrin sagte in der ARD, die Diskussion sei inzwischen weit entfernt von Brüderle und der Frage, ob der Artikel korrekter Journalismus gewesen sei oder nicht. "Und ich finde es auch gut, dass sie sich weit entfernt hat, weil die Diskussion an sich wichtiger und größer ist als die FDP und der eigentliche Anlass." Es gebe möglicherweise unterschiedliche Befindlichkeiten bei Äußerungen, wie sie Brüderle zugeschrieben werden. "Wer Rainer Brüderle kennt, kennt seine saloppe Ausdrucksweise", sagte Koch-Mehrin.

    Geißler: Überfällige Debatte

    Ex-CDU-Generalsekretär Heiner Geißler sagte in der "Passauer Neuen Presse", es handele sich um eine überfällige und notwendige Debatte. "Es gibt mehr Frauen als Männer auf der Welt, aber kein Teil der Weltbevölkerung wird derart entrechtet und diskriminiert wie die Frauen. Bei uns in Deutschland gibt es immer noch Rudimente dieser Diskriminierung, die jetzt endlich abgebaut werden müssen."

    Stimmen zur Sexismus-Debatte

    "Stern"-Chefredakteur Thomas Osterkorn verteidigte indes den umstrittenen Artikel, der die Debatte ins Rollen brachte: Die angeblichen anzüglichen Äußerungen zu einer Mitarbeiterin des Magazins seien kein Einzelfall gewesen. Die Autorin Laura Himmelreich habe den FDP-Politiker ein Jahr lang immer wieder begleitet und dabei die Erfahrung gemacht, dass Brüderle fast bei jeder Begegnung ähnliche Bemerkungen gemacht habe, sagte "Stern"-Chefredakteur Thomas Osterkorn in der ARD. "Sie hat ein Bild eines Mannes gezeichnet, der ein Problem im Umgang mit Frauen hat, mindestens verbal."

    "Stern"-Chef: Richtiger Anlass

    Osterkorn verteidigte die Veröffentlichung des Artikels just zu dem Zeitpunkt, als Brüderle zum Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl gekürt wurde, obwohl die darin beschriebenen Vorgänge schon gut ein Jahr zurücklagen: "Das, finde ich, ist ein richtiger Anlass, so einen Artikel, das Substrat aus einer einjährigen Begleitung, dann zu veröffentlichen."

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    Führende FDP-Politiker stellten sich dagegen hinter ihren Fraktionsvorsitzenden. Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel kritisierte in der ZDF-Sendung Berlin direkt: "Ich halte es für eine ziemliche Unverschämtheit von der Dame vom 'Stern', die nach einem Jahr, nachdem sie sich belästigt gefühlt hat, dann, wenn jemand eine neue politische Funktion übernimmt, dieses Ereignis verarbeitet", sagte er . "Das hat nichts mit gutem Journalismus zu tun." Ein Jahr zu warten und dann zu skandalisieren, spreche für sich. Thüringens FDP-Generalsekretär Patrick Kurth sagte der "Mitteldeutschen Zeitung", die Brüderle zugeschriebenen Zitate seien nicht sexistisch. "Deswegen wird die Schmierenkomödie nicht weiter verfangen."

    Brüderle hatte am Sonntag in Düsseldorf bei seinem ersten öffentlichen Auftritt nach dem Bekanntwerden der Vorwürfe eisern geschwiegen. Nach einer Umfrage in der "Bild am Sonntag" halten allerdings 90 Prozent der Bürger eine Entschuldigung für angemessen, sollten sich die Vorwürfe als wahr herausstellen.

    28.01.2013
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