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23.05.2013

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Kurz vor Papstwahl

Britischer Kardinal tritt ab und belastet Rom

  • Bild Kardinal Keith O'Brien
  • Interaktiv Papst-Scanner
  • Interaktiv Papst von A-Z - für Kinder erklärt
  • Video Auf den Spuren Benedikts
  • BildKardinal Keith O'Brien
    Kardinal Keith O'Brien
    InteraktivScanner
    Interaktive Anwendung Papst-Scanner / Quelle: ZDF
    (Quelle: ZDF)
    InteraktivPapst von A-Z - für Kinder erklärt
    (Quelle: ZDF)
    VideoAuf den Spuren Benedikts

    Auf den Spuren Benedikts

    (16.04.2012)

    Kurz vor der Papst-Wahl musste ein Mitglied des Kardinalskollegiums gehen. Der Erzbischof von Edinburgh trat unter dem Druck von Vorwürfen "unangemessenen" Verhaltens zurück. Seine eigene Begründung: Alter und Gesundheit. Derweil wurden die Konklave-Regeln geändert. 

    Für Keith O'Brien muss die Affäre wie ein Blitz aus heiterem Himmel gekommen sein. Noch in einem am Freitag ausgestrahlten Fernsehbeitrag hatte der ranghöchste katholische Geistliche Großbritanniens sich kirchenpolitisch eingemischt und war für die Abschaffung des Zölibats eingetreten.

    Eigentlich wollte O'Brien erst im März zurücktreten

    Zwei Tage später druckte der "Observer" Vorwürfe, der Kardinal sei vor 30 Jahren jungen Priestern zu nahe gekommen. Am Sonntag erschien O'Brien nicht mehr zur Heiligen Messe, die er eigentlich zelebrieren sollte. Am Montag trat er als Erzbischof von St. Andrews und Edinburgh zurück.

    Papst ändert Konklave-Regeln

    Papst Benedikt XVI. hat die Regeln für das Konklave geändert und damit den Weg für eine frühere Wahl seines Nachfolgers freigemacht. Ein entsprechendes Dokument unterzeichnete der Papst am Montag. Sobald alle wahlberechtigten Kardinäle in Rom eingetroffen sind, können diese nun entscheiden, ob sie vor dem 15. März wählen. Der Papst hatte seinen Rücktritt zum 28. Februar - also zum Donnerstag dieser Woche - angekündigt. Nach den bisherigen Regeln muss das Konklave zur Wahl eines Nachfolgers 15 bis 20 Tage nach dem Freiwerden des Heiligen Stuhls zusammentreten. Die Frist soll den Kardinälen aus fernen Ländern Zeit geben, für das Konklave nach Rom zu reisen. Das neue Dokument verändert nun die Regeln zur Papstwahl von 1996. Es war eine von Benedikts letzten Amtshandlungen. Das Vorziehen der Wahl könnte wichtig werden, weil die Karwoche bereits am 24. März beginnt. Am 31. März ist Ostersonntag. Ein neuer Papst müsste bis zum 17. März gewählt sein, damit er die Ostermesse feiern kann.

    Dabei hatte sich eigentlich alles so schön gefügt. Am 17. März, wenn O'Brien 75 Jahre alt wird, wollte er den Papst um die Entbindung von seinen Pflichten bitten - so wie das für Bischöfe üblich ist in der katholischen Kirche. Zuvor hatte der Papst selbst mit seinem Rücktritt noch einmal einen Höhepunkt für den gebürtigen Nordiren gesetzt.

    Er wäre der einzige Brite im Konklave gewesen

    O'Brien hätte noch einmal einen Papst mitwählen dürfen - als einziger Brite. Vor laufender Fernsehkamera zeigte er anhand der Stimmkarte von der vorigen Papstwahl einem größeren TV-Publikum, wie das wohl geheimste aller Abstimmungsverfahren vor sich geht. In Großbritannien ist nur etwa jeder zehnte Einwohner katholisch.

    O'Brien soll sich in den 1980er Jahren ungebührlich jungen Priestern genähert haben - nach den Abendgebeten oder auf Feiern, wenn Alkohol im Spiel war. Der Erzbischof selbst bestreitet trotz seines Rücktritts die Vorwürfe. Vier Männer haben jetzt den Schritt unternommen, sich beim Papst zu beschweren. Einer von ihnen hatte seine Priesterwürde bereits 1985 niedergelegt - aus Protest gegen O'Briens Ernennung zum Bischof, wie er heute sagt. In Kirchenkreisen war damals gemunkelt worden, er habe heiraten wollen und deswegen sein Amt abgegeben.

    Benedikt XVI. nahm Rücktritt umgehend an

    Papst Benedikt XVI., vom quälenden Umgang mit zahllosen Missbrauchsfällen innerhalb der Amtskirche während seines Pontifikats bereits müde, nahm den Rücktritt O'Briens umgehend an. Er wollte damit sicherlich auch eine weitere Belastung des Konklave vermeiden, bei dem voraussichtlich in der ersten März-Hälfte noch 116 Kardinäle seinen Nachfolger bestimmen werden.

    Schon der Fall des US-Kardinals Roger Mahony, der Missbrauchsfälle in der Kirche vertuscht haben soll, wirft kein gutes Licht auf die Papstwahl. Noch immer ist nicht klar, ob der US-Kardinal zur Abstimmung in der Sixtinischen Kapelle überhaupt anreist.

    Gerüchte über Sex, Korruption und homosexuelle Beziehungen im Vatikan

    Benedikt hatte sich in den vergangenen acht Jahren auf dem Heiligen Stuhl mit Missbrauchsfällen in vielen Ländern der Welt, darunter in Katholiken-Hochburgen wie Irland und Malta und auch in seiner Heimat Deutschland auseinandersetzen müssen. Zuletzt waren Gerüchte aufgekommen, ein geheimer Bericht über das wahre Ausmaß der sogenannten Vatileaks-Affäre habe neue Ungeheuerlichkeiten aus dem Vatikan zutage gefördert - Sex, Korruption und homosexuelle Beziehungen.

    Aus jenem Vatikan, der für Joseph Ratzinger fast 40 Jahre lang das geistliche und private Zuhause zugleich gewesen ist. Dies soll sogar ein Grund für den Rücktritt Benedikts gewesen sein. Der Vatikan dementierte die Enthüllungen der Zeitung "La Republicca" in ungewöhnlich scharfer Form.

    25.02.2013, Quelle: dpa
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