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"Patriot"-Einsatz in der Türkei

Bundestag gibt grünes Licht

  • Bild Abstimmung im Bundestag
  • Interaktiv Parlameter: "Patriot"-Einsatz in Türkei
  • Video "Syrischer Norden in Hand der Rebellen"
  • Video Patriot-Luftabwehrsysteme für die Türkei
  • BildPatriot-Bild
    Abstimmung im Bundestag / Quelle: dpa
    (Quelle: dpa)
    InteraktivParlameter: "Patriot"-Einsatz in Türkei
    Interaktiv: Parlameter / Quelle: zdf

    Wie hat Ihr Abgeordneter gestimmt? Wer beschloss die Entsendung von deutschen "Patriot"-Raketenabwehrstaffeln? Klicken Sie sich durchs ZDFparlameter!

    (14.12.2012 Quelle: zdf)
    Video"Syrischer Norden in Hand der Rebellen"
    (14.12.2012)
    VideoPatriot video

    Der Bundestag entscheidet heute über den neuen Auslandseinsatz der Bundeswehr. Die Bundeswehr soll die Türkei mit Hilfe von Patriot-Luftabwehrsystemen gegen Angriffe aus Syrien schützen.

    (12.12.2012)

    Die Bundeswehr wird zu einem neuen Auslandseinsatz in die Türkei geschickt. Der Bundestag beschloss am Freitag mit großer Mehrheit die Entsendung von zwei deutschen "Patriot"-Raketenabwehrstaffeln mit insgesamt bis zu 400 Soldaten. 

    Die Bundeswehr soll dabei helfen, den Nato-Partner vor Angriffen aus dem Bürgerkriegsland Syrien zu schützen. Außer Deutschland sind bei dem Einsatz auch die USA und die Niederlande dabei.

    Große Mehrheit für Mission

    Im Bundestag stimmten 461 von 555 Abgeordneten für die neue Mission. Es gab 86 Nein-Stimmen und acht Enthaltungen. Nur die Linkspartei hatte geschlossen Ablehnung angekündigt. Fraktionschef Gregor Gysi warf der schwarz-gelben Koalition am Freitag im Bundestag vor: "Sie marschieren mit der Bundeswehr in den Nahen Osten ein." Auf diese Weise werde Deutschland zur "Kriegspartei".

    Das "Patriot"-System

    Mobile Flugabwehr

    "MIM-104-Patriot" ist ein bodengestütztes Raketensystem zur Abwehr von Flugzeugen, Marschflugkörpern und Mittelstreckenraketen. Der Name "Patriot" ist kein Akronym, wird aber oft fälschlich mit "Phased Array Tracking Radar to Intercept On Target" übersetzt. Alle Komponenten sind auf Lastwagen bzw. Sattelaufliegern montiert. Damit können die "Patriot"-Einheiten schnell in ihre Einsatzräume verlegt werden. Durch ihre hohe Mobilität können sie auch weniger leicht geortet und zerstört werden.

    Das System wurde in den 1960er Jahren von den US-Unternehmen Raytheon und Lockheed entwickelt und seitdem mehrfach modernisiert. Es besteht im Wesentlichen aus den Komponenten Radar, Feuerleitstand, Raketenstarter und Raketen. Deutschland wird seine Systeme zur Unterstützung der Luftabwehr in Kahramanmaras stationieren.

    Die Raketen

    Die "Patriot"-Raketen sind einstufige Feststoffraketen. Sie sind – je nach Typ – zwischen 5,18 und 5,30 Meter lang, wiegen zwischen 312 und 914 Kilogramm und tragen Gefechtsköpfe mit 73 bzw. 90 Kilogramm Sprengstoff. Sie erreichen bereits rund sieben Meter nach Verlassen des Starters Überschallgeschwindigkeit. Ihre Höchstgeschwindigkeit liegt bei mehr als dreifacher bzw. fünffacher Schallgeschwindigkeit.

    "Patriot" international begehrt

    "Patriot"-Systeme sind nicht nur bei den US-Streitkräften im Einsatz. Sie wurden nach Deutschland, in die Niederlande, Saudi-Arabien, Kuwait, Japan, Israel, Taiwan und Griechenland exportiert. Neben den USA verfügen Deutschland und die Niederlande über die modernste Version.

    Außenminister Guido Westerwelle (FDP) betonte, bei dem Einsatz handele es sich um eine "rein defensive Maßnahme". "Für uns ist selbstverständlich, dass wir unserem Partner und Verbündeten Türkei im Nato-Rahmen helfen, sich gegen eine äußere Bedrohung zu schützen." Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) sagte der Deutschen Presse-Agentur dpa: "Ich bedanke mich beim Bundestag für die schnelle Beratung und die breite Zustimmung für das Mandat."

    Einsatzort Kahramanmaras

    Die Türkei hatte die Nato erst im November offiziell um Beistand gebeten. Der Einsatz soll Anfang nächsten Jahres beginnen. Die beiden deutschen Staffeln werden aller Voraussicht nach in der Nähe der Großstadt Kahramanmaras im Süden der Türkei stationiert, etwa hundert Kilometer von der Grenze entfernt. Das Mandat umfasst auch den Einsatz von deutschen Soldaten, die bei der Überwachung des türkischen Luftraums mit Awacs-Aufklärungsflugzeugen helfen.

    Die Türkei hatte die Nato erst im November offiziell um Beistand gebeten. Der Einsatz soll Anfang nächsten Jahres beginnen. Die beiden deutschen Staffeln werden aller Voraussicht nach in der Nähe der Großstadt Kahramanmaras im Süden der Türkei stationiert, etwa hundert Kilometer von der Grenze entfernt. Das Mandat umfasst auch den Einsatz von deutschen Soldaten, die bei der Überwachung des türkischen Luftraums mit Awacs-Aufklärungsflugzeugen helfen.

    Bundeswehrverband um Schutz der Soldaten besorgt

    Der Bundeswehrverband fürchtet beim geplanten Nato-Einsatz an der türkisch-syrischen Grenze um den Schutz der deutschen Soldaten, falls chemische Waffen zum Einsatz kommen sollten. Der "Kräfteansatz" für den Betrieb der beiden Patriot-Staffeln in der Türkei scheine "zunächst" wohlkalkuliert, sagte Verbandsvorsitzende Oberst Ulrich Kirsch der "Welt" (Freitagausgabe).

    "Ich hätte mir allerdings gewünscht, dass ein Anteil für den ABC-Schutz vor Ort von vornherein eingeplant worden wäre", fügte er hinzu. Sollte das Assad-Regime tatsächlich chemische Kampfstoffe einsetzen, reiche es nicht, diese Kräfte in Deutschland vorzuhalten, warnte Kirsch.

    Das C-Waffen-Arsenal Syriens

    Das C-Waffen-Arsenal Syriens

    Syrien verfügt über ein ernst zu nehmendes Arsenal chemischer Waffen. Die Palette der Kampfstoffe reicht von Senfgas über Tabun und Sarin bis zum hochtoxischen VX-Kampstoff. Das Land entwickelt und produziert seit dem Ende des Yom-Kippur-Krieges 1973 C-Waffen. Syrien hat die Chemiewaffen-Konvention der UNO nie unterzeichnet. Diese regelt das Verbot der Entwicklung, Herstellung, Lagerung und des Einsatzes chemischer Waffen und deren Vernichtung. Trotzdem ist Syrien jahrelang aus dem Ausland bei der C-Waffenentwicklung unterstützt worden. Unterschiedliche internationale Quellen nennen hinsichtlich dieser Unterstützung in den 80er und frühen 90er Jahren vor allem die Sowjetunion und Frankreich.

    Senfgas

    Senfgas ist ein chemischer Kampfstoff, der schon im ersten Weltkrieg unter dem Namen Gelbkreuzgas bekannt war, weil er aus Granaten verschossen wurde, die mit gelben Kreuzen gekennzeichnet waren. Chemisch heißt Senfgas Schwefellost und gehört zur Stoffgruppe der Loste.  Damit ist es streng genommen kein Gas, sondern eine Flüssigkeit. Der Begriff leitet sich von den Namen Lommel und Steinkopf ab. Diese deutschen Chemiker hatten 1916 Schwefellost als Kampfstoff vorgeschlagen.

    Loste wirken auf die Haut und führen zu Verletzungen, die mit Verbrennungen oder Verätzungen zu vergleichen sind. Die Wunden heilen schlecht, weil das Gewebe zerstört und die Zellteilung behindert wird. Werden Loste eingeatmet, zerstören sie die Bronchien.

    Tabun

    Tabun ist ein Nervenkampfstoff, der 1936 in Deutschland entdeckt wurde. Die deutsche Wehrmacht stellte im zweiten Weltkrieg mit Tabun gefüllte Bomben und Granaten her, setzte sie aber nicht ein. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde der Kampfstoff in den USA und in Großbritannien gefertigt. Iraks Ex-Machthaber Saddam Hussein setzte Tabun im ersten Golfkrieg (1980 bis 1988) im von Kurden bewohnten Nordirak gegen die eigene Bevölkerung ein.

    Tabun wird über Haut oder Atmung aufgenommen und stört die Weiterleitung von Reizen in den Nerven. Die Folgen einer Vergiftung reichen von Kopfschmerzen über Erbrechen und Atemnot bis zum Tod durch Atemlähmung.

    Sarin

    Sarin wurde während des zweiten Weltkriegs bei der Forschung zu Insektenvernichtungsmitteln in Deutschland entdeckt. Sarin leitet sich von den Namen der Chemiker Schrader, Ambros, Rüdiger und Linde ab. Es ähnelt in seiner chemischen Struktur Tabun und VX. Im Kalten Krieg hatten die USA und die Sowjetunion große Sarin-Vorräte. Zum Einsatz kam der Kampfstoff unter anderem im ersten Golfkrieg (1980 bis 1988) im von Kurden bewohnten Nordirak und bei zwei Terroranschlägen in Japan 1994 und 1995.

    Sarin wird über die Haut und hauptsächlich über die Atmung aufgenommen. Der Kampfstoff führt zu einer Dauerreizung der betroffenen Nerven. Die Folgen einer Vergiftung sind ähnlich zur Wirkung von Tabun und reichen von Nasenlaufen und Sehstörungen über Erbrechen und Atemnot bis zum Tod durch Atemlähmung.

    VX-Kampfstoff

    VX ist der jüngste chemische Kampfstoff im syrischen Arsenal. Die Substanzklasse, zu der VX gehört, wurde 1952 unabhängig voneinander in den USA und in Schweden entdeckt. VX ist deutlich giftiger als Tabun oder Sarin und zählt zu den giftigsten chemischen Kampfstoffen der Welt.

    VX wird hauptsächlich über die Haut aufgenommen. Seine Wirkung VX ist ähnlich der von Sarin. Auch VX führt zu Dauerreizung der betroffenen Nerven. Es löst zunächst Husten, Übelkeit starke Krämpfe und Schmerzen aus und führt bei entsprechender Dosis zum Tod durch Atemlähmung.

    Waffensysteme für C-Kampfstoffe

    Die syrischen Streitkräfte verfügen über mehrere Tausend mit Sarin gefüllte Bomben, die von Flugzeugen abgeworfen werden können. Außerdem existieren zwischen 50 und 100 C-waffenfähige Gefechtsköpfe für Raketen mit einer Reichweite von 80 bis 310 Kilometern. Syrien soll aber möglicherweise auch Raketen mit einer Reichweite von bis zu 600 Kilometern aus Nordkorea erhalten haben, die mit Nervengas-Gefechtsköpfen ausgestattet werden können. Über die Einsatzfähigkeit bzw. Zuverlässigkeit dieser Raketen gibt es allerdings keine gesicherten Erkenntnisse.

    14.12.2012
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