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Bankenkrise

Commerzbank streicht bis zu 6.000 Stellen

  • Video Commerzbank wird Stellen streichen
  • VideoCommerzbank wird Stellen streichen
    (24.01.2013)

    Die Commerzbank wird 4.000 bis 6.000 Arbeitsplätze streichen. Betroffen sind alle Sparten - bis auf die Töchter BreBank und Comdirekt. Keine Überraschung, meint Bankenexperte Gerke zu heute.de. Im Gegenteil: Hier gebe es noch "gewaltiges Potenzial für Jobeinsparungen und Synergieeffekte".  

    Nun dürfte das große Zittern bei den Mitarbeitern der Commerzbank erst richtig losgehen. Denn das angeschlagene Institut bestätigt, was schon länger vermutet wird: Bis zu 6000 Stellen sollen gestrichen werden. Überrascht hat das Bankenexperte Professor Wolfgang Gerke nicht - im Gegenteil. "Es ist eigentlich nur überraschend, dass es so spät kommt", sagt er zu heute.de. "Da steht sicher ein gewisses Stilhalten dahinter, gerade auch gegenüber den Gewerkschaften".

    Wolfgang Gerke

    Professor Wolfgang Gerke

    Gewaltiges Potential

    Bei der Commerzbank, so Gerke weiter, gebe es noch ein "gewaltiges Potenzial" für Stelleneinsparungen und Synergieeffekte. "Aus der schwierigen Fusion mit der Dresdner Bank sind noch viele doppelte regionale Setzungen vorhanden, also zum Beispiel doppelte Filialen. Da ist aus Sicht der Aktionäre noch ganz, ganz viel zu verbessern", erklärt Gerke.

    Die Geschäfte der Zukunft machten es für die bundesweit vertretenen deutschen Banken schwierig, auch gegenüber Direktbanken mitzuhalten. "Gerade im Geschäft mit Privatkunden", sagt Gerke, "ist die Konkurrenz groß. Viele Kunden führen ihre Konten jetzt selbst im Netz. Da ist es schwierig, konkurrenzfähig zu bleiben". Die Commerzbank habe zwar auch die Internetbank Comdirekt als Tochter. Dennoch gebe es "Interntbanken, die Konditionen anbieten, die normale Banken einfach nicht mithalten können".

    Fast alle Bereiche betroffen

    Nach einem internen Dokument des Instituts hat sich der Gesamtbetriebsrat bereits am Mittwoch getroffen. Zudem geht aus den Unterlagen hervor, dass sich der Stellenabbau auf alle Bereiche der Bank weltweit - außer den beiden Töchtern Bre Bank in Polen und der Onlinebank Comdirect - bezieht. Zuletzt beschäftigte der Konzern rund 56.000 Mitarbeiter.

    Job-Abbau auch bei der HypoVereinsbank

    Auch die HypoVereinsbank will offenbar in diesem Jahr bis zu 600 Arbeitsplätze streichen und mehr als zwölf Filialen dicht machen. Aus dem Umfeld des Kreditinstituts ist ein entsprechender Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" bestätigt worden. Es habe bereits Gespräche mit Arbeitnehmervertretern gegeben, hieß es. Nächste Woche soll dann bei der routinemäßigen Sitzung des Gesamtbetriebsrats über den geplanten Stellenabbau gesprochen werden. Ein Sprecher der HypoVereinsbank, die in Deutschland rund 19.000 Menschen beschäftigt, wollte sich zu den Informationen nicht äußern.

    Die Stellenstreichungen hängen, so Insider, mit der Neuausrichtung des Privatkundengeschäftes zusammen, den die Bank im November angekündigt hatte. Zudem müsse der Konzern auf das geänderte Verhalten der Kunden reagieren, die heute immer mehr Bankgeschäfte im Internet erledigten.

    Die neuen Kürzungen knüpfen an das derzeit noch laufende Sparprogramm an. Im Zuge der Dresdner-Bank-Übernahme wurde der Abbau von 9.000 Arbeitsplätzen angekündigt. Hier ist die Bank fast am Ziel. Doch angesichts des weiter harten Wettbewerbs und der neuen strengeren Vorgaben für Banken reicht das nicht.

    Anpassungen in der Personalstruktur

    "Wenn wir unsere Ertrags- und Wachstumsziele unter anhaltend schwierigen Rahmenbedingungen erreichen wollen, sind Anpassungen in der Personalstruktur notwendig", wird Personalvorstand Ulrich Sieber in dem Dokument zitiert: "Dabei bauen wir nicht nur ab. Wir werden gezielt investieren und in einigen Bereichen der Bank auch zusätzliche Arbeitsplätze schaffen."

    BÖRSENKURS

    Charts und weitere Info

    Neben der Streichung von bis zu elf Prozent der Stellen prüft das Institut die Verlagerung von Leistungen, die an anderen Standorten billiger erledigt werden können. Über einen weiteren Stellenabbau bei der Commerzbank wird seit Monaten spekuliert, nachdem Unternehmenschef Martin Blessing im Sommer einen weiteren Konzernumbau angekündigt hatte.

    Anzahl noch offen

    Zuletzt war in Berichten von bis zu 6.500 der 43.400 Stellen in Deutschland die Rede. Wie viele Arbeitsplätze hierzulande von der Ankündigung der Bank bedroht sind, ist offen. Wegen der Vielzahl an Themen und Komplexität der Gespräche mit dem Betriebsrat sei es noch nicht absehbar, wie lange diese dauern werden, hieß es in dem internen Dokument.

    Die Commerzbank hatte sich 2008 mit der Übernahme des Konkurrenten Dresdner Bank kurz vor dem Ausbruch der Finanzkrise verhoben und brauchte deswegen Geld von der Regierung. Der Staat hält seitdem etwas mehr als ein Viertel der Commerzbank-Anteile.

    Bereits deutlich eingedampft

    Blessing sucht nach Wegen, um die Bank dauerhaft profitabel zu machen. Er hat die Bank bereits deutlich eingedampft, Sparten und Risiken abgestoßen, stößt aber auf immer neue Probleme. Zuletzt schwächelte vor allem das Geschäft mit Privatkunden. Hier verdiente die Bank vor allem Filialgeschäft kaum Geld. Privatkunden-Vorstand Martin Zielke kündigte zuletzt immer wieder an, dass dieser Bereich neu aufgestellt werden soll. Dabei geht es ihm vor allem um flexiblere Arbeitszeiten.

    24.01.2013, Quelle: dpa, dapd
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