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Guido Knopp geht in Ruhestand

"Das Böse fasziniert die Menschen"

  • Video "Das Böse fasziniert die Menschen"
  • VideoInterview Knopp

    35 Jahre lang hat Guido Knopp den Zuschauern Geschichte näher gebracht. Am erfolgreichsten waren seine Filme über Hitler und das Dritte Reich. Der "Geschichtslehrer der Nation" ist nun im Ruhestand.

    (01.02.2013)

    Rund 35 Jahre lang prägte Guido Knopp die Geschichtssendungen im ZDF. Heute präsentiert er seine letzte Sendung - dann geht er in Ruhestand. Etwa 2.000 Filme hat Knopp verantwortet, am erfolgreichsten waren die Sendungen über die NS-Zeit - "weil das Böse die Menschen fasziniert", sagt Knopp im Interview. 

    Deutschlands bekanntester Historiker tritt von der Fernsehbühne ab. Guido Knopp feierte am 29. Januar seinen 65. Geburtstag. Nun verabschiedet ihn das ZDF mit einer Sondersendung der Reihe "History" in den Ruhestand. "Über 30 Jahre hat Guido Knopp den Zuschauern des ZDF Lust auf Geschichte gemacht", sagt Chefredakteur Peter Frey. "Er ist zu einem wichtigen Gesicht des Senders geworden." Knopp habe es geschafft, "ein Millionenpublikum zur Auseinandersetzung mit der NS-Zeit zu bewegen".

    "Keine 'Geschichtspornografie' betrieben"

    Doch der Geschichtslehrer der Nation polarisiert. Manche werfen Knopp verzerrende "Geschichtspornografie" mit Interviewsplittern, nachgespielten Schlüsselszenen und Thrillermusik vor, vorzugsweise mit der massentauglichen Inszenierung der NS-Geschichte als Doku-Drama. Er selbst weist das zurück: "Dass wir schwierige Themen verständlich und vereinfacht darstellen, ist eine Notwendigkeit, wenn wir um 20.15 Uhr senden." Inhaltlich seien die Sendungen abgesichert: "Allein bei unserer Reihe 'Die Deutschen' hatten wir 30 Fachberater." Und die DVDs würden gern im Schulunterricht eingesetzt. An die Kritiker gerichtet sagt er im heute.de-Interview: "Mitleid bekommt man geschenkt, Neid muss man sich erarbeiten."

    Würdigung des ZDF-Chefredakteurs
    Peter Frey / Quelle: ZDF

    Peter Frey, Chefredakteur des ZDF, verabschiedet Guido Knopp mit den Worten: "Der Geschichtslehrer - oder sollte ich sagen Geschichtsprofessor - der Republik geht in Rente." Hier seine gesamte Würdigung: "Goodbye Guido".

    Andreas Rödder, deutscher Geschichtsprofessor in London, urteilt über Knopp: "In der Tat zeigen seine Filme oft mehr Ereignisse als Zusammenhänge, und sie handeln von Personen, die unabhängiger und dramatischer handeln, als sie dem Historiker begegnen." Doch das sei der Preis der Primetime. Rödder lobt zugleich: "Guido Knopp hat ein enorm breites Publikum für Geschichte erreicht, historische Themen populär gemacht und Geschichtsbilder geprägt." Laut dem Mainzer Geschichtsprofessor Michael Kißener hat der Chef von "ZDF-History" auch Zeithistorikern "wieder deutlich gemacht, wie relevant audiovisuelle Quellen sein können".

    Mauerfall als persönlicher Höhepunkt

    Zur Person

    Guido Knopp wurde am 29. Januar 1948 im hessischen Treysa geboren. Er studierte in Frankfurt, Amstedam und Würzburg Geschichte, Politik und Publizistik. Seine Doktorarbeit schrieb erüber die Geschichte der SPD und USPD. Anschließend war er Redakteur bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und Chef des Auslands-Ressorts bei der Welt am Sonntag. 1978 kam er ins ZDF und baute die Geschichtsredaktion auf. Seine Produktionen erhielten zahlreiche Preise, u.a. die Goldene Kamera oder den Emmy. Mit seinen Büchern, die er meist als Begleitung zu den Filmen schrieb, ist Knopp der meistgelesene Sachbuchautor Deutschlands.

    Und Knopps eigene Zukunft? "Ich werde dem Fernsehen, den Medien und der Geschichte erhalten bleiben in mannigfaltiger Form: als Moderator, TV-Produzent und Autor", sagt der weißhaarige 1,95-Meter-Mann. Keine Reiseanträge, keine Konferenzen mehr - er freue sich auf ein Wirken mit weniger Bürokratie. 2014 jährt sich der Ausbruch des Ersten Weltkrieges zum 100. Mal. "Auch damit werde ich mich beschäftigten. Ich habe schon Einladungen zu Vorträgen und Podiumsdiskussionen."

    Die Höhepunkte von Knopps Karriere? Beispielsweise seine Tage unmittelbar nach dem Mauerfall 1989 in Berlin: "Man dreht und ist mitten in der Geschichte, die passiert um einen herum. Ich habe noch nie so viele Männer weinen sehen." Oder die Reihe "Der verdammte Krieg", die gemeinsam mit dem sowjetischen und dann russischen Fernsehen zu den Jahren 1939 bis 1945 entstand. "Die lief zeitgleich in beiden Ländern." Besonders im Gedächtnis ist Knopp auch die Auszeichnung mit dem Emmy 2005 für "Das Drama von Dresden" geblieben.

    Über die Vergangenheit wird auch privat im Hause Knopp in Mainz geredet. "Jeder Bürger sollte ein Grundverständnis von Geschichte haben. Man wird ja auch im Ausland darauf angesprochen", sagt Guido Knopp. "Meine Kinder gucken auch gelegentlich meine Sendungen, aber sie treten nicht unbedingt in die Fußstapfen ihres Vaters." Tochter (17) und Sohn (18) ziehe es beruflich eher in die freie Wirtschaft. Vater Knopp will jetzt wieder mehr Cello und Golf spielen.

    03.02.2013, Quelle: dpa, ZDF
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