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Wirtschaftskrise am Nil

"Das hält Ägypten nicht lange durch"

  • Video Ägyptens Wirtschaft im freien Fall
  • Video Kritik nach Referendum in Ägypten
  • Video "Ägypten ist ein zweigeteiltes Land"
  • VideoÄgyptens Wirtschaft im freien Fall
    (04.01.2013)
    VideoVideo 26.12.12 Mursi
    (26.12.2012)
    Video"Ägypten ist ein zweigeteiltes Land"

    "Ägypten ist zweigeteilt in islamnahe Anhänger von Präsident Mursi und Menschen des aufgeklärten Bürgertums auf dem Tahrir-Platz in Kairo", berichtet ZDF-Korrespondent Roland Strumpf aus Kairo.

    (30.11.2012)

    Zur politischen Krise in Ägypten kommt eine wirtschaftliche: Immer mehr Menschen verlieren ihre Arbeit, die Preise steigen, der Wert der Währung verfällt. Und auch die Touristen bleiben weg. "Das hält Ägypten nicht lange durch", sagt ein Wirtschaftsexperte dem ZDF. 

    "Die Menschen sind verzweifelt", sagt Sherif Abuseid von der Handelsgesellschaft Global Counter and Trade Offset. "Sie wissen kaum noch, wie sie ihre Familien versorgen sollen." Das ägyptische Pfund befindet sich im freien Fall. Das trifft vor allem die einfachen Leute, die sich kaum noch die notwendigsten Lebensmittel leisten können. Allein in dieser Woche hat Ägyptens Währung mehr als drei Prozent seines Wertes zum Dollar eingebüßt. Analysten halten auch Kurse von sieben Pfund je Dollar für möglich.

    Ägypter tauschen Pfund in Devisen

    Um den Abwärtstrend zu stoppen, hatte die Notenbank am Wochenende Kapital-Kontrollen und neuartige Dollar-Auktionen eingeführt. Die Zentralbank hofft, damit die stark gestiegene Nachfrage nach Devisen besser kontrollieren zu können. Dies ist nötig, da die für die Benzin- und Lebensmittelimporte wichtigen Währungsreserven knapp werden.
    Einschätzung
    Roland Strumpf / Quelle: ZDF

    ZDF-Reporter Roland Strumpf, Kairo: In Schlangen stehen Kairos Bürger an diesem Freitag vor Bankschaltern und Wechselstuben, und tauschen ihr Geld. Viele haben das Vertrauen in das Ägyptische Pfund verloren. Zur gleichen Zeit werden die Appelle von Präsident Mursi immer dringlicher, denn der ägyptischen Notenbank bleibt nicht mehr viel Spielraum. 

    Er hofft auf Spenden von reichen Ägyptern aus dem Ausland und Kredite aus Europa und Amerika – aus Ländern also auf deren warnende Stimmen er rein gar nichts gegeben hatte, als es darum ging, den Entwurf für eine neue Verfassung so kompromisslos durchzusetzen.

    Die Situation ist kritisch, und noch bleibt abzuwarten, ob Amerika und Europa Präsident Mursi so einfach aus der finanziellen Patsche helfen. Ohne Bedingungen zu stellen, geht das diesmal bestimmt nicht.

    Nach dem Volksaufstand gegen Präsident Husni Mubarak leidet die Wirtschaft des Landes unter den ausbleibenden Touristen und den fehlenden ausländischen Investoren. Die Notenbank musste seit Beginn des Aufstands mehr als 20 Milliarden Dollar zur Stützung des ägyptischen Pfunds einsetzen.

    Auch die politischen Unruhen im Zusammenhang mit dem umstrittenen Verfassungsreferendum im Dezember veranlassten viele Ägypter, das Pfund in Devisen zu tauschen - aus Angst, dass die Regierung die Landeswährung abwertet oder Kapitalkontrollen einführt. Im November lagen die Währungsreserven bei rund 15 Milliarden Dollar. Vor dem Sturz Mubaraks Anfang 2011 betrugen sie rund 36 Milliarden Dollar.

    Weniger als zwei Dollar am Tag

    "Insgesamt stehen 1.500 Fabriken still", sagt der Wirtschaftsanalytiker Salem Wehe dem ZDF. "Das hält Ägypten nicht lange durch" Die Inflation infolge des Wertverfalls des Pfunds dürfte auch für die in knapp zwei Monaten anstehenden Wahlen zu einem wichtigen Thema werden. Die Partei der Muslimbrüder von Präsident Mohammed Mursi, Freiheit und Gerechtigkeit, hat zuletzt schon versucht, sich vom Sparkurs Mursis zu distanzieren. Das Staatsoberhaupt versucht, die am Boden liegende Wirtschaft neu zu beleben.

    Wandgraffiti: Ägyptens Präsident Mohammed Mursi / Quelle: reuters

    Umstritten: Ägyptens Präsident Mursi auf Wandgraffiti
    Quelle: reuters

    Dabei bleiben unpopuläre Maßnahmen wie Steuererhöhungen nicht aus, zumal Ägypten sich momentan um einen Kredit des Internationalen Währungsfonds (IWF) im Umfang von 4,8 Milliarden Dollar bemüht.

    Ägypten muss einen Großteil seiner Lebensmittel importieren, darunter Grundnahrungsmittel wie Zucker, Tee oder Speiseöl. Ein schwaches Pfund verteuert die Einfuhren. Rund zwei Fünftel der Ägypter müssen mit weniger als zwei Dollar am Tag auskommen und sind auf staatlich subventionierte Lebensmittel angewiesen, um über die Runden zu kommen.

    Preisanstieg für Import-Lebensmittel befürchtet

    Auch wenn der Preis für die subventionierten Güter nicht steigt, sind die Ärmsten die Leidtragenenden der gestiegenen Importpreise. Dies liege zum Teil daran, dass Einzelhändler ihre Produkte gleich überproportional verteuerten, sagte der Ökonom Samir Radwan.

    Mahmud Sada betreibt eine Supermarktkette in Kairo. Er rechne damit, dass die Preise für Import-Lebensmittel mindestens um 30 Prozent steigen, sagte er. Die Lieferanten seien geneigt, die Preise schon vorsorglich noch mehr zu erhöhen, als eigentlich notwendig, um einem weiteren Verfall des Pfunds vorzubeugen.

    04.01.2013, Quelle: von Tom Perry, reuters
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