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21.05.2013

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Weltwirtschaftsforum

Davos: Nicht mehr als ein paar gute Vorsätze

  • Bild Weltwirtschaftsforum in Davos
  • Video Schlieker: "Unverständnis für Cameron"
  • Video Politik und Ökonomie in Davos
  • Video Alte Finanzwelt sucht neue Ordnung
  • BildWeltwirtschaftsforum in Davos
    VideoSchlieker: "Unverständnis für Cameron"

    "In der EU reagiert man mit Widerstand auf die Europa-Rede David Camerons", so ZDF-Reporter Reinhard Schlieker aus Davos. "Merkel wartete ab, bis die Kritik anderer den Premier erreichte."

    (25.01.2013)
    VideoPolitik und Ökonomie in Davos

    Beim Weltwirtschaftsforum forderte Großbritanniens Premier Cameron eine neue Vereinbarung für Europa als Wachstumsmaschine zu machen. Kanzlerin Merkel plädierte für eine dauerhafte Stabilitätsunion.

    (24.01.2013)
    VideoAlte Finanzwelt sucht neue Ordnung

    In Davos wird deutlich, dass die Wirtschaftskarten neu gemischt werden. Expertenmeinung: China kommt, die Bedeutung Europas wird schwinden - nicht zuletzt, weil Europa in zentralen Fragen uneins ist.

    (24.01.2013)

     von Reinhard Schlieker

    Was bleibt vom Wirtschaftsforum in Davos? Diese Frage stellt sich jedes Jahr, und die jeweilige Antwort muss nicht immer jedem gefallen. Anders als bei feierlichen Tagungen großer Staatsmänner gibt es am Ende nämlich keine Unterschrift unter ein wichtiges Dokument. Es gibt bestenfalls gute Vorsätze und ein paar Geschäfte zum Mitnehmen. 

    Genau genommen ist das Weltwirtschaftsforum (WEF) damit am Beginn des Jahres ganz gut aufgehoben. Denn die Erfahrung kennt wohl jeder von Silvester: Anfang Januar wird alles anders, besser, gesünder – bis man kurz nach Weihnachten feststellt, dass gute Vorsätze auch im Folgejahr wohl wieder gebraucht werden.

    Zu früh für "business as usual"

    Diesmal war Davos nicht ganz so sehr auf schiere Hoffnung angewiesen wie etwa 2002, 2009 oder 2012 - zumindest, was Europa angeht. Denn inzwischen gibt es Daten und messbare Erfolge in der europäischen Schuldenkrise, die den wichtigsten Mann der gegenwärtigen Krisenbekämpfung, den EZB-Präsidenten, zu einer kühnen Prognose hinrissen: Im Herbst, so Mario Draghi, wird es spürbar besser mit der europäischen Wirtschaft.

    Man will es gern glauben, allerdings zeichnet sich schon eine neue Version des Pessimismus' ab: Wenn sich die Not nun zu verflüchtigen scheint, wenn Italien und Spanien wieder zu komfortabel niedrigen Zinsen ihre Staatsschulden verlängern können, was geschieht dann mit dem Reformprozess? Ohne Druck, so ahnt man, wird der Eifer, sich bei den eigenen Wählern unbeliebt zu machen, nicht mehr derselbe sein. Insofern wäre es vielleicht sogar ein Hoffnungszeichen, wenn es nicht so schnell bergauf und in den Bereich von "business as usual" ginge.

    Wunsch und Wirklichkeit

    Man hat am Beispiel des Bankensektors gesehen, dass eine Krise wie die des Immobilienmarktes in den USA und den darauf folgenden Bankenpleiten nicht ausreichte, um die Geschäftsmodelle kritisch neu auszurichten – die teuersten Skandale im Wertpapier-Banking geschahen nach Lehman. Auch jetzt in Davos war nur am Rande von "Leitplanken" die Rede, wie Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) es ausdrückte.

    Ein Konzept einer vernünftigen Regulierung der Finanzindustrie, das weltweit Zustimmung fände, hätte eine Leistung des Davoser Forums sein können, die in die Geschichte eingeht – wie illusorisch. Dennoch: Davos handelt immer auch von Visionen und Zukunftskonzepten, und das wäre mal eines. Die Schwierigkeit wird aber nicht nur deutlich, wenn man mal die Unterschiede zwischen den USA und China, den Schwellenländern und Europa betrachtet; nein, schon unter den Nachbarn der EU lässt sich kein gemeinsames Wirken feststellen.

    Und man hält natürlich auch Fensterreden und biegt die Realität ein bisschen: Wenn Briten-Premier David Cameron davon spricht, dass ja nur die Hälfte der EU-Länder etwa auch in der Eurozone sei, dann genügt kurzes Zählen, dass es sich um 17 von 27 handelt: Die Hälfte? Angela Merkel weist auf ein schweres Dilemma in Europa hin, das acht Prozent der Weltbevölkerung ausmache, 25 Prozent der Weltwirtschaftsleistung, aber 50 Prozent der weltweiten Sozialausgaben zahle. Die Folgerung wäre natürlich: Das muss man schleunigst in ein verträgliches Verhältnis bringen – aber zu Hause werden gerade fast im Wochentakt neue staatliche Leistungen erfunden und diskutiert.

    Verräterische Konzepte

    Die europäischen Ideen werden also vom Handeln sogleich widerlegt, die Konzepte sind eher verräterisch als vertrauenerweckend. Wer will es da den Nationen am Rande verdenken, dass sie ebenfalls ein unrealistisches Bild malen? Da gerät Aserbaidschan in der massiv plakatierten Eigenwerbung zum "Land der Zukunft", und zwar gewiss nicht wegen der Einsicht, dass die Gegenwart so trist ist.

    Da laden Malaysia oder Indonesien zur Erkundung der heimischen Wirtschaft ein und färben ein wenig schön; da zeigt sich der indische Industrieverband erschrocken über die Gewalt gegen Frauen zu Hause, will aber dennoch lieber die rasenden Fortschritte in der Wirtschaft diskutiert wissen. Und Russland wuchert mit den Pfunden Gas und Öl und wird ganz schweigsam, wenn es um Rechtssicherheit für die umworbenen ausländischen Investoren geht – über die Inländer spricht man da schon lieber gar nicht.

    Es bleibt also, was immer bleibt: Wer in Davos auftritt, setzt sich immerhin wenigstens der Diskussion aus, und muss sich auch mal was Unangenehmes anhören - wenn auch vielleicht nur von Journalisten. So gesehen war dann selbst Aserbaidschan mutiger als solche Länder wie USA oder China. Deren Regierungen schickten – niemand.

    27.01.2013
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