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24.05.2013

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Syrien und YouTube

Der Krieg der tausend Handy-Videos

  • Bild Syrien-Konflikt auf YouTube
  • Video Eine Reise durch das zerstörte Syrien
  • Video Syrien: Ein Land im Zerfall
  • Grafik Chronik des Arabischen Frühlings
  • BildSyrien-Konflikt auf YouTube
    Video-Screenshot von Kämpfen in Syrien / Quelle: ap
    (Quelle: ap)
    VideoEine Reise durch das zerstörte Syrien
    (11.01.2013)
    Video Syrien - Ein Land im Zerfall

    Der Bürgerkrieg in Syrien geht in sein drittes Jahr. Doch weder den Rebellen noch Präsident Assads Truppen gelingt es dauerhaft die Oberhand zu gewinnen und einen entscheidenden Sieg zu erringen.

    (04.01.2013)
    GrafikChronik des Arabischen Frühlings
    Chronik des Arabischen Frühlings / Quelle: ZDF
    (Quelle: ZDF)

    Ein beinahe pausenloser Strom an Videoclips kommt täglich aus Syrien. Bei YouTube kann man sehen, worüber Journalisten nicht aus erster Hand berichten können. Ist dieser Krieg damit der am besten oder der am schlechtesten dokumentierte Konflikt? 

    In den Fernsehnachrichten sehen wir regelmäßig verwackelte Bilder aus Syrien. Meistens Rauchsäulen über einer Stadt, die die Armee von Präsident Baschar al-Assad beschossen hat. Oder Schusswechsel in zerstörten Straßenzügen, zwischen Militär und bewaffneter Opposition. Immer wieder sind es auch besonders schreckliche Bilder, die über die Bildschirme flimmern: tote und verletzte Menschen nach einem Luftangriff, einer Bombenexplosion oder einem Massaker.

    "Einer der am besten dokumentierten Konflikte"

    Anne Walkembach

    ist heute-Redakteurin und kümmert sich u.a. um die Verifizierung von Internet-Videos. Folgen Sie der Autorin bei Twitter: @walkembach

    Nur wenige der Aufnahmen kommen vom syrischen Staatsfernsehen, die meisten stammen von syrischen Bürgern und ihren Handys oder Digitalkameras. Wer sich direkt auf YouTube oder in anderen sozialen Netzwerken umschaut, kann fast minütlich verfolgen, was in dem Land passiert. Noch immer gibt es täglich Demonstrationen gegen das Regime, mit denen vor fast zwei Jahren alles anfing: Die Regierung behauptete, es gebe keinen Protest und die Bilder stammten aus anderen arabischen Ländern. Die Assad-Gegner wollten das Gegenteil beweisen. Seitdem erwähnen sie routinemäßig Ort und Datum, während sie filmen, liefern zusätzliche Information im Internet. Die Amateure haben sich professionalisiert.

    "Syrien ist sicher einer der am besten dokumentierten Konflikte, was den Bürger-Journalismus betrifft", urteilt Andy Carvin, Journalist beim National Public Radio in den USA, gegenüber heute.de. Er hat sich wahrscheinlich intensiver mit den Aufständen in der Region und Internetvideos befasst als jeder andere. James Miller, Redakteur und Syrien-Experte bei eaworldview.com, verrät: "Selbst amerikanische Geheimdienstmitarbeiter geben - unter der Hand - zu, dass sie beeindruckt sind von der Menge der Informationen."


    Die Bilder werden immer grausamer

    Je gewalttätiger der Konflikt mit mittlerweile mehr als 60.000 Toten wird, desto mehr Menschen halten fest, was sie sehen, desto grausamer ist, was sie filmen. Das ist kein vollständiges oder objektives Bild, wie es - bestenfalls - professionelle journalistische Berichterstattung liefern würde. "Aber die Welt hat noch nie einen so unmittelbar dokumentierten Krieg gesehen", erklärt Madeleine Blair von WITNESS, eine Organisation, die sich mit Amateurvideos aus Konflikten als wichtige Zeugnisse nicht zuletzt für Kriegsverbrechen befasst. "Es sind meistens persönliche Eindrücke von syrischen Zivilisten, die der Weltöffentlichkeit zeigen wollen, welche Gewalt ihnen Assads Regime antut."

    Die meisten dieser Videos sind unverfälscht, aber manchmal sorgt hier und da ein brennender Autoreifen für noch mehr Rauch und Dramatik und macht es wahrscheinlicher, dass die Bilder von Fernsehsendern übernommen werden. "Das ist einige Male passiert", sagt Hani, ein Syrer im Exil, heute.de, der für den YouTube-Kanal "Ugarit News English" Videos übersetzt. "Es schadet der Glaubwürdigkeit des Aufstands, aber wir sollten das einfach als verzweifelten Versuch sehen, etwas zu erreichen."

    YouTube-Video: Syrien

    YouTube-Videos aus Syrien liefern Informationen über Waffen

    Die Dokumentation der Vielen lieferte auch entscheidende Hinweise über eingesetzte Waffen. Human Rights Watch konnte so nachweisen, dass die syrische Luftwaffe seit dem letzten Sommer international geächtete Splitterbomben verwendet. Überprüfte Handyvideos zeigen, verwundete und tote Zivilisten sowie Überreste dieser Munition, die unzählige scharfe Granatsplitter auf einer großen Fläche verteilt. Keine Waffe, die man gezielt gegen einen bewaffneten Gegner einsetzt.


    Fälschungen und Propaganda

    Natürlich gibt es auch Fälschungen, die oft nur schwer zu enttarnen sind. Und Videos, die nicht dokumentieren, sondern schlicht politische Propaganda sind. Die bewaffnete sogenannte "Freie Syrische Armee" filmt, was sie ihren "Vormarsch" nennt - und will der Welt und vor allem Assads Armee ihre Stärke und Erfolge demonstrieren: Ein Waffenlager, ein Armeestützpunkt, den sie erobert haben. Deserteure, die die Seite gewechselt haben sollen. Und auch Assads Leute nutzen Internetvideos dazu, die Gegenseite einzuschüchtern und zu diskreditieren. Ein Video soll zum Beispiel zeigen, dass die Opposition mit viel Kunstblut und Tricks Tote und Verletzte nur spielt. Und ihre Videos nur Theater sind.

    Syrische Aktivisten

    Syrischer Schneemann:Dieses Foto stammt vom Bürgerjournalisten @YazanHomsy

    Schwierig ist auch die Tatsache, dass Amateurvideos oft festhalten, dass Menschen auf furchtbare Weise getötet wurde, aber sie verraten nicht unbedingt, wer dies getan hat. Trotzdem helfen die Videos z.B. der Organisation Amnesty International (AI), immer wieder Aufmerksamkeit auf die vielfachen Menschenrechtsverbrechen in Syrien zu lenken. "AI weist die Beteiligten auf allen Seiten drauf hin, dass die Gewalttaten nicht unbemerkt und undokumentiert bleiben", so Christoph Koettl von AI zu heute.de. "In Kombination mit anderen Beweisen kann so ein Video wichtige Informationen liefern und dazu beitragen, dass ein bestimmtes Kriegsverbrechen vor einem internationalen Gericht geahndet wird."


    Mehr Glaubwürdigkeit für Handyvideos

    Um den Bürgervideos mehr gerichtsfeste Glaubwürdigkeit zu geben, arbeiten Menschenrechtsorganisationen zusammen mit der Vereinigung internationaler Anwälte IBA an einer Handysoftware, die Videos unter anderem mit GPS-Koordinaten und Zeitstempel versieht. Vielleicht können die vielen Amateurvideos in der Zukunft also noch viel wichtiger werden - nicht nur in Syrien.

    19.01.2013
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