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Tarantinos "Django Unchained"

Der Rächer im Sattel - und Amerikas "große Sünde"

  • Video Neu im Kino: "Django Unchained"
  • Video Interview mit Quentin Tarantino (engl.)
  • Video Interview mit Christoph Waltz
  • Video Interview mit Jamie Foxx (engl.)
  • VideoNeu im Kino: "Django Unchained"
    (07.01.2013)
    VideoInterview mit Quentin Tarantino (engl.)
    (07.01.2013)
    VideoInterview mit Christoph Waltz
    (07.01.2013)
    VideoInterview mit Jamie Foxx (engl.)
    (07.01.2013)

    Radikal, abgedreht, toll besetzt - und kultverdächtig: Quentin Tarantino erzählt in "Django Unchained" mit den Mitteln des Italowesterns von einem im Film lange vernachlässigten Thema, der Sklaverei. 

    Er hat mit der Nazi-Bande auf seine Art abgerechnet. In seinem letzten Film "Inglourious Basterds" ließ Quentin Tarantino eine Gruppe jüdischer amerikanischer Soldaten die ganze Nazi-Elite in einem Kino im besetzten Frankreich erschießen und in Flammen aufgehen. Eine Rachefantasie, die sich weder um Wahrscheinlichkeit noch um historische Fakten scherte. Und in "Django Unchained" treibt Tarantino sein Spiel mit der Geschichte und ihren Möglichkeiten noch weiter.


    Mehr als eine Hommage

    Tarantino hat immer wieder den Italowestern als eine seiner großen Inspirationsquellen benannt. In welchem Terrain "Django Unchained" wildert, machen schon die ersten Aufnahmen des Films mit ihren schnellen Zooms und der unterlegten Musik von Robert Fia deutlich: die hat der Komponist für Sergio Corbuccis "Django" (1966) geschrieben, den zwar nicht ersten Spaghetti-Western, aber einer der bahnbrechenden.

    Franco Nero, der Darsteller des Django, hat in "Django Unchained" einen Cameo-Auftritt - aber aus Tarantinos neuem Film ist mehr als eine Hommage geworden. Tarantino unternimmt mit dem Italowestern das, was dieser mit dem klassischen Western gemacht hat: er stellt ihn vom Kopf auf die Füße.


    Alptraum Sklaverei

    Kein Western hat je die Sklaverei so zum Thema gemacht wie "Django Unchained", so brutal, so nahe gehend, so alptraumhaft. Es dürfte jedenfalls nicht von ungefähr kommen, dass jetzt - zusammen mit Spielbergs "Lincoln" - zwei Filme zu diesem Thema ins Kino kommen. Im Film, anders als im TV, war Sklaverei eher ein Tabuthema. Denn die Gruppe von Menschen, die sich in den Zooms der ersten Einstellungen herausschält, besteht aus angeketteten Sklaven und den Rednecks, die sie gekauft haben.

    Sie treffen auf den Zahnarzt Dr. King Schultz (Christoph Waltz), der einen erwerben will. Schultz befreit die Sklaven und nimmt einen von ihnen (Jamie Foxx) mit, weil der ihm die Brittles-Brüder identifizieren soll. Der deutschstämmige Schultz ist ein Kopfgeldjäger (wie so viele Helden in Italowestern) und verspricht dem Schwarzen nach dem Job die Freiheit.
    Zwei glorreiche Halunken: die nie lang wirkenden 165 Minuten des Films haben zwei Teile: Während die erste Hälfte, Djangos Initiation, ganz dem großartigen Christoph Waltz und seinem Parlieren gehört, steht in der zweiten Django im Zentrum. Und auch der Ton verändert sich: von der Ironie zum bitteren Ernst.


    109 Mal "Nigger"

    Denn Django will nicht in einen der aufgeklärteren Teile des Landes wechseln, sondern zuerst seine Frau aus den Klauen des Sklavenhalters Calvin Candie befreien. Die heißt wiederum Broomhilda von Shaft, was natürlich eine Anspielung auf den Siegfried-Mythos ist, aber auch auf den Helden der bekanntesten blaxploitation Filme. Nicht weniger als 109 Mal, so hat ein amerikanischer Kritiker gezählt, fällt in diesem Film das Wort "Nigger", jenes "N-Wort", für das Tarantino von Spike Lee anlässlich von Jacky Brown soviel Schelte bezogen hat.

    Aber wenn Tarantino die staunenden Gesichter der Leute zeigt, wenn sie raunen "Ein Nigger auf einem Pferd", dann zeigt das auch den Südstaatengeist des Jahres 1858, sieben Jahre, bevor die Sklaverei, siehe "Lincoln", abgeschafft wurde.


    Eine böse Replik auf die Onkel Toms der Filmwelt

    Für Broomhildas Befreiung hecken Schultz und Django einen Plan aus: Sie geben vor, in das Mandingo-Business einzusteigen und wollen "Hildi" quasi im Nebenbei erwerben. Leonardo DiCaprio in seiner ersten Bösewicht-Rolle als Plantagenbesitzer ist die schauspielerische Entdeckung dieses Films, ein kultivierter, arroganter, satanischer und rassistischer Fiesling. Wenn Candie anhand eines Totenkopfs über die vermeintlichen Unterschiede im Hirn von Schwarzen und Weißen erklärt, dann hat das eine ähnliche Brutalität wie Hans Landas Eröffnungsmonolog in "Inglourious Basterds".

    Candie völlig ergeben ist der Major Domus, der 76-jährige Haussklave Stephen (Samuel L. Jackson), eine böse Replik auf die Mammys und Onkel Toms in Literatur und Film. Dieser Stephen wird den Plan durchschauen und verraten - aber Django wäre nicht Django, wenn er nicht blutig Rache nehmen würde.

    16.01.2013, Quelle: von Rudolf Worschech, epd
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