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Otfried Preußler verstorben

Der Schöpfer des Räuber Hotzenplotz ist tot

  • Video Otfried Preußler ist tot
  • VideoOtfried Preußler ist tot
    (20.02.2013)

    Eine Spielwiese der Phantasie wollte Otfried Preußler schaffen. Der Erfinder von Räuber Hotzenplotz und der kleinen Hexe gilt als einer der größten  deutschen Kinderbuchautoren. Nun ist er tot. Seine Bücher wurden weltweit mehr als 50 Millionen Mal verkauft. 

    Generationen von Kindern und Erwachsenen haben seine Bücher verschlungen. Noch ehe die Kleinen die Buchstaben kannten, lasen die Eltern ihnen "Die kleine Hexe" vor. Als Grundschüler waren sie dem "Räuber Hotzenplotz" wissbegierig auf der Spur, der Jung-Gymnasiast vertiefte sich in "Krabat" und dessen düstere Welt verzauberter Raben. Otfried Preußler schuf mit seinem märchenhaft-beseelten Ton eine Literatur, die alle Altersklassen fesselt und nun schon Jahrzehnte Klassiker-Status hat. Am Montag starb Preußler im Alter von 89 Jahren in Prien am Chiemsee, wie der Stuttgarter Thienemann Verlag am Mittwoch mitteilte.

    Der Herr der Raben, Hexen und Räuber schrieb 32 Bücher, die in 55 Sprachen übersetzt und weltweit mehr als 50 Millionen Mal verkauft wurden. Für sein literarisches Schaffen erhielt er zahlreiche Auszeichnungen.

    Ein Platz zwischen Erich Kästner und Michael Ende

    "Sams"-Erfinder Paul Maar würdigte Preußler als Schöpfer echter Klassiker. "Otfried Preußler hat eine Reihe von Büchern geschrieben, die schon heute als Kinderbuchklassiker gelten und seit mehreren Generationen geliebt und (vor-)gelesen werden", sagte Maar. Kinderbuchautor Andreas Steinhöfel ("Rico, Oskar und die Tieferschatten", "Die Mitte der Welt") nannte Otfried Preußler einen der ganz Großen der Kinderliteratur. "Es war ein Platz für ihn freigehalten im Olymp der deutschen Kinderbuchautoren, zwischen Kästner und Michael Ende. Den hat Otfried Preußler jetzt eingenommen", sagte Steinhöfel.

    ZITAT
    Ich versuche [mit Geschichten] nichts weiter, als den Lesern Spaß zu machen, sie in der Kunst des Lachens zu üben, ihrer Phantasie Nahrung zu geben, sie in ihrem natürlichen Lebensmut zu bestärken.
    Otfried Preußler
    Am 20. Oktober 1923 im böhmischen Reichenberg in eine Lehrerfamilie hineingeboren, erlebte Otfried Preußler einen Vater, der als leidenschaftlicher Heimatforscher die Sagen des Isergebirges sammelte, und eine Großmutter, die ihn unermüdlich mit Geschichten fütterte. "Das Geschichtenbuch meiner Großmutter, das es in Wirklichkeit überhaupt nicht gegeben hat, ist das wichtigste aller Bücher für mich, mit denen ich je im Leben Bekanntschaft gemacht habe", bekannte Preußler einmal.

    Mit zwölf Jahren schrieb er die erste Geschichte

    Schon mit zwölf Jahren schrieb er selbst erste Geschichten und wünschte sich, später einmal als Schriftsteller in Prag zu leben. Doch der Zweite Weltkrieg durchkreuzte alle Pläne: Nach dem Abitur 1942 wurde Preußler einberufen und landete schließlich nach fünf Jahren russischer Gefangenschaft 1949 im oberbayerischen Rosenheim, wo er mit Glück seine Familie und seine Verlobte wiederfand. Um sich eine Existenz aufzubauen, fing er noch während des Lehrerstudiums mit dem Schreiben an - zunächst als radelnder Lokalreporter, dann als Autor für den Kinderfunk.

    Sein erster großer Erfolg gelang Preußler 1956 mit dem versponnen- lustigen "Kleinen Wassermann". Und als eine seiner drei in den 1950er Jahren geborenen Töchter aus Angst vor bösen Hexen nicht einschlafen konnte, erfand er ein Jahr darauf kurzerhand "Die kleine Hexe", die mit Hilfe des redseligen Raben Abraxas alles dafür tut, eine gute Hexe zu werden.

    "Kinder sind das klügste Publikum"

    ZITAT
    Eines Tages werden die Kinder von heute es sein, denen die Verantwortung der Erwachsenen aufgebürdet ist. Dann werden sie Kraft und Lebensmut brauchen können. Und die Fähigkeit zu lachen.
    Otfried Preußler

    1962 schließlich rief Otfried Preußler den herrlich unverschämten Räuber Hotzenplotz ins Leben, der gleich in mehreren Büchern dem tumben Wachtmeister Dimpflmoser das Leben schwer macht und mit Gert Fröbe ein legendäres Gesicht bekam. Nach dem "Kleinen Gespenst" (1966) präsentierte Preußler 1971 schließlich seinen ersten Jugendroman "Krabat" - das Buch über den Kampf um Freiheit, das Ringen um Macht, Magie und Liebe wurde ein Welterfolg, der in 31 Sprachen übersetzt und mit zahlreichen Preisen, darunter dem Deutschen und Europäischen Jugendbuchpreis, ausgezeichnet wurde.

    Aber auch zahlreiche Bilderbücher ("Die dumme Augustine"), Weihnachtsgeschichten ("Der Engel mit der Pudelmütze") und immer wieder sagenhaft angehauchte Werke entstanden im Laufe der Jahre, von den "Abenteuern des starken Wanja" über Rübezahl-Geschichten bis hin zu einer dicken Balladen-Sammlung. Eigen ist ihnen allen eine kraftvolle, etwas altertümliche Sprache, die besonders eindringlich unter die Haut ging, wenn Preußler seine Geschichten - wie in zahlreichen Hörspielen geschehen - selbst vortrug.

    Jeden neuen Text stellte er zuerst vor Kindern auf den Prüfstand - eine Achtung, die sich bis heute in Dankesbriefen begeisterter Kinder widerspiegelt. "Kinder sind das beste und klügste Publikum, das man sich als Geschichtenerzähler nur wünschen kann", meinte Preußler dazu. "Und sie sind strenge, unbestechliche Kritiker."

    Die Reaktionen der Facebook-Nutzer 
    • "R.I.P." oder "Oh nein, wie traurig." schrieben viele Facebook-Nutzer, als sie erfuhren, dass der Kinderbuchautors Otfried Preußler gestorben ist. Klicken Sie sich hier durch einige Kommentare.

    • "Mit diesen Geschichten bin ich aufgewachsen..." (Yaya S.)

    • "Hoffentlich haben Sie es bei Lebzeiten oft genug erfahren, wie viel Freude Sie gemacht haben, Herr Preußler, mit Ihren wunderbaren Geschichten. Nun kann der Dank nicht mehr an Ihr Ohr dringen, er sei aber trotzdem ausgesprochen. Ich verbinde mit Ihnen jedenfalls ganz viele schöne Lesestunden als Kind, vor allem mit meinem Favoriten 'Die kleine Hexe'. Sie bleiben unvergessen in sicherlich unzähligen Herzen..." (Gabriele W.)

    • "Soooooo schade! :'( Den Räuber Hotzenplotz hab' ich geliebt! Ich hab mich immer gewundert, wie der Zauberer Zwackelmann seinen Ärger mit "Kümmel" runtergespült hat! Als Kind weiß man das noch nicht, damals jedenfalls! ;)" (Sven S.)

    • "Für solche Nachrichten brauchen wir hier endlich einen 'gefällt mir nicht'-Button." (Sandra W.)

    • "Ruhen Sie in Frieden. Sie haben Rollenspiele, Imaginationskraft und Leerlaufphasen in meiner Kindheit mitgestaltet." (Hannes S.)

    • "Schade. Möge er in Frieden ruhen. Ich hab' die Bücher vorgelesen bekommen, selber gelesen und nun auch meiner Tochter vorgelesen." (Matthias H.)

    • "Ein grossartiger Autor." (Rudy S.)

    • "Ein Teil meiner Kindheit ... Solange man seine Bücher kennt, lebt er irgendwie weiter." (Martina H.)

    • "Danke für die kleine Hexe, das kleine Gespenst und all die anderen wunderbaren Helden. Die Bücher begleiten mich bis heute und versetzen mich auch als Erwachsene noch in andere, aufregende Welten." (Nina L.)

    • "Ein großer Kinderbuchautor geht nun auf seine Reise. Guten Flug und danke für die schönen Abenteuer hier auf dem Planet Erde." (Matthias B.)

    Erfolg auch auf der Leinwand

    Zu seinem 85. Geburtstag wurde "Krabat" verfilmt, die Geschichte vom Müllerjungen, der nach dem Dreißigjährigen Krieg in der Oberlausitz sein Glück sucht und den Teufel findet. "Ich glaube ja nicht an Zufälle, für mich ist es Fügung, dass die Geschichte, mit der ich mich mein ganzes Leben lang auseinandergesetzt habe, ausgerechnet zu meinem 85. Geburtstag ins Kino kommt", schrieb Preußler den Filmemachern gerührt in einem Dankesbrief.

    In den letzten Jahren war es ruhig geworden um Otfried Preußler. Er gab keine Interviews mehr und lebte zurückgezogen am malerischen Chiemsee in Oberbayern. An der von Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) angestoßenen Debatte um die Tilgung von Begriffen wie "Negerlein" und "Neger" aus "Die kleine Hexe" beteiligte er sich nicht mehr öffentlich. Wie es hieß, sträubte er sich zwar gegen Änderungen an seinen Texten, ließ am Ende die Streichungen aber zu. Zeitlos aktuell bleiben seine Bücher auch so.

    Auswahl von Preußlers Werken 
    • 1956: Der kleine Wassermann

    • 1957: Die kleine Hexe

    • 1962: Kater Mikesch (Nacherzählung)

    • 1962: Der Räuber Hotzenplotz

    • 1966: Das kleine Gespenst

    • 1968: Die Abenteuer des starken Wanja

    • 1969: Neues vom Räuber Hotzenplotz

    • 1971: Krabat

    • 1972: Die dumme Augustine

    • 1973: Hotzenplotz 3

    • 1981: Hörbe mit dem großen Hut

    • 1983: Hörbe und sein Freund Zwottel

    20.02.2013, Quelle: ZDF, dpa
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