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Nach Amoklauf an US-Schule

Deutsche Schulen sehen sich gut gerüstet

  • Video Sicherheit an deutschen Schulen
  • Video Psychologe: Werden damit leben müssen
  • Video Obama schweigt zu Waffengesetzen
  • Video Newtown: Bewegende Rede eines Vaters
  • VideoSicherheit an deutschen Schulen

    Nach dem Amoklauf in den USA, stellt sich auch in Deutschland die Frage, ob die Sicherheitsmaßnahmen an Schulen noch weiter verstärkt werden müssen.

    (17.12.2012)
    VideoPsychologe: Werden damit leben müssen
    (17.12.2000)
    VideoObama schweigt zu Waffengesetzen
    (17.12.2012)
    VideoNewtown: Bewegende Rede eines Vaters

    Nach dem Amoklauf findet der Vater eines der Opfer bewegende Worte.

    (16.12.2012)

    "Müssen wohl mit Amokläufen leben"

    Lassen sich Amokläufe wie der in Newton verhindern? Nein, sagt Psychologe Rudolf Egg im ZDF. Mit solchen Tragödien müsse man wohl leben. In den USA ist die Diskussion ums Waffenrecht entbrannt, US-Präsident Obama kündigt Härte an - ohne konkret zu werden.

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    "Schul-Amokläufer sind eher ruhige, depressive Personen, die ihre Gefühle irgendwann in Form von Hass nach außen tragen", sagt der Psychologe Rudolf Egg im ZDF heute-journal. In gewisser Weise müsse man  - mehr in den USA als in Europa - mit Amokläufen wie dem in Newtown leben müssen, sagt Egg. Man könne aber etwas dagegen tun. So beobachteten in Deutschland Krisenteams - als Reaktion auf die Amokläufe von Erfurt und Winnenden - Problemschüler. Das könne aber nur dann helfen, wenn der potentielle Täter auch Schüler der Schule sei. Aber: "Man kann potentielle Amokläufer nicht im Vorfeld herausfiltern, weil es kein klares Täterprofil gibt", sagt Egg im Gespräch mit Moderator Claus Kleber.

    Mehr Waffen keine Lösung

    Die jetzt wieder entflammte Diskussion über die Waffengesetze in den USA zeige die Schwierigkeit, Maßnahmen gegen solche Taten zu finden. So werde in die USA die Diskussion anders geführt als in Deutschland. In den USA "herrscht ein anderes Verständnis von Freiheit, jeder muss sich selber schützen können." So erkläre sich auch der Ruf nach mehr Waffen und das Argument, dass bewaffnete Lehrer sich gegen den Amokläufer hätten schützen können.

    "Durch mit noch mehr Waffen kann man das Problem nicht in den Griff bekommen", sagt Egg. Amokläufer stellten sich dann darauf ein und kämen eventuell mit Bomben in Schulen.

    Republikaner fordert mehr Waffen

    In den USA ist die Diskussion um das Waffenrecht inzwischen voll entbrannt. Während demokratische Senatoren eine Verschärfung der Gesetze forderten, sprach sich ein republikanischer Abgeordneter für einfacheren Zugang zu Waffen aus. Mehr Waffen hätten eine Bluttat wie in Newtown verhindern können, sagte Louie Gohmert in der Fernsehsendung "Fox News Sunday". "Alle Massenmorde mit mehr als drei Toten in der letzten Zeit fanden an Orten statt, wo Waffen verboten waren", sagte der republikanische Abgeordnete aus Texas. "Sie suchen sich diese Orte aus. Sie wissen, dass niemand bewaffnet sein wird."

    Recht auf Schusswaffen

    Das Recht auf Besitz und Tragen einer Waffe regelt grundsätzlich der zweite Verfassungszusatz (Second Amendment): In der Verfassung der USA heißt es in einer 1791 hinzugefügten Klausel: "Da eine wohlorganisierte Miliz für die Sicherheit eines freien Staates notwendig ist, darf das Recht des Volkes, Waffen zu besitzen und zu tragen, nicht beeinträchtigt werden." Demnach ist nach heutiger Auffassung von Politiker und Juristen das fast uneingeschränkte Recht gewährt, Schusswaffen zu besitzen.

    Der parteilose Senator Joe Lieberman und sein demokratischer Kollege Dick Durbin forderten in der Sendung eine nationale Kommission zur Überprüfung des Waffenrechts. Die demokratische Senatorin Dianne Feinstein aus Kalifornien kündigte an, noch am  ersten Tag der neuen Legislaturperiode ein neues Waffengesetz in  den Kongress einzubringen.

    Kriminologe: Erziehungsmethoden schuld

    Der hannoversche Kriminologe Christian Pfeiffer sieht in den Erziehungsmethoden in den USA eine Ursache für das Schulmassaker in Newton. "Als Amokläufer wird man nicht geboren, dazu wird man gemacht", sagte Pfeiffer der Hannoverschen "Neuen Presse". In den Vereinigten Staaten würden jährlich mehr als 200.000 Schulkinder in der ersten Klasse von ihrem Lehrer mit dem Stock gezüchtigt. Dies sei in Deutschland unvorstellbar.

    Während in Deutschland 64 Prozent der Kinder völlig gewaltfrei erzogen würden, seien es in den USA nur 15 Prozent, erläuterte der Leiter des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen. "Landesweit sind körperliche Strafen durch Eltern erlaubt, in 21 Staaten auch durch Pädagogen." Menschen, die in der Kindheit Misshandlungen, Prügelstrafe und Ohnmacht erlebten, wollten als Erwachsene viel häufiger Waffen besitzen als gewaltfrei Erzogene. Denn: "Waffen verleihen Macht."

    Obama hat es satt

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    Bewegende Worte eines Vaters
    Bei der Trauerfeier für die Opfer in Newton sagte US-Präsident Barack Obama, alle müssten sich fragen, ob sie genug für den Schutz der amerikanischen Kinder getan hätten.  Auch er selbst habe sich diese Frage gestellt und sei zu dem Schluss gekommen, dass das nicht der Fall sei. Es sei bereits das vierte Mal seit seinem Amtsantritt, dass es ein derart schweres Massaker gebe.

    Er selbst werde sich in den kommenden Wochen darum kümmern, fügte er in seiner ebenso bewegenden wie kraftvollen Rede hinzu. "Wir können das nicht mehr tolerieren. Diese Tragödien müssen aufhören. Und um sie zu beenden, müssen wir uns ändern." Die Waffengewalt in den USA müsse reduziert werden. Er werde seine ganze Macht einsetzen, dass sich solche Taten nicht wiederholen. Konkreter wurde Obama allerdings nicht - das Wort Waffengesetz nannte er nicht.

    Schütze wollte wohl noch mehr Menschen töten

    Der Amoklauf an der Grundschule hatte im In- und Ausland Trauer ausgelöst. Nach den bisherigen Erkenntnissen der Polizei erschoss der 20-jährige Adam Lanza zunächst seine Mutter in ihrem Haus. Dann brach er über ein Fenster in die Sandy Hook Elementary ein und tötete zwölf Mädchen, acht Jungen und sechs Frauen, bevor er sich selbst das Leben nahm.

    Wie es am Wochenende hieß, wollte der Schütze offenbar ein noch viel größeres Massaker anrichten. Es gebe Hinweise darauf, dass er noch mehr Menschen töten wollte. So seien in der Grundschule mehrere Magazine mit jeweils 30 Schuss und Hunderte weitere Patronen gefunden worden, sagte Polizeisprecher Paul Vance. Zuvor hatten die Ermittler in der Schule bereits zwei Pistolen, eine Glock und eine Sig Sauer, sowie ein Gewehr vom Typ Bushmaster Kaliber .223 entdeckt. In dem Auto des Täters befand sich noch eine Schrotflinte.

    Amokläufe in Schulen - dramatische Fälle 
    • Dunblane, 13. März 1996: Offenbar aus Rache für seine Ausgrenzung als Jugendbetreuer richtet ein 43 Jahre alter Arbeitsloser in einer Grundschule im schottischen Dunblane ein Massaker an. Er erschießt 16 Kinder im Alter von fünf bis sechs Jahren sowie ihre Lehrerin in der Turnhalle. Dann tötet er sich selbst.

    • Littleton, April 1999: In der Columbine High School im US-Staat Colorado töten zwei mit Gewehren bewaffnete US-Schüler im Alter von 17 und 18 Jahren zwölf ihrer Mitschüler und einen Lehrer. Dann erschießen sie sich selbst. Nach dem Blutbad entdeckt die Polizei mehr als 30 Bomben, mit denen offenbar das Schulgebäude gesprengt werden sollte.

    • Erfurt, April 2002: Am Erfurter Gutenberg-Gymnasium richtet ein 19-Jähriger ein Blutbad an. Er erschießt zwölf Lehrer, zwei Schüler, die Sekretärin und einen Polizisten. Dann tötet sich der Amokläufer selbst. Er war der Schule verwiesen worden.

    • Minnesota, März 2005: In einem Indianerreservat im US-Bundesstaat Minnesota tötet ein 16-Jähriger an seiner High School fünf Schüler, eine Lehrerin und einen Sicherheitsbeamten. Dann bringt er sich selbst um. Zuvor hatte er seinen Großvater und dessen Lebensgefährtin erschossen. Der Täter hatte Kontakte zur Neonazi-Szene.

    • Tuusula, November 2007: Ein 18 Jahre alter Abiturient erschießt in einem Schulzentrum der finnischen Ortschaft sechs Mitschüler, eine Krankenschwester und die Schulleiterin. Dann tötet er sich mit einem Kopfschuss.

    • Kauhajoki, September 2008: Ein Amokläufer stürmt in der westfinnischen Kleinstadt in eine Berufsschule. Er tötet neun Mitschüler sowie einen Lehrer. Danach legt der 22-jährige Waffennarr Feuer und erschießt sich. Er hatte die Tat im Internet angekündigt.

    • Winnenden, März 2009: In seiner früheren Realschule in Winnenden bei Stuttgart und auf der Flucht erschießt ein 17-Jähriger 15 Menschen und sich selbst. Die Waffe hat er seinem Vater entwendet, einem Sportschützen.

    • Provinz Fujian, März 2010: Ein ehemaliger Arzt ersticht acht Kinder an einer chinesischen Grundschule. Der psychisch gestörte Mann hatte zuvor seinen Arbeitsplatz verloren.

    • Rio de Janeiro, April 2011: In der brasilianischen Metropole ermordet ein offenbar geistig verwirrter 23-Jähriger zwölf Schüler und tötet sich dann selbst. Für seine Beerdigung hat er zuvor genaue Anweisungen verfasst.

    • Oakland, April 2012: An einem christlichen Privatcollege in Kalifornien erschießt ein ehemaliger Student sieben Menschen. Dann stellt er sich der Polizei. Grund für die Tat: Wut auf seine Mitschüler und eine Angestellte.

    • Newton, Dezember 2012: Beim bisher schlimmsten Amoklauf an einer US-Schule kommen in Newtown im Bundesstaat Connecticut 27 Menschen ums Leben - darunter 20 Kinder. Der Schütze tötet sich nach dem Blutbad selbst.

    17.12.2012, Quelle: dapd, afp, dpa, epd
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