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Ramsauer im Irak

Deutsche Wirtschaft hofft auf Milliarden am Tigris

  • Bild Zerstörungen im Irak
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    VideoIslamisten bedrohen Jugendkultur

    Jugendliche, die im Irak die westliche Kultur für sich entdecken, leben teils gefährlich. Sie sind zur Zielscheibe religiöser Fanatiker und Milizen geworden, müssen sogar um ihr Leben fürchten.

    (08.10.2012)

     von Stefan Leifert, Bagdad

    Verkehrsminister Ramsauer ist im Irak - mit einem ganzen Flugzeug voller Unternehmer. Das zerstörte Land braucht Stromnetze, Wasserleitungen, Wohnungen, Schienen, Straßen. Deutsche Firmen wittern die Chance ihres Lebens, und Ramsauer soll dafür die Türen aufstoßen. 

    Der Anflug auf Bagdad hat gerade begonnen, da stürmt plötzlich alles auf die rechte Seite des Flugzeugs. Auch der Verkehrsminister drückt seine Nase an das Kabinenfenster. Wo sich der Tigris zu einem See weitet, beleuchtet tiefrotes Abendlicht gerade den imposanten Staudamm von Mosul im Norden des Irak. Neben Peter Ramsauer sitzt Thomas Bauer und zeigt auf den Ort, der das Projekt seines Lebens werden soll. Der bayerische Bauunternehmer kämpft im Irak um den Milliarden-Auftrag zur Sanierung des Staudamms. "Der größte Auftrag, den es je im Tiefbau gegeben hat", sagt Bauer mit leuchtenden Augen. Der Verkehrsminister soll ihm dabei ein paar Türen öffnen.

    Irak in einer neuen Phase

    Peter Ramsauer fliegt zum ersten Mal in seinem Leben in den Irak und kommt aus dem Staunen nicht mehr raus: ein ganzes Flugzeug voll Unternehmer ist mit ihm geflogen. "Das Interesse in der Wirtschaft war atemberaubend groß", sagt der CSU-Politiker. Überhaupt sei die Reisetätigkeit deutscher Unternehmen in den Irak gestiegen. Bei einer Irak-Reise des ehemaligen Wirtschaftsministers Michael Glos vor fünf Jahren seien es gerade mal drei Unternehmen gewesen, die samt Minister in den Irak wollten.

    Dass es diesmal über 50 sind, sagt viel über die neue Phase, in der sich der Irak gerade befindet. Zwar säumen noch immer meterhohe Betonmauern die Einfallstraßen von Bagdad, muten Kontrollen, Sicherheitschecks und eingeschränkte Bewegungsfreiheit gespenstisch an: es ist kein Vergleich zum gefährlichen Chaos, das nach dem Sturz Saddams 2003 und noch viele Jahre danach herrschte.

    Staudamm von Mosul im Nord-Irak

    Unternehmen wittern große Chance

    So zumindest sehen das viele aus der Wirtschaftsdelegation, die dem Minister nach Bagdad gefolgt ist. Martin Herrenknecht ist darunter. Der schwäbische Hersteller riesiger Tunnelbohrmaschinen hofft auf einen Großauftrag beim geplanten Bau von Bagdads U-Bahn. "Wir wollen uns langfristig im Irak etablieren", sagt Herrenknecht. "Das ist jetzt die richtige Zeit, um hier einzusteigen." Auch zehn Jahre nach Kriegsende liegt Iraks Infrastruktur noch völlig am Boden. Stromnetze, Wasserleitungen, Schienen und Straßen - viel hat sich seit Kriegsende noch nicht verbessert. Auch im Wohnungsbau hat das Land Großes vor. Das ist die Chance für deutsche Unternehmen.

    Der langfristige Investitionsbedarf im Irak wird von Ramsauers Ministerium auf über 500 Milliarden Euro geschätzt. Zu den größten Projekten, die zu vergeben sind, zählt der Staudamm von Mosul. Schon vor über einem Jahr hat Thomas Bauer einen Vorvertrag mit der irakischen Regierung abgeschlossen und glaubte, den knapp zwei Milliarden Euro großen Auftrag in der Tasche zu haben. Es wäre der größte seiner Firmengeschichte. Doch bis heute ist der Auftrag nicht erteilt.

    Große Hindernisse

    Eine Erfahrung, die viele deutsche Unternehmen machen müssen. Nicht die Sicherheit sei das größte Hemmnis für ausländische Unternehmen im Irak, sondern die oft undurchschaubaren und quälend langen Entscheidungsprozesse der öffentlichen Hand. Beim Kamingespräch im Hotel machen die Unternehmer beim Minister ihrem Frust Luft. Die Chancen im Land seien ja groß, aber die Hindernisse auch. "Die Regierung muss sich erst noch finden, es gibt ein Vakuum in vielen Ministerien, viel Bürokratie und immer neue, undurchschaubare Vorgaben", klagt Uwe Stupperich, der mit seiner Transportfirma M.G. International Transports seit Jahren im Land aktiv ist.

    Zu Korruption und Intransparenz kommt die Selbstblockade der Politik. Die Regierung von  Ministerpräsident Nuri al-Maliki steht schwer unter Beschuss, der Religionskonflikt zwischen schiitischer Mehrheit und sunnitischen Minderheit bildet sich auf allen Ebenen der irakischen Gesellschaft ab. Wie zum Beweis für die immer noch prekäre Lage erschütterten noch kurz vor Abflug der deutschen Delegation mehrere Anschläge das Land. Konflikte, die längst überwunden schienen, brechen in diesen Wochen wieder auf. Der Irak droht wieder zum Pulverfass zu werden.

    Die deutschen Unternehmer kennen all die Risiken und Rückschläge. Ob er noch an den Milliarden-Auftrag am Mosul-Staudamm glaube, wird Thomas Bauer gefragt. "Sicher", sagt er. "Sonst wäre ich nicht mitgeflogen."

    05.02.2013
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