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Hauptversammlung

Dicke Luft bei ThyssenKrupp

  • Video Dicke Luft bei ThyssenKrupp
  • Video Thyssen-Krupp macht Milliardenverlust
  • Bilderserie ThyssenKrupp: Aufstieg, Fall, Fusion
  • VideoDicke Luft bei ThyssenKrupp

    Tiefrote Zahlen, Korruptionsvorwürfe und Luxusreisen - die Aktionärsvertreter des Stahlkonzerns ThyssenKrupp sind sauer. Auf der Hauptversammlung in Bochum fordern sie den Rücktritt von Aufsichtsratschef Cromme. Konzernchef Hiesinger räumt Fehler ein.

    (18.01.2013)
    VideoThyssen-Krupp macht Milliardenverlust

    Der Stahlkonzern Thyssen-Krupp fährt einen Verlust von 5 Milliarden Euro ein. Von gravierenden Managementfehlern ist die Rede. Die Werke in Brasilien und den USA wurden zum Milliardengrab.

    (11.12.2012)
    BilderserieThyssenKrupp: Aufstieg, Fall, Fusion
    a worker controls a tapping of a blast furnace at europe's largest steel factory of germany's industrial conglomerate thyssenkrupp ag in the western german city of duisburg december 6, 2012. reuters/ina fassbender (germany - tags: business industrial tpx images of the day)
    (11.12.2012)

    Räte ratlos, Aktionäre aufgebracht

    von Reinhard Schlieker

    Milliardenverluste, Pleiten in Südamerika oder Lustreisen für Gönner - es gibt viel zu besprechen auf der Hauptversammlung von ThyssenKrupp. Aktionäre des Stahlkonzerns begehren auf. Im Zentrum der Probleme: Aufsichtsratchef Gerhard Cromme.

    Fast schade, dass es eine Hauptversammlung nur einmal im Jahr geben kann. Bei ThyssenKrupp ergäbe sich auch alle drei Monate genügend Gesprächsbedarf für die Aktionäre. So also debattiert man diesmal über alles, was sich so angesammelt hat seit letztem Jahr – und das ist reichlich und vieles auch unerfreulich.

    An den Machthabern perlt alles ab

    Insofern lässt sich kaum sagen, was im Mittelpunkt der Debatte stehen sollte. Sind es die Fehlplanungen des Stahlkonzerns in Südamerika?
    Reinhard Schlieker

    Reinhard Schlieker berichtet für heute.de über Wirtschaftstemen

    Oder doch eher die Lustreisen für Freunde, Gönner und  - Aufsichtsräte? Oder vielleicht die Preisabsprachen im Bahnsektor, das sogenannte Schienenkartell? Schon 2011 fielen 1,8 Milliarden Euro Verlust an, durchaus genug für ein fruchtbares Gespräch unter Kennern der Materie und interessierten Laien. 2012 wurden es glatte fünf Milliarden Minus, umso mehr Grund für eine zünftige Hauptversammlung jetzt zum Wochenschluss in Bochum.

    Doch was auch immer auftaucht aus den peinlichen Archiven – an den wahren Machthabern im Konzern perlt alles ab, und die Aktionäre werden gegen die altgedienten Inhaber der Sperrminorität nichts ausrichten können: Die Krupp-Stiftung bestimmt mit ihren 25,3 Prozent, wo es lang geht. Und statt an tumbe Eisenbahnschienen denkt sie lieber an technisch hochwertige Aufzüge, schlüsselfertige Fabriken und was ThyssenKrupp sonst noch so an modernen Sachen macht.

    Als wär’s ein Flughafen

    Richtig teuer wurde für den Konzern sein Engagement in Amerika. Das Stahlwerk in Brasilien, das dank günstiger Löhne und Steuern dort die Versorgung der USA mit Stahl lukrativ machen sollte, erweist sich auch wegen Baumängeln als eine Geldversenkungsmaschine – fast als wär’s ein Berliner Flughafen. Ähnlich wie dort fällt der Aufsichtsrat vielen Anteilseignern unangenehm auf.

    Links
    Konzern verbrennt Milliarden
    Hiesinger zieht die Reißleine

    Der langjährige Vorsitzende, Gerhard Cromme, war zuvor schon seit den 1980er Jahren Krupp-Vorstandschef und sitzt mithin seit mehr als einem Vierteljahrhundert an den Hebeln der Stahlmaschinerie. Cromme verheimlicht zwar die Mängel im Geschäftsgebaren des Konzerns nicht, auch nicht die Fehler bei teuren Investitionen, hält sich selbst aber eher für die Lösung als für das Problem. Wie zum Beweis tauschte er Vorstandschefs aus, darunter vor Jahren seinen alten Weggefährten Ekkehard Schulz, feuerte weitere Vorstände und segnete dann Pläne ab, die schlimmsten Verlustbringer abzustoßen.

    Die seit mehr als zwei Jahren laufende Rettungsaktion bei ThyssenKrupp erweckt aber immer mehr den Eindruck, auch der Rettung von Gerhard Cromme zu dienen. Der fast 70-Jährige hat nämlich auch noch Großes vor: Er will Nachfolger eines fast 100-Jährigen werden. Berthold Beitz, Patriarch an der Spitze der Alfried-Krupp-von-Bohlen-und-Halbach-Stiftung, hat Cromme zur Erbfolge vorgesehen und lässt auf seinen Zögling nichts kommen.

    ThyssenKrupp in Zahlen

    Der Industriekonzern ThyssenKrupp ist der größte deutsche Stahlhersteller. Das Unternehmen entstand 1999 aus der Fusionen der beiden Traditionsunternehmen Thyssen und Krupp. Neben Stahl gehören auch der Bau von großen Industrieanlagen, Marineschiffen, Aufzügen und Rolltreppen sowie Autoteilen zur Produktpalette.

    Für das zurückliegenden Geschäftsjahr 2011/2012 (30. September) will das Unternehmen nach einem Verlust von fünf Milliarden Euro die Dividende streichen. Hintergrund sind milliardenschwere Fehlinvestitionen in Stahlwerke in Übersee. Bereits im Jahr zuvor hatte das Unternehmen wegen hoher Wertberichtigungen einen Verlust von 1,8 Milliarden Euro verbucht.

    Der Umsatz des Konzerns war im vergangenen Geschäftsjahr um 4,2 Prozent auf 47,1 Milliarden Euro zurückgegangen. Darin enthalten sind jedoch noch die zum Verkauf gestellten Stahlwerke in Übersee und die mittlerweile abgegebene Edelstahlsparte Inoxum. Für das angelaufene Geschäftsjahr 2012/2013 rechnet der Konzern mit den fortgeführten Aktivitäten mit einem Umsatz auf dem Niveau des Vorjahres von rund 40 Milliarden Euro. ThyssenKrupp beschäftigt weltweit über 150.000 Mitarbeiter.

    Die Irrungen des Zöglings Cromme

    Gerhard Cromme hat sich in den Augen von Beitz nicht nur als Konstante im Konzern unentbehrlich gemacht, sondern Krupp wahrscheinlich auch ein Mal gerettet: Durch die Fusion, die er brachial durchsetzte, mit dem damals durchaus gesünderen Konkurrenten Thyssen. Eine strategische Leistung: Der Igel ist nicht nur schneller als der Hase, er frisst ihn am Ende auch noch auf. Gleichzeitig festigte der mächtige Mann seinen Nimbus der Untadeligkeit, indem er die deutsche Corporate-Governance-Kommission zum Erfolg führte, die einen Kodex für gute Unternehmensführung entwickelte und damit einer unangenehmen gesetzlichen Regelung zuvorkam.

    ThyssenKrupp

    Charts und weitere Info

    Wer solche Meriten erwarb, muss sich natürlich an die eigenen Empfehlungen nicht mehr halten – der Kodex sieht Multi-Aufsichtsratsmandate kritisch; Cromme sitzt in acht Räten von Großkonzernen und führt zwei davon (Siemens und ThyssenKrupp). Er sieht seinen Rat offenbar als zu wertvoll an, um ihn nur in einigen wenigen Gremien zuteil werden zu lassen, und zahlreiche Ehrungen, Ehrenmitgliedschaften und Verdienstkreuze haben die Tugend der Demut nicht fördern können. Zum Manager gehört der Ruf und dahinter stehend das Geschick, das als richtig Erkannte auch durchzusetzen. Das bekamen Stahlarbeiter in Duisburg zu spüren, einstmals, und Kritiker aus Aktionärskreisen heute. Die beleben nun eine Hauptversammlung und verweisen mit Recht auf eine "verrottete Führungskultur" bei ThyssenKrupp.

    Konsequenzen: keine. Die Vorwürfe, so muss man annehmen, dienen Cromme erst recht als Beleg dafür, dass er und kein anderer an der Spitze des Aufsichtsrats gebraucht wird. Und selbst wenn er dann eines Tages die Krupp-Stiftung übernimmt,  er bleibt dem Stahl- und Technologiekonzern erhalten. Es gibt kein Entrinnen.

    18.01.2013, Quelle: ZDF, dpa
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