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Hauptversammlung bei ThyssenKrupp
Die Methode Cromme gerät ins Wanken
VideoDicke Luft bei ThyssenKrupp
VideoThyssen-Krupp macht Milliardenverlust
Buhrufe und Pfiffe - Aktionäre kritisieren Thyssens Cromme
ThyssenKrupp-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme hat auf einer von Buhrufen und Pfiffen begleiteten Hauptversammlung Fehler eingeräumt - Rücktrittsgedanken äußerte er nicht. "Wenn Sie mich fragen, ob wir als Aufsichtsrat in der Vergangenheit etwas hätten besser machen können, dann will ich ehrlich sagen: Ja, wir haben zu lange vertraut, wir hätten früher handeln können", rief Cromme den Aktionären zwar zu - aber er sprach auch von konsequentem Handeln. Der zum starken Mann bei dem kriselnden Stahlkonzern aufgestiegene Vorstandschef Heinrich Hiesinger stellte sich in Bochum hinter Cromme. Bereits unmittelbar im Anschluss an die Reden von Cromme und Hiesinger kam es zu Unruhe unter den Anteilseignern des Konzerns, der von Milliardenverlusten, Kartellverstößen und Luxusreisen auf Firmenkosten erschüttert wird.Laute Unmutsäußerungen erntete Cromme dafür, dass er den Antrag eines Aktionärs nicht zur Abstimmung brachte, ihn als Leiter der Versammlung abzulösen. "Sie sind zu einer neutralen Versammlungsleitung nicht fähig", hatte Aktionär Oliver Krauß Cromme vorgehalten. Jegliche Kritik perle an ihm ab, kritisierte er. Cromme sei "die größte Teflonpfanne der Republik".Aktionäre sind entsetztCromme steht seit 2001 an der Spitze des Kontrollgremiums. Einige Aktionäre hatten ihn aufgefordert, seinen Posten zu räumen. Sie machen ihn für das Debakel mit den neuen Stahlwerken in Übersee mitverantwortlich. Die Kosten für die Werke waren aufzwölf Milliarden Euro in die Höhe geschossen. Die Werke haben maßgeblich dazu beigetragen, dass ThyssenKrupp im vergangenen Geschäftsjahr einen Verlust von fünf Milliarden Euro eingefahren hat. Hiesinger bekräftigte, sie bis Ende September zu verkaufen. An dem europäischen Stahlgeschäft will er aber festhalten.Erstmals seit der Fusion von Thyssen und Krupp 1999 erhalten die Aktionäre keine Dividende. "Das ist ein Desaster", sagten mehrere Aktionärsschützer. "Die Aktionäre sind entsetzt von der Entwicklung ihres Unternehmens", klagte der Geschäftsführer der
Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW), Thomas Hechtfischer. Viele Probleme seien hausgemacht, kritisierte auch Hans-Christoph Hirt vom Aktionärsberater Hermes. Cromme sei dafür mitverantwortlich. "Sie haben für alles eine Ausrede. Das ist nur noch peinlich", polterte ein weiterer Anleger.Cromme gab sich von der bereits seit Wochen auf ihn einprasselnden Kritik unbeeindruckt. Er wies insbesondere den Vorwurf zurück, das alte Management bei den Stahlwerksplänen nicht ausreichend kontrolliert zu haben. "Wenn wir gefragt
haben, haben wir plausible Antworten bekommen." Eine Reihe von Annahmen und Kennzahlen hätten sich aber als deutlich zu optimistisch oder sogar als falsch erwiesen. Ein jüngstes Gutachten habe im Übrigen bestätigt, dass sich auch der Vorstand nicht unredlich verhalten habe und von ihm kein Schadenersatz gefordert werden müsse. "Im Nachhinein ist manches einfacher."Foto mit KonzernlegendeBereits vor seiner Rede hatte sich Cromme demonstrativ mit der 99-jährigen Konzernlegende Berthold Beitz von den Fotografen ablichten lassen. Beitz führt die Krupp-Stiftung, die gut 25 Prozent an dem Unternehmen mit 150.000 Mitarbeitern hält. Der Patriarch stützt Cromme und hat diesen zu seinem Wunschnachfolger an der Spitze der Stiftung ernannt. Sie kann drei Vertreter, darunter Cromme, direkt in den Aufsichtsrat entsenden. Kerzengerade stehend und mit fester Stimme sprach Cromme gleich zu Beginn des Treffens zu den Aktionären. Mitunter gereizt reagierte er später, wenn sich die Redner nicht an die Zeitvorgaben hielten. Mehr als 40 hatten sich zu Wort gemeldet.In seiner Rede holte Cromme auch zu einem Seitenhieb auf die Medien aus: "Da ist viel Kritik geäußert worden, teilweise zu Recht, bisweilen auch unberechtigt. Was in den Medien steht, ist letztlich nicht maßgeblich. Maßgeblich ist, was Sie auf der Hauptversammlung beschließen."Rückendeckung erhielt Cromme von Konzernchef Hiesinger. Der Aufsichtsrat mit Cromme an der Spitze habe den Wandel des Unternehmens eingeleitet, betonte er. Er habe für seinen Kurs immer die volle Rückendeckung vom Aufsichtsrat erhalten. "Ich
bin überzeugt, dass Vorstand und Aufsichtsrat von ThyssenKrupp das Unternehmen gemeinsam in eine erfolgreiche Zukunft führen können, wenn wir den kritischen, aber vertrauensvollen Dialog fortführen."Der seit zwei Jahren amtierende Hiesinger hat eine neue Führungskultur bei dem größten deutschen Stahlkonzern angekündigt. "Wir geben offen zu, vieles ist falsch gelaufen, vieles war nicht verhältnismäßig oder nicht mehr zeitgemäß." Er betonte, dass Kartellabsprachen und Korruption keine Mittel sein dürften, um Aufträge an Land zu ziehen. "Lieber verzichten wir auf ein Geschäft, als gegen Gesetze zu verstoßen." Dies müsse jeder Mitarbeiter begreifen. "Wer dabei nicht mitzieht, hat bei uns nichts zu suchen."
ThyssenKrupp in Zahlen
Der Industriekonzern ThyssenKrupp ist der größte deutsche Stahlhersteller. Das Unternehmen entstand 1999 aus der Fusionen der beiden Traditionsunternehmen Thyssen und Krupp. Neben Stahl gehören auch der Bau von großen Industrieanlagen, Marineschiffen, Aufzügen und Rolltreppen sowie Autoteilen zur Produktpalette.
Für das zurückliegenden Geschäftsjahr 2011/2012 (30. September) will das Unternehmen nach einem Verlust von fünf Milliarden Euro die Dividende streichen. Hintergrund sind milliardenschwere Fehlinvestitionen in Stahlwerke in Übersee. Bereits im Jahr zuvor hatte das Unternehmen wegen hoher Wertberichtigungen einen Verlust von 1,8 Milliarden Euro verbucht.
Der Umsatz des Konzerns war im vergangenen Geschäftsjahr um 4,2 Prozent auf 47,1 Milliarden Euro zurückgegangen. Darin enthalten sind jedoch noch die zum Verkauf gestellten Stahlwerke in Übersee und die mittlerweile abgegebene Edelstahlsparte Inoxum. Für das angelaufene Geschäftsjahr 2012/2013 rechnet der Konzern mit den fortgeführten Aktivitäten mit einem Umsatz auf dem Niveau des Vorjahres von rund 40 Milliarden Euro. ThyssenKrupp beschäftigt weltweit über 150.000 Mitarbeiter.
Der Industriekonzern ThyssenKrupp ist der größte deutsche Stahlhersteller. Das Unternehmen entstand 1999 aus der Fusionen der beiden Traditionsunternehmen Thyssen und Krupp. Neben Stahl gehören auch der Bau von großen Industrieanlagen, Marineschiffen, Aufzügen und Rolltreppen sowie Autoteilen zur Produktpalette.
Für das zurückliegenden Geschäftsjahr 2011/2012 (30. September) will das Unternehmen nach einem Verlust von fünf Milliarden Euro die Dividende streichen. Hintergrund sind milliardenschwere Fehlinvestitionen in Stahlwerke in Übersee. Bereits im Jahr zuvor hatte das Unternehmen wegen hoher Wertberichtigungen einen Verlust von 1,8 Milliarden Euro verbucht.
Der Umsatz des Konzerns war im vergangenen Geschäftsjahr um 4,2 Prozent auf 47,1 Milliarden Euro zurückgegangen. Darin enthalten sind jedoch noch die zum Verkauf gestellten Stahlwerke in Übersee und die mittlerweile abgegebene Edelstahlsparte Inoxum. Für das angelaufene Geschäftsjahr 2012/2013 rechnet der Konzern mit den fortgeführten Aktivitäten mit einem Umsatz auf dem Niveau des Vorjahres von rund 40 Milliarden Euro. ThyssenKrupp beschäftigt weltweit über 150.000 Mitarbeiter.



