- Mainz
- Aachen
- Angermünde
- Arkona
- Augsburg
- Bad Salzuflen
- Bamberg
- Berlin
- Bonn
- Braunschweig
- Bremen
- Bremerhaven
- Chemnitz
- Chieming
- Cottbus
- Cuxhaven
- Dortmund
- Dresden
- Düsseldorf
- Eisenach
- Emden
- Erfurt
- Essen
- Frankfurt/Main
- Freiburg
- Freudenstadt
- Garmisch-Partenkirchen
- Gera
- Gießen
- Glücksburg
- Görlitz
- Göttingen
- Greifswald
- Gütersloh
- Halle
- Hamburg
- Hannover
- Helgoland
- Hof
- Ingolstadt
- Kalkar
- Karlsruhe
- Kassel
- Kempten
- Kiel
- Köln
- Konstanz
- Landsberg
- Leipzig
- List/Sylt
- Lübeck
- Lüdenscheid
- Magdeburg
- Mannheim
- Mühldorf
- München
- Münster
- Neuburg/Donau
- Norderney
- Nürnberg
- Oberstdorf
- Öhringen
- Passau
- Plauen
- Potsdam
- Putbus
- Regensburg
- Rostock-Warnemünde
- Saarbrücken
- Schleswig
- Schwerin
- Seehausen
- Straubing
- Stuttgart
- Trier
- Ulm
- Waren
- Weiden
- Westermarkelsdorf
- Wiesbaden
- Wittenberg
- Würzburg
Bilanz am zweiten Jahrestag
"Die Muslimbrüder haben uns die Revolution geklaut"
BildTahrir-Platz in Ägypten
VideoDer Frust der Ägypter mit Mursi
VideoÄgyptische Revolution: Zweiter Jahrestag
InteraktivZDF-Geothek: Ägypten
Vor zwei Jahren begann in Ägypten der Aufstand. Was hat er gebracht? Statt Hosni Mubarak und seiner korrupten Clique regieren jetzt Mohammed Mursi und die Muslimbruderschaft. Das Land am Nil ist noch ein bisschen ärmer geworden, die soziale Ungleichheit größer. War die Revolution ein Fehler?
Julia Gerlach berichtet für heute.de aus der arabischen Welt
Sternmarsch zum Tahrir-Platz
Für den heutigen Freitag hatte die Opposition zu einem Sternmarsch zum Tahrir-Platz mobilisiert. Bis zum frühen Nachmittag hatten sich bereits mehrere tausend Menschen auf dem Platz versammelt. In Imailija im Norden Ägyptens steckten demonstranten die Zentrale der Muslimbrüder in Brand, berichten Korrespondenten.
Die Muslimbruderschaft rief zu Feierlichkeiten in einem anderen Stadtteil auf. Auseinandersetzungen zwischen Unterstützern und Gegnern des Präsidenten sollen unbedingt vermieden werden.
Am Samstag hingegen könnte es Ausschreitungen geben. Es wird das Urteil im Prozess um das Stadionmassaker von Port Said erwartet, bei dem im vergangenen Jahr 74 Fußballfans getötet wurden. Sollte nicht Todesstrafe verhängt werden, so drohten die radikalen Fans, wollten sie Ägypten anzünden. Es zwar mit der Vertagung des Urteils gerechnet, aber werden sich die gewaltbereiten Ultras dadurch besänftigen lassen?
Für den heutigen Freitag hatte die Opposition zu einem Sternmarsch zum Tahrir-Platz mobilisiert. Bis zum frühen Nachmittag hatten sich bereits mehrere tausend Menschen auf dem Platz versammelt. In Imailija im Norden Ägyptens steckten demonstranten die Zentrale der Muslimbrüder in Brand, berichten Korrespondenten.
Die Muslimbruderschaft rief zu Feierlichkeiten in einem anderen Stadtteil auf. Auseinandersetzungen zwischen Unterstützern und Gegnern des Präsidenten sollen unbedingt vermieden werden.
Am Samstag hingegen könnte es Ausschreitungen geben. Es wird das Urteil im Prozess um das Stadionmassaker von Port Said erwartet, bei dem im vergangenen Jahr 74 Fußballfans getötet wurden. Sollte nicht Todesstrafe verhängt werden, so drohten die radikalen Fans, wollten sie Ägypten anzünden. Es zwar mit der Vertagung des Urteils gerechnet, aber werden sich die gewaltbereiten Ultras dadurch besänftigen lassen?
Magere Bilanz, Zustimmung bleibtDie Bilanz nach zwei Jahren Revolution sieht also eher mager aus. Die zentralen Forderungen wurden nicht erfüllt. War es also ein Fehler, den Aufstand zu beginnen und Hosni Mubarak aus dem Amt zu jagen? Auch wenn einige inzwischen den "guten alten Zeiten" hinterhertrauern, würden die meisten Ägypter diese Frage wohl dennoch verneinen."Wir sind zwar in einer sehr schlechten Situation und die Muslimbrüder haben uns die Revolution geklaut. Dennoch war sie notwendig und richtig", sagt Jussria Gorab. Die Künstlerin und Sprayerin gehörte von Anfang an zu den Aktivisten der Revolution. Tatsächlich hat der Aufstand in den Köpfen der Ägypter viel bewegt: Die Menschen diskutieren jetzt über Politik. Sie kritisieren die Regierung, hinterfragen - und wenn ihnen etwas nicht passt, protestieren sie. "Demokratie ist etwas, das man lernen muss. Wir sind dabei, allerdings noch ziemlich am Anfang. Im Kindergarten, sozusagen", sagt Jussria Gorab. Sie will sich die Hoffnung nicht nehmen lassen, dass in Ägypten der Neuanfang gelingt: "Es wird aber noch lange dauern, sehr lange."
Die Akteure im Machtkampf in Ägypten
Mursi - Ägyptens "neuer Pharao"?
Mit der Ausweitung seiner Befugnisse hat Mohammed Mursi Protest heraufbeschworen. Im Juni angetreten mit dem Versprechen, "Präsident aller Ägypter" sein und die Ideale der Revolte gegen Machthaber Husni Mubarak verteidigen zu wollen, verfügte Mursi am 22. November, dass die von ihm "zum Schutz der Revolution getroffenen Entscheidungen" rechtlich nicht mehr angefochten werden können. Prompt handelte er sich den Vorwurf ein, er gebärde sich als Ägyptens "neuer Pharao". Seine Sondervollmachten hat Mursi angesichts massiver Proteste inzwischen rückgängig gemacht. Dennoch bleibt er in der Kritik.
Anhänger loben Mursis Pragmatismus, mit dem er sich auch als Vermittler zwischen Israel und der Hamas im Gazastreifen Anerkennung verdiente. Kritiker sehen ihn dagegen als bauernschlauen Apparatschik der Islamisten, der gezielt seine Stellung ausbaut, um die Einführung des islamischen Rechts der Scharia voranzutreiben und ein neues autokratisches System einzuführen.
Nach seiner Wahl versprach Mursi einen zivilen Staat, der alle politischen Strömungen, Frauen, Islamisten wie auch koptische Christen einbeziehe. Diskriminierung aufgrund von Religion, ethnischer Zugehörigkeit oder Geschlecht wolle er beenden.
Die Unterstützer Mursis
- Die 1928 gegründete Muslimbruderschaft ist die größte islamistische Bewegung Ägyptens. Sie hatte Mursi als Kandidaten für das Amt des Präsidenten aufgestellt. Angesichts der hierarchischen Struktur der Bewegung gehen ägyptische Beobachter davon aus, dass die Politik des Präsidenten vom Führungsgremium der Bruderschaft (Irschad-Büro) mitbestimmt wird.
- Die radikal-islamische Salafistenbewegung trägt den Kurs der Muslimbrüder weitgehend mit. Mit der Partei des Lichts waren die Salafisten im ersten Parlament nach dem Sturz von Präsident Mubarak die zweitstärkste Kraft. Sie erkennen die Regeln des Staates zum Teil nicht an und fordern die Einführung der Scharia in Ägypten. Die meisten Anhänger dieser Bewegung sind nicht gewaltbereit. Ein Teil der Salafisten ist jedoch militant und hat mit den demokratischen Spielregeln gar nichts am Hut. Vor allem auf der Sinai-Halbinsel entziehen sich die Salafisten immer mehr staatlicher Kontrolle.
- Viele Religionsgelehrte des Al-Azhar-Islam-Institutes. Die Verfassung räumt ihnen ein Mitspracherecht im Gesetzgebungsprozess ein.
Die Gegner Mursis
- Die traditionsreiche liberale Wafd-Partei hatte zunächst mit dem Gedanken gespielt, eine Allianz mit den Muslimbrüdern zu bilden. Davon ist sie aber inzwischen abgekommen.
- Die neu gegründete Partei der Freien Ägypter stellt sich strikt gegen jeden Versuch einer weiteren Islamisierung des Staates.
- Mehrere unterlegene Präsidentschaftskandidaten haben sich jetzt zusammengeschlossen, um eine gemeinsame Front gegen die Machtausweitung der Islamisten zu bilden. Zu ihnen gehören der frühere Generalsekretär der Arabischen Liga, Amre Mussa, der vor allem bei der Jugend und den Sozialisten beliebte linke Aktivist Hamdien Sabahi und Friedensnobelpreisträger Mohammed el Baradei, der seine Kandidatur vor der Wahl zurückgezogen hatte.
- Einige Anhänger von Abdel Moneim Abul Futuh, einem moderaten Islamisten, der aus der Muslimbruderschaft ausgeschlossen worden war.
- Die Mehrheit der Richter, ein Teil der Mitglieder der Journalistengewerkschaft, die Gewerkschaft der Mitarbeiter der Filmindustrie sowie mehrere Gruppen junger Revolutionsaktivisten.
(Quelle: dpa, afp)



