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Pferdefleisch-Skandal

Discounter finden Pferd in Gulasch, Tortelloni und Ravioli

  • Video Immer mehr Pferdefleisch nachgewiesen
  • Video EU für europaweite Fleisch-Gentests
  • Video Der Weg des Fleisches
  • VideoImmer mehr Pferdefleisch nachgewiesen

    Im Pferdefleisch-Skandal sind auch bei Aldi und Lidl falsch deklarierte Fertiggerichte entdeckt worden. Europaweit sollen nun Gentests durchgeführt werden. Zudem gibt es ein schnelleres Testverfahren.

    (15.02.2013)
    VideoEU für europaweite Fleisch-Gentests

    Die britische Polizei hat drei Männer festgenommen, die Pferdefleisch als Rindfleisch ettiketiert haben sollen. Gegen Betrug wollen die EU-Staaten nun europaweite Fleisch-Gentests auf den Weg bringen.

    (15.02.2013)
    VideoDer Weg des Fleisches

    Lebensmittelbetrug scheint umso leichter je mehr Wege die Nahrung zurücklegt. Manchmal um die halbe Welt. Abgesehen von dem ökologischen Irrsinn, stellt sich daneben auch das Problem der Kontrolle.

    (14.02.2013)

    Aldi, Lidl, Tengelmann: Falsch deklariertes Pferdefleisch steckt auch in Tortelloni, Gulasch und Ravioli führender Discounter. Ständig gibt es neue Analyse-Ergebnisse. Hunderttausende Packungen werden vernichtet. 

    Der Pferdefleisch-Skandal betrifft viel mehr Firmen und Fertiggerichte als bisher angenommen. Der Lebensmittel-Discounter Aldi Süd nahm am Freitag zwei Fertiggerichte aus den Regalen, der Konkurrent Lidl zog ein Nudelgericht aus dem Verkehr.

    Links
    "Auch billiges Fleisch muss gut sein"
    Bei den betroffenen Aldi-Produkten handele es sich um "Ravioli, 800 g Dose (Sorte Bolognese)" und um "Gulasch, 450 g Dose (Sorte Rind)", der allerdings nur in Nordrhein-Westfalen verkauft wurde. Der Verkaufsstopp erfolge vorsorglich auf Bitten der Lieferanten. Nach aktueller Sachlage bestehe kein gesundheitliches Risiko für die Verbraucher. Kunden könnten die betroffenen Produkte in den Filialen von Aldi Süd gegen Erstattung des Kaufpreises zurückgegeben.

    Aldi-Süd-Sprecherin Kirsten Geß teilte heute.de auf Anfrage mit, dass die Unternehmensgruppe bereits bei Bekanntwerden der ersten Verdachtsfälle falsch deklarierter Produkte die in Frage kommenden Artikel hinsichtlich der Zusammensetzung des Fleisches überprüfen ließ.

    Lidl stoppt Tortelloni

    Auch der Discounter Lidl hatte in Deutschland wegen des Pferdefleisch-Skandals den Verkauf von Nudelprodukten gestoppt. Lidl habe das Produkt "Tortelloni Rindfleisch" der Eigenmarke Combino aus den Regalen genommen, teilte das Unternehmen auf Anfrage von heute.de mit. Bei dem Produkt handele es sich um Ware des Herstellers Gusto GmbH - einem Unternehmen, das zum renommierten Produzenten Hilcona gehöre. Bei Lidl in Österreich war darin Pferdefleisch gefunden worden. "Es ist nicht ausgeschlossen, dass wir noch weitere Proben mit Pferdefleisch entdecken", sagte der Sprecher des österreichischen Gesundheitsministeriums, Fabian Fußeis, nach dem Fund bei Lidl.

    Das Nudelgericht stammt nach Angaben von Lidl und des Gesundheitsministeriums in Wien von der deutschen Firma Gusto GmbH. Damit bekommt der Skandal eine neue Dimension: Bisher stammte die falsch deklarierte Ware mit Pferdehack von französischen Produzenten. Bei Gusto war niemand für eine Stellungnahme erreichbar. Der Handel nimmt derweil Hunderttausende Packungen Lasagne aus den Tiefkühltruhen. Die Ware wird vernichtet. 

    Auch Kaiser's Tengelmann, Real und Edeka

    Zuvor hatten die Metro-Tochter Real und die Supermarktkette Edeka bereits Fertiggerichte mit Pferdefleisch entdeckt, die nur Rindfleisch enthalten sollten. Die Supermarktkette Kaiser's Tengelmann geht davon aus, dass auch ihre Lasagne der Eigenmarke A&P Pferdefleisch enthält. Der französische Hersteller Comigel habe seine Kunden offiziell informiert, dass unabhängige Labore in Fertiggerichten aus seiner Produktion Pferdefleisch entdeckt hätten. Eigene Testergebnisse lägen noch nicht vor, erklärte Kaiser's Tengelmann. Das Handelsunternehmen Konsum Leipzig nahm seine "Lasagne Bolognese Gut&Günstig" aus den Tiefkühltruhen seiner etwa 70 Filialen.

    Foodwatch

    "Auch für umsonst muss Fleisch gut sein"

    Lasagne für 1,99 Euro kann nichts sein? Von wegen, so die Verbraucherrechtsorganisation Foodwatch. Sogar, wenn Supermärkte Fleisch verschenkten, müsse es gut sein, sagt Foodwatch-Sprecher Wolfschmidt.

    Die EU-Staaten wollen bei der Fahndung nach falsch deklariertem Pferdefleisch nun Gentests machen. Darauf einigten sich am Freitag Vertreter der 27 Staaten in Brüssel. Die EU-Kommission übernimmt teilweise die Kosten der Untersuchungen, die bis spätestens Ende März abgeschlossen sein sollen. Bis dahin sollen die nationalen Behörden 2.250 Rindfleischprodukte testen. Auf jedes Land entfallen dabei zwischen 10 und 150 Gen-Proben.

    Verdacht: Illegal geschlachtete Pferde
    Branchenkenner äußerten den Verdacht, dass illegal geschlachtete Pferde im Hackfleisch landeten. «Wir können uns nicht vorstellen, dass Pferdefleisch zu einem Bruchteil des Preises für Rind legal gehandelt wird», sagte der Sprecher des Deutschen Fleischer-Verbands (DFV), Gero Jentzsch. Weil der Markt für Pferdefleisch so klein ist, können allerdings weder der DFV noch die Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) in Bonn einen genauen Preis für Pferdefleisch nennen.

    110.000 Tonnen Pferdefleisch

    Es ist nicht so, dass Menschen nicht durchaus freiwillig Pferdefleisch essen. Laut EU-Kommission essen die Europäer jährlich wissentlich 110.000 Tonnen Pferd, 70.000 Tonnen davon aus heimischer Zucht.


    Die Affäre um falsch deklariertes Pferdefleisch zieht inzwischen Kreise in ganz Europa. Die französische Regierung hat offenbar einen Schuldigen identifiziert: Die französische Firma Spanghero habe gewusst, dass sie Pferdefleisch als Rindfleisch verkauft. Spanghero hatte das Fleisch nach Angaben der Regierung in Paris im Wissen um dessen Bestandteile aus Rumänien bezogen und die französische Firma Comigel in Metz beliefert, die europaweit zahlreiche Fertigprodukte verkauft. Spanghero wurde mit sofortiger Wirkung die Zulassung zur Fleischverarbeitung entzogen.

    Nach Angaben französischer Ermittler soll der Comigel rund 4,5 Millionen Fertiggerichte mit falsch deklariertem Pferdefleisch der Firma Spanghero hergestellt haben, die dann an mindestens 28 Unternehmen in 13 europäischen Ländern verkauft wurden.

    15.02.2013, Quelle: dpa, reuters, afp
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