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Gesundheits-Apps
"Dr. Smartphone" auf dem Prüfstand
BildTrendig: Sport mit Smartphone
Nicht jeder geht mit einem Schnupfen gleich zum Arzt. Viele fragen vorher lieber "Dr. Smartphone". Gesundheits-Apps boomen. Doch nicht allen kann man trauen, sagen Verbraucherschützer. Bewertungsportale und Gütesiegel sollen für mehr Klarheit sorgen.
Ob Sehtest, Fitnesstraining oder Blutdruckmessung – für alles gibt es eine App. Allein bei "Google Play", dem offiziellen Download-Portal für Android-Apps, findet man in den Bereichen Medizin, Fitness und Gesundheit mehr als 21.000 dieser kleinen Helfer. Sie wollen Smartphones und Tablet-PCs zu digitalen Therapeuten, Fitnesstrainern oder Ärzten machen.Apps für chronisch Kranke gut geeignetSolche Apps seien besonders für chronisch Kranke nützlich, meint der IT-Branchenverband Bitkom. Wer unter Diabetes oder Bluthochdruck leidet, muss regelmäßig bestimmte Körperwerte messen und sich an einen strengen Therapieplan halten. Gesundheits-Apps können den Patienten unterstützen. Sie erinnern ihn daran, seine Medikamente einzunehmen und speichern seine Werte. "Jedes Messeergebnis kann kommentiert werden", so der Bitkom. "Das hilft, Schwankungen zu begründen und entsprechend gegenzusteuern."
Alfred Krüger schreibt für heute.de über Netzwelt-Themen
Quelle: Alfred Krüger
Quelle: Alfred Krüger
Auch auf die Bewertungen und Kommentare, die Nutzer auf den großen Download-Portalen zu jeder App abgeben können, sei vielfach kein Verlass, sagt Ursula Kramer, Gründerin der Freiburger Initiative Präventionspartner. Man könne ihnen meist nicht ansehen, ob sie echt seien oder ob es dem Bewerter nur darum gehe, Meinung gegen ein Konkurrenzprodukt zu machen.Kein Wunder also, dass Verbraucherschützer zur Vorsicht bei der Nutzung von Gesundheits-Apps raten. "Jede App ist nur so schlau wie ihr Benutzer", sagt Regina Behrendt von der Verbraucherzentrale NRW.. Man sollte sich deshalb immer fragen, ob Informationen etwa zur Wirkungsweise eines Medikaments neutral und vollständig sind. Im Zweifel sollte man sich auch bei einem simplen Schnupfen besser von einem Arzt oder in der nächsten Apotheke beraten zu lassen.Testberichte auf "App-Check"
Ähnliches gilt für viele Fitness- und Diät-Apps. "Wer sich mit seinem Fitness- oder Abnehmprogramm nicht sicher ist, sollte vorher den Hausarzt oder einen Ernährungsberater konsultieren", rät Behrendt. "Wer langfristig das falsche Training absolviert, schadet nicht nur seinem Körper, sondern untergräbt auch seine eigene Motivation, wenn die gewünschten Erfolge ausbleiben", sagt die Verbraucherschützerin.Um Nutzern im Dschungel der Gesundheits-Apps künftig eine bessere Orientierung zu geben, hat das Bochumer ZTG eine Bewertungsplattform für Apps entwickelt. Ein Prototyp steht unter dem Namen " App-Check" seit November 2012 im Netz. Die Zahl der geprüften Apps ist allerdings noch sehr gering. Erst fünfzehn Testberichte können online eingesehen werden. "Weitere Berichte sind in Arbeit", verspricht Beyer.Ehrenkodex für App-Anbieter
Ursula Kramer von der Initiative Präventionspartner sieht solche Portale kritisch. "Bei der Vielzahl der Apps ist die Prüfung jeder einzelnen App praktisch unmöglich", meint Kramer. Sie setzt stattdessen auf eine freiwillige Selbstverpflichtung der App-Anbieter und hat zusammen mit der Bremer Apollon Hochschule der Gesundheitswirtschaft(6) einen Ehrenkodex für Gesundheits-Apps entwickelt.Anhand eines Online-Formular sollen App-Anbieter ihre Produkte künftig eigenhändig überprüfen. Wer die Bedingungen erfüllt, kann seine App mit einem kostenfreien Siegel schmücken. Ob sich das Angebot durchsetzt und zu mehr Transparenz auf dem App-Markt führt, bleibt abzuwarten. Der freiwillige Test ist seit September letzten Jahres online und wurde seitdem erst von zehn Anbietern genutzt.



