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Probleme beim Boeing-Flieger

Dreamliner muss am Boden bleiben

  • Video Startverbot für Dreamliner
  • Video "Boeing muss Lösung für Problem finden"
  • Bilderserie Überflieger mit Verspätung
  • VideoStartverbot für Dreamliner

    Boeings Vorzeigeflieger "Dreamliner" darf nach einer Reihe von Pannen vorerst nicht mehr abheben.

    (17.01.2013)
    Video"Boeing muss Lösung für Problem finden"

    "Boeing hat risikoreiche Entscheidungen bei der Konzeption des 787 getroffen, die jetzt Schwachstellen darstellen," so Luftfahrtexperte Andreas Späth im ZDF heute journal.

    (17.01.2013)
    BilderserieÜberflieger mit Verspätung
    Boing 787
    (16.01.2013)

    Boeings Prestigeflieger darf vorerst nicht mehr abheben - und zwar weltweit. Europa, Japan, Indien und Chile schlossen sich der US-Luftfahrtbehörde an, die ein Flugverbot für den Dreamliner verhängt hatte. Grund: Eine Batterie könnte Brände auslösen. 

    Wegen brennender Batterien an Bord verhängte die US-Luftfahrtbehörde FAA ein Flugverbot für den Dreamliner von Boeing und ordnete eine Untersuchung an. Die Aufsichtsbehörden in Japan, Europa, Indien und Chile folgten der Entscheidung. Das könnte nach Angaben des japanischen Batterieherstellers Wochen dauern. Ein weltweites Flugverbot sei "sehr selten", sagte ein Sprecher der Europäischen Agentur für Flugsicherheit EASA in Köln. In Europa besitzt bislang nur die polnische LOT zwei Dreamliner.

    Der Entscheidung vorausgegangen war die Notlandung eines Dreamliners in Japan, nachdem eine Batterie geschmort hatte. Die beiden japanischen Fluglinien All Nippon Airways und Japan Airlines hatten vorerst alle Flüge mit dem Langstreckenjet gestrichen. In der Vorwoche hatte eine Batterie eines am Boden stehenden Dreamliners in Boston gebrannt. Zudem war der Flieger wegen zwei Treibstofflecks, einem Kabelproblem, einer Bremsstörung und einem zersprungenen Cockpit-Fenster in die Schlagzeilen geraten.

    Boeing

    Charts und weitere Info
    Aktie gibt nach

    Bislang hat Boeing 50 Dreamliner ausgeliefert, die Hälfte davon ging nach Japan. In den USA fliegt bislang nur United Airlines das Modell und ist entsprechend von der FAA-Anordnung betroffen. Demnach dürfen die sechs Maschinen erst dann wieder abheben, wenn die Fluggesellschaft gegenüber der Luftfahrtbehörde nachgewiesen hat, dass die Batterien sicher sind.

    Laut Analysten ist es das erste Mal seit 1979, dass Sicherheitsbehörden weltweit in dieser Weise gegen einen US-Flugzeugbauer vorgehen. Die Boeing-Aktie gab nach. Die Probleme bei Boeing könnten den Wettbewerb mit Airbus beeinflussen. Die EADS-Tochter hatte vor rund einem Jahr mit ähnlichen Schwierigkeiten zu kämpfen. Damals ließen ein Triebwerksbrand sowie Haarrisse an den Tragflächen das Vertrauen in den Riesenflieger A380 schwinden.

    Wer Dreamliner fliegt

    Von den knapp 800 Bestellungen hat der US-Hersteller Boeing bislang 50 Dreamliner ausgeliefert. Für diese Gesellschaften sind sie unterwegs:

    - All Nippon Airways (Japan): 17
    - Japan Airlines: 7
    - Air India: 6
    - United Airlines (USA): 6
    - Qatar Airways: 5
    - Ethiopian Airlines (Äthiopien): 4
    - LAN Airlines (Chile): 3
    - LOT (Polen): 2

    Flieger braucht viel Strom

    Die FAA will nun mit Boeing und den Fluggesellschaften zusammenarbeiten, um schnellstmöglich eine Lösung für das Batterieproblem zu finden. Das könnte aber nicht ganz einfach werden: Das hochmoderne Flugzeug ist mehr noch als ältere Modelle auf Strom angewiesen. Viele hydraulische Systeme wurden durch Computersteuerungen ersetzt.

    Bei den Batterien handelt es sich nach FAA-Angaben um Lithium-Ionen-Akkus. Dieser Typ wird auch in Handys, Digitalkameras oder Notebooks eingesetzt, weil er auf kleinem Raum viel Strom speichern und lange halten kann. Jedoch gab es auch bei diesen Elektronikgeräten immer wieder Fälle brennender oder schmorender Batterien.

    Hersteller der Dreamliner-Batterien ist das japanische  Unternehmen GS Yuasa. Die  Elektronik mit den dann integrierten  Batterien liefert der französische Konzern Thales. GS Yuasa schickte jetzt drei Ingenieure zur notgelandeten Maschine  nach Takamatsu. Eine Sprecherin sagte, noch sei unklar, ob die  Batterie selbst oder die Elektronik für die Probleme verantwortlich sei. Es sei unmöglich zu sagen, wie lange die Untersuchung dauern werde, es könne sich um "Tage oder Wochen" handeln.

    Die Pannenserie beim Dreamliner 
    • Juli 2012

      Bei einem Test einer 787-Maschine in South Carolina wird ein von General Electric hergestelltes Triebwerk bei einem Ausfall teilweise zerstört. GE leitet eine Überprüfung der Turbinen in die Wege.

    • 4. Dezember 2012

      Eine United Airlines-787 mit 184 Menschen an Bord muss in New Orleans wegen Problemen mit der Elektrik notlanden.

    • 5. Dezember 2012

      Die US-Behörden ordnen wegen möglicher Lecks in den Treibstoffleitungen die Inspektion der Langstreckenflugzeuge an.

    • Dezember 2012

      Die arabische Qatar Airways und die US-Gesellschaft United entdecken erneut Probleme mit der Elektrik.

    • 7. Januar 2013

      Am Bostoner Flughafen bricht nach einer Batterie-Explosion ein Brand in einer geparkten 787 von Japan Airlines (JAL) aus.

    • 8. Januar 2013

      Eine weitere 787 von Japan Airlines muss wegen eines Lecks am Treibstofftank in Boston den Start abbrechen.

    • 9. Januar 2013

      All Nippon Airways (ANA) streicht einen Flug mit dem Dreamliner wegen Problemen mit den Bremsen.

    • 11. Januar 2013

      ANA meldet neue Probleme bei zwei 787-Maschinen: einen Riss im Cockpit-Fenster sowie ein Ölleck im Triebwerk. Die US-Luftfahrtbehörde FAA leitet eine umfassende Untersuchung ein.

    • 16. Januar 2013

      Eine 787-Maschine der ANA muss in Japan wegen Rauchentwicklung im Cockpit notlanden. ANA und JAL entscheiden, vorerst alle Dreamliner am Boden zu lassen und zu überprüfen.

    Cockpit: Gefährliche Vorfälle

    Jörg Handwerg, der Sprecher der Vereinigung Cockpit, erklärte, die meisten kleineren Pannen beim Dreamliner seien ganz normale Kinderkrankheiten, wie es sie bei allen neuen Fliegern gebe. Den Batteriebrand und die Rauchentwicklung allerdings seine sehr gefährliche Vorfälle, die genau untersucht werden müssten.

    Boeing bekommt jetzt jedenfalls Zeit, den Problemen auf den Grund zu gehen. Japans Vize-Transportminister Hiroshi Kajiyama teilte mit, es sei noch unklar, wie lange der Dreamliner am Boden gehalten werde. Der Luftfahrtsprecher der indischen Regierung nannte ebenfalls kein Datum, wann der Dreamliner wieder abheben darf. Die europäische Behörde EASA erklärte, man schließe sich den Amerikanern an. In Europa operiert bisher nur die polnische LOT mit Dreamliners.

    In Deutschland betreibt bislang keine einzige Fluggesellschaft den Dreamliner. Air Berlin hat aber 15 Stück bestellt. TUI Travel will 13 Maschinen abnehmen. Insgesamt liegen Boeing rund 800 Bestellungen für die jeweils etwa 200 Millionen Dollar teuren Flieger vor. Der Chef von Boeing, Jim NcNerney, äußerte sich optimistisch: "Wir  haben Vertrauen in die Tatsache, dass die 787 sicher ist."

    17.01.2013, Quelle: reuters, dpa
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