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Fischereipolitik

EU-Parlament will Fischbestände retten

  • Bild Fischerboot auf hoher See
  • Video "Das ist revolutionär"
  • BildFischerboot auf hoher See
    Fischerboot / Quelle: imago
    (Quelle: imago)
    Video"Das ist revolutionär"

    "Das ist revolutionär, was wir da gemacht haben", sagt die Ulrike Rodust, SPD-Abgeordnete im EU-Parlament, nachdem dort ein Stopp der Überfischung in EU-Gewässern durchgesetzt worden ist.

    (06.02.2013)

    In der Europäischen Union soll der Überfischung der Meere ein Ende gesetzt werden. Darauf zielt eine Neuregelung ab, die das Europaparlament in erster Lesung verabschiedete. Die Fangquoten für 2015 sollen so reduziert werden, dass der Bestand der Arten gesichert ist und sich bedrohte Fischbestände bis 2020 erholen. 

    Mit großer Mehrheit sprachen sich die EU-Parlamentarier in Straßburg für eine Vorlage aus, die die Fangquoten verringert und den Rückwurf von Beifang schrittweise verringert. So will das Parlament dazu beitragen, dass die Überfischung beendet und die bedrohten Arten geschützt werden.

    Tote Fische ins Wasser

    Derzeit würden jährlich rund 1,9 Millionen Tonnen Fische - die dann zumeist schon tot seien - ins Wasser zurückgeworfen, erläuterte die Berichterstatterin, die SPD-Abgeordnete Ulrike Rodust. Dies seien fast 40 Prozent des gesamten Fangs. Grund für diese Praxis seien zumeist restriktive Quoten: Wenn ein Fischer beispielsweise eine Fangerlaubnis nur für Seezungen habe, dürfe er andere Arten nicht an Land bringen. Außerdem würden die zurückgeworfenen Fische nicht auf die Quoten der einzelnen Fangschiffe angerechnet, was die Fischereibetriebe zu der "moralisch und ethisch" verwerflichen Verschwendung ermutige.

    Für Rodust ist es ein "historischer Tag für unsere Meere". Mit dem Abstimmungsergebnis sei sichergestellt, "dass es eine ehrgeizige Reform der Fischereipolitik geben kann". Die Reform soll ab 2014 in Kraft treten. Nach Kommissionsangaben sind fast 70 Prozent der Fischbestände in der EU zur Zeit überfischt.

    Zuckerbrot und Peitsche

    Den Fischern soll dem Entwurf zufolge bei der Umstellung geholfen werden - etwa mit Zuschüssen für selektivere Netze. Bei Zuwiderhandlung drohen ihnen harte Sanktionen, beispielsweise die Streichung von EU-Zuschüssen für mehrere Jahre. "Dies gilt für den einzelnen Fischer, aber auch für Mitgliedstaaten als ganzes", sagte Rodust.

    Die EU-Kommissarin für Fischereipolitik, Maria Damanaki, begrüßte die breite Zustimmung des Parlaments. Die Reform werde endlich eine nachhaltige Fischereipraxis gewährleisten. Das Europaparlament stimmte außerdem für eine Überarbeitung der Fischereiabkommen, die die EU vor allem mit Entwicklungsländern abgeschlossen hat. Auch in den Gewässern dieser Länder darf die EU künftig nicht mehr zur Überfischung beitragen.

    Nächste Station Ministerrat

    Die Vorlage geht nun an den Ministerrat, in dem die 27 EU-Staaten vertreten sind. Das Europaparlament hat dank des Reformvertrags von Lissabon erstmals ein Mitentscheidungsrecht bei der Fischereipolitik. Parlament und Rat müssen sich daher auf einen Kompromiss einigen. Sie hoffe, dass dies bis Mitte des Jahres gelingen werde, sagte Rodust.

    Nach Angaben der EU-Kommission gibt es in der EU rund 140.000 Fischer, die mit ihren rund 85.000 Schiffen jährlich an die 5,1 Millionen Tonnen Fisch fangen. Die Beschäftigten in der fischverarbeitenden Industrie beziffert die Brüsseler Behörde auf rund 120.000. Rund 70 Prozent der in der EU verzehrten Fische stammen allerdings aus Drittländern.

    06.02.2013, Quelle: AFP
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