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23.05.2013

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Fossil oder alternativ?

Energiewende: Kampf der Interessen

  • Bild Kohlekraftwerk in Datteln
  • Video Erdgasförderung mit giftiger Chemie
  • Video Energiewende zum Nachteil der Kommunen?
  • Video Heftiger Gegenwind für Strompreisbremse
  • BildKohlekraftwerk in Datteln
    Kohlekraftwerk in Datteln / Quelle: dpa
    (Quelle: dpa)
    VideoErdgasförderung mit giftiger Chemie

    In Niedersachsen schlummern riesige Erdgasvorräte. Gefördert werden soll mit "Fracking". Ein Verfahren, das Chemikalienin den Boden presst und so zur Gefahr für das Grundwasser werden könnte.

    (14.12.2012)
    VideoEnergiewende zum Nachteil der Kommunen?

    Viele kommunale Energieversorger sehen sich im Nachteil: Speist zu viel Öko-Strom die Netze, müssen sie den Betrieb drosseln. In Leipzig könnte dies bald die Fernwärmeversorgung der Bürger gefährden.

    (06.02.2013)
    VideoHeftiger Gegenwind für Strompreisbremse

    Seit Bundesumweltminister Peter Altmaier die Strompreisbremse präsentierte, kriselt es gewaltig. Gegenwind bekommt er von allen Seiten: Von der Opposition, von der Koalition und aus der Union selbst.

    (04.02.2013)

     von Michael Braun

    Der Umweltminister will die Energiewende retten. Doch der Markt hat seine eigenen Gesetze: Fossile Brennstoffe könnten wieder Boden gewinnen. Ideologie, Ökonomie und reiner Pragmatismus kämpfen um die Zukunft. 

    Paderborn will Strom. Aber aus Wind. Nicht aus dem Erdgas, das unter dem Kreisgebiet vermutet wird. Das aber will der amerikanische Fracking-Spezialist BNK Petroleum erschließen. "Wir spüren großen Druck", heißt es in Paderborn, wo man sich etwa Sorgen macht um die Aabach-Talsperre, die rund 250.000 Menschen mit Trinkwasser versorgt.

    Auch in Deutschland rückt "Fracking" näher

    Michael Braun schreibt für heute.de über Wirtschaftsthemen.

    Gegen den Willen des Paderborner Landrates hat das Oberbergamt Arnsberg BNK die Konzessionen fast für das gesamte Kreisgebiet erteilt. Bald könnten Probebohrungen beginnen. Und das, obwohl die Landesregierung in Düsseldorf "Fracking" verboten hatte, also das Herausbrechen von Gas aus Gestein, unter hohem Druck und auch mit vielen Chemikalien.

    Fracking ist also nicht nur in Amerika ein Thema, wo man sich Hoffnung macht, Saudi-Arabien in der Ölproduktion zu übertrumpfen und Russland als größten Gasproduzenten der Welt abzulösen. Schon mutmaßt Analyst Jürgen Meyer von SEB Asset Management: "Als Idealist wünsche ich sie mir zwar, aber als Realist gehe ich davon aus, dass über den billigen Preis jegliche Anstrengungen, eine alternative Energieerzeugung aufzubauen, für Jahrzehnte gestört werden."

    Mehr Strom aus Wind, Kohle und Gas - aber sinkender Verbrauch

    Es gibt immer mehr sauberen Strom. Sein Anteil am Brutto-Inlandsstromverbrauch stieg in den vergangenen zehn Jahren von acht auf 23 Prozent im Jahr 2012. Zugleich hat der Stromverbrauch abgenommen, weil gespart wird und die Nachfrage wegen einer schwächeren Konjunktur abgenommen hat. 2010 wurden 541,1 Milliarden Kilowattstunden in Deutschland verbraucht, ein Jahr später 535,2 Milliarden Kilowattstunden. 2012 sank der Stromverbrauch um zwei Prozent.

    Links
    Die Welt im Gasrausch

    Das alles hat auf die Großhandels-Strompreise gedrückt. Davon kommt zwar beim Verbraucher nichts an, weil den alternativen Stromerzeugern feste Preise garantiert sind. Das müssen über die Umlage nach dem Erneuerbare Energien-Gesetz die Stromkunden bezahlen. Aber an der Leipziger Strombörse sind die Strompreise seit 2008 von einem Monatsdurchschnitt von 70 Euro je Megawattstunden auf aktuell etwa 40 Euro je Megawattstunde gefallen. Außerdem hat amerikanisches "Fracking-Gas" Kohle verdrängt. Deshalb ist der Preis für Kohle weltweit gesunken.

    Preisverfall bei Verschmutzungsrechten

    Und mit ihm der Preis für das Recht, CO2 zu emittieren. Bei der Einführung des Handels mit Verschmutzungsrechten im Jahr 2005 waren Experten von 20 bis 30 Euro je Tonne CO2 ausgegangen.
    Ebbe im Klimafonds

    Die billiger gewordenen Verschmutzungsrechte treffen auch den Energie- und Klimafonds der Bundesregierung. Mit 3,3 Milliarden Euro hatte sie dieses Jahr gerechnet, gespeist vor allem aus den Erlösen der CO2-Emissionsrechte.

    Nun droht ein Einnahmeausfall von 1,2 bis 1,4 Milliarden Euro. Aus dem Fonds sollen wichtige Energiewendeprojekt mitfinanziert werden, etwa die energetische Gebäudesanierungen, Speicherprojekte für Ökostrom und die Elektromobilität.

    Unlängst waren es mal weniger als drei Euro – keine gute Nachricht für den Bundeshaushalt.

    Das macht es leicht, Strom aus Kohle zu gewinnen. Beim Windstrom wachsen die Schwierigkeiten. Denn wenn nach zuletzt starken Winden viel Strom im Norden anfällt, fehlen Speichermöglichkeiten und Stromleitungen, um ihn zu bunkern oder in die Verbrauchszentren im Süden der Republik zu schaffen. Die Netzbetreiber schalten Umwege über west- und osteuropäische Nachbarländer. Dort müssen dann zuweilen Kraftwerke abgeschaltet werden, um die Netze nicht zu überlasten – was die Versorgung in den jeweiligen Umwegländern unsicher macht. Die wehren sich. Schon haben polnische Netzbetreiber sogenannte "Phasenschieber" bestellt, um den deutschen Windstrom außen vor lassen zu können.

    Die Folgen von Fracking ...

    ... für die Windkraft

    Die Windkraftbranche wächst zwar noch, will dieses Jahr 2.900 Megawatt Leistung neu installieren nach 2.439 Megawatt im Jahr 2012. Aber in Turbinenfabriken wie beim dänischen Marktführer Vestas liegen Kapazitäten brach. Produziert werden könnten, so Experten, weltweit Turbinen mit 80 Gigawatt Gesamtleistung. Doch dürften es dieses Jahr nur 40 Gigawatt werden. Der Grund: Die Konkurrenz des billigen Erdgases in Amerika und der billigen Kohle in Osteuropa. Auch sonst erlebt die Branche herbe Rückschläge: So verschiebt der österreichische Baukonzern Strabag seine Investitionen in eine Fabrik für Schwerkraftfundamente von Offshore-Windrändern. Mehrere Hundert Millionen Euro werden erst einmal nicht in Cuxhaven investiert.

    ... für den Krisengewinnler RWE

    RWE hat im Moment den Vorteil, dass seine Braunkohlekraftwerke mit niedrigen Kosten für Emissionsrechte sehr rentabel arbeiten. Derzeit kommen knapp 52 Prozent des von RWE produzierten Stroms aus Braunkohlekraftwerken. In den ersten neun Monaten des vergangenen  Jahres – aktuellere Zahlen gibt es noch nicht - hat RWE zwar etwas weniger Strom verkauft, dennoch etwas besser verdient. Das muss nicht so bleiben.

    ... für den Mitbewerber e.on

    e.on will dem Unheil auf dem Heimatmarkt mit Wachstum in der Türkei und in Brasilen begegnen, will also in boomenden Schwellenländern sein Heil suchen. Denn bisher basiert die Stromerzeugungskapazität bei e.on zu 45,7 Prozent auf Gaskraftwerken und nur zu 27 Prozent auf Kohle, noch dazu auf Steinkohle, die teurer zu beschaffen ist als die Braunkohle aus den hauseigenen Tagebauen der RWE. e.on muss für das Gas genauso viel bezahlen, wie es für den daraus gewonnen Strom derzeit bekommt. "Zu diesen Bedingungen lassen sich Gaskraftwerke nicht betreiben", sagte e.on-Chef Teyssen kürzlich in einer Telefonkonferenz. Er denkt an vorübergehende oder gar endgültige Stilllegung.

    Auch die Vernichtung von Strom kostet Geld

    Doch wenn sich der Strom in Deutschland staut, müssen Windkraftanlagen abgeschaltet werden. Gleichwohl muss der deutsche Netzbetreiber den theoretisch erzeugten Windstrom bezahlen, obwohl er ihn nicht abnehmen und verkaufen kann. Das holt sich der Netzbetreiber vom Stromkunden wieder. Der bezahlt also für Erzeugung und Vernichtung, für nichts.

    Glücklich ist damit im Moment niemand. In der Windkraftbranche liegen Kapazitäten brach. Die Kohlekraftwerke bei RWE laufen zwar. Für die Umwelt ist das aber die schlechteste Nachricht. Die Gaskraftwerke von e.on rentieren nicht mehr. "Derzeit läuft leider sehr vieles gegen die großen Versorger", meint Mario Kristl, der für die DZ Bank die Bonität von e.on, RWE & Co. ständig im Auge hat. Eine Besserung sieht er vorerst nicht: "Es wird noch eine längere Durststrecke bleiben." Und Stefan Mütze, Branchenanalyst bei der Helaba, sagt, für die klassischen Versorger sei es "auf absehbare Zeit kaum möglich, das Ertragsniveau vor der Energiewende wieder zu erreichen." Dabei galten sie als "sichere Bank" an der Börse, als "Witwen- und Waisenaktien" mit wenig Risiko, wenig Kursbewegung, aber solidem Ertrag. Das scheint vorbei.

    10.02.2013
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