Erst Schanzenrekord, dann ein Turbo-Rennen: Eric Frenzel hat bei der Nordischen Ski-WM in Val di Fiemme die erste Goldmedaille für das deutsche Team geholt. Der nordische Kombinierer brachte seinen Vorsprung aus dem Springen am Vormittag in der 10-km-Loipe souverän ins Ziel. Neuer Skisprungweltmeister auf der Großschanze ist Kamil Stoch (Polen). Richard Freitag auf Platz 6 war bester Deutscher.
Zweiter in der Nordischen Kombination wurde der Österreicher Bernhard Gruber, der den Sprint der Verfolger vor Jason Lamy Chappuis (Frankreich) gewann.
Erik Frenzel: Malysz' Schanzenrekord geknackt ...
Quelle: dpa
Malysz' Schanzenrekord gebrochenFrenzel feierte in der Loipe einen beeindruckenden Start-Ziel-Erfolg. «Ein großartiger Erfolg. Es ist großartig, was Eric geleistet hat», freute sich Bundestrainer Hermann Weinbuch mit dem alten und neuen Weltmeister, der schon nach dem Springen geführt hatte. «Es war einfach nur herrlich. Ich bin überwältigt», sagte Frenzel, für den die WM am vorigen Freitag mit Platz vier von der Normalschanze enttäuschend begonnen hatte.
Den Grundstein hatte Frenzel mit einem phänomenalen Flug gelegt. Er flog auf die Schanzenrekord-Weite von 138,5 Meter und übertraf damit die zehn Jahre alte Bestmarke von Polens Skisprung-Legende Adam Malysz (136 m) deutlich. "Auf diesen Sprung habe ich lange gewartet. Die Ausgansposition ist sehr gut", sagte Frenzel vor dem Gang in die Loipe. Pech hatte dagegen Tino Edelmann: Der WM-Zweite von 2011 segelte bei Aufwind auf 132,5 Meter, stürzte nach der Landung, blieb aber unverletzt.
... und in der Loipe dann auf und davon.
Quelle: dpa
Vorsprung vergrößertFrenzel ging mit einem Vorsprung von 14 Sekunden auf den ärgsten Verfolger Gruber in die Loipe. Dort hielt der Oberwiesenthaler die Konkurrenz mit einem einsamen Lauf souverän in Schach, nach fünf von zehn Kilometern lag er schon 50 Sekunden vor einer Verfolgergruppe. "Ich glaube, die haben aufgegeben. Die lassen den Eric ziehen", sagte Weinbuch kurz vor dem Ziel.
ZITAT
„Es war einfach nur herrlich.”
Eric Frenzel
Die anderen deutschen Kombinierer konnten nicht in die Entscheidung um die Medaillen eingreifen. Johannes Rydzek machte gegenüber dem Springen fünf Plätze gut und beendete den Wettbewerb als Zehnter. Björn Kircheisen, WM-Dritter im Wettbewerb von der Normalschanze, belegte Rang 14. Tino Edelmann trat nach dem Sturz beim Springen nicht mehr zum Langlauf an.
Vier unter den besten 13Beim Spezialspringen von der großen Schanze legte das DSV-Quartett eine starke Mannschaftsleistung hin, ging aber leer aus. Richard Freitag landete nach Sprüngen auf 129,0 und 128,5 Meter mit 280,4 Punkten auf Rang sechs. Severin Freund wurde Neunter, Andreas Wank Elfter, und Michael Neumayer Dreizehnter. WM-Gold ersprang der Pole Kamil Stoch mit Sätzen auf 131,5 und 130,0 Meter und 295,8 Punkten. Silber sicherte sich der Slowene Peter Prevc vor Anders Jacobsen aus Norwegen.
"Natürlich bin ich enttäuscht. Es ist uns nicht gelungen, einen einzigen Sportler an den Start zu bringen, der mit den allerbesten mitschweben kann. Das ist eine ernüchternde Erkenntnis", sagte Bundestrainer Werner Schuster in der ARD und kündigte an: "Das werden wir nach der WM aufarbeiten müssen. Aber wir haben nicht versagt."
Kamil Stoch
Quelle: dpa
MitfavorisiertNach den Trainingseindrücken hatten die Deutschen mit zu den großen Favoriten gehört. Und zumindest Freitag hielt im ersten Versuch, was man erwarten konnte. 129 Meter bedeuteten Platz fünf und eine hervorragende Angriffsposition für das Finale, zumal Silber nur 2,2 Punkte entfernt lag.
Im zweiten Durchgang pokerte Schuster, verringerte Freitags Anlauflänge um zwei Luken. Die 128,5 Meter waren solide, aber eben zu wenig, da die vor ihm Platzierten sich keine Blöße gaben und teilweise weiter flogen.
"Nicht gut genug""Wir waren einfach nicht gut genug, wenn ich mir die Punkte betrachte, die zum Podium fehlen", sagte Freitag. Zu Platz drei waren es bei ihm knapp neun Punkte. Die Anlaufverkürzung sei aber die richtige Entscheidung gewesen.
Severin Freund vergab alle Chancen schon im ersten Versuch, der ihn nur auf 126,5 Meter und Platz 13 brachte. Am Ende kam er zwar noch bis auf Platz neun nach vorn, zufrieden war er damit aber nicht. "Es ist total blöd, wenn man bei einer WM ein gutes Mannschaftergebnis bringt, aber keine Medaille hat", sagte der Bayer.
Am Samstag soll's klappenAndreas Wank fiel vom sechsten auf den elften Platz zurück. Bei Michael Neumayer spielten einmal mehr die niedrigen Haltungsnoten eine entscheidende Rolle. So blieb nur Rang 13. "Ich bin nicht unzufrieden", sagte der Berchtesgadener knapp und blickte schon voraus: "Am Samstag ist der wichtigste Wettkampf der WM."
Im Teamwettbewerb soll die erhoffte zweite WM-Medaille nach Bronze im Mixed-Wettkampf kommen. Die vier Springer, die das Einzel bestritten, tragen dann wieder die deutschen Hoffnungen. Berechtigte Hoffnung, denn: Alle vier Springer hat am Donnerstag keine andere Nation unter die besten 13 gebracht.