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Evangelische Pastorin

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    (24.12.2012)

    Der Star der evangelischen Kirche

    Sie ist eine der populärsten Persönlichkeiten der evangelischen Kirche: Margot Käßmann. Sie war Bischöfin und die erste Frau an der EKD-Spitze, heute wirbt sie als Luther-Botschafterin für das Reformationsjubiläum 2017. Schicksalsschläge und persönliche Fehler schadeten ihrer Popularität nicht - im Gegenteil. 

    Als erste Frau wurde Käßmann Ende Oktober 2009 zur Vorsitzenden des Rats der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) gewählt. Nach nicht einmal vier Monaten musste sie dieses Amt wieder aufgeben: Am 20. Februar 2010 überfuhr sie mit dem Auto eine rote Ampel, war dabei alkoholisiert, mit 1,54 Promille im Blut. Vier Tage später trat Käßmann von ihren kirchlichen Ämtern zurück und bereute öffentlich ihren "schweren Fehler".

    Die heute 54-Jährige wurde am 3. Juli 1958 in Marburg an der Lahn geboren. Sie studierte in Tübingen, Edinburgh, Marburg und Göttingen Theologie und wurde 1985 in der evangelischen Kirche Kurhessen-Waldeck zur Pfarrerin ordiniert. Ihre 1989 veröffentlichte Doktorarbeit hatte das Thema "Armut und Reichtum als Anfrage an die Einheit der Kirche". Von 1990 bis 1992 war sie im kirchlichen Entwicklungsdienst tätig, danach als Studienleiterin an der evangelischen Akademie Hofgeismar. 1994 wurde sie Generalsekretärin des Deutschen Evangelischen Kirchtages.


    Bischöfin mit 41

    Fünf Jahre später wurde Käßmann im Alter von 41 Jahren zur Bischöfin der größten evangelische Landeskirche in Hannover gewählt. Sie war die zweite Bischöfin überhaupt in Deutschland und nutzte ihr Amt auch für politische Äußerungen. Sie meldete sich als Befürworterin von Mindestlöhnen zu Wort, trat gegen Kampfeinsätze der Bundeswehr ein und forderte frühzeitig die Abschaffung der Wehrpflicht. Sie stritt für mehr Bildungschancen für Migrantenkinder, verlangte aber auch ein Kopftuchverbot für Beamtinnen. 2001 eröffnete sie in Hannover eine der umstrittenen Babyklappen. Als 2008 ein vor der Klappe abgelegtes Neugeborenes erfror, zelebrierte sie persönlich den Trauergottesdienst für den kleinen "Mose".

    Margot Käßmann ist Mutter vierer Töchter. Im August 2007 wurde sie nach 26 Ehejahren von dem Pastor Eckhard Käßmann geschieden. Für die evangelische Kirche in Deutschland war auch die Bischofs-Scheidung eine Premiere. Im Jahr zuvor hatte Käßmann ihr Bischofsamt wegen einer Brustkrebsoperation zwei Monate lang nicht ausüben können. Erfahrungen mit Krankheit und Scheidung verarbeitete die Bischöfin später in Büchern, die die Bestseller-Listen stürmten.

    Rücktritt macht Käßmann noch populärer

    Der schnelle Rücktritt als EKD-Vorsitzende schmälerte Käßmanns Popularität nicht, er galt im Gegenteil bald als beispielhaft. Die Pastorin Käßmann zog sich nur kurz aus der Öffentlichkeit zurück. Vier Monate war sie Gastprofessorin in den USA, schrieb dort in einem Internet-Tagebuch für ihr deutsches Publikum. Nach ihrer Rückkehr zog sie nach Berlin. Zum aktuellen Amt als Botschafterin für die Reformation passt Käßmanns Popularität durchaus. Schon Martin Luther folgte bei der Bibelübersetzung dem Motto: Dem Volk aufs Maul schauen.

    24.12.2012, Quelle: dapd
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