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Energiewende 2013
"Es wird nicht dunkel, aber teurer"
BildEnergiewende ohne Blackout?
VideoOffshore-Kosten: "Hinters Licht geführt"
VideoWer profitiert vom Netzausbau?
InfografikStrom-Mix in Deutschland
Der Präsident der Bundesnetzagentur, Jochen Homann, rechnet nicht mit dem großen Stromausfall in Deutschland - geht aber davon aus, dass der Strom durch den Ausbau der Netze teurer wird: "Das muss ja finanziert werden", so Homann in einem Interview.
Trotz der angespannten Netzsituation rechnet der Präsident der Bundesnetzagentur, Jochen Homann, in diesem Winter nicht mit einem Blackout in Deutschland. "Ich bin zuversichtlich, dass wir unter halbwegs vorhersehbaren Bedingungen diesen und auch den nächsten Winter ohne Blackout überstehen können", sagte er der Nachrichtenagentur dapd.Netzentgelte werden steigenDie Netzbetreiber hätten vor dem Winter auch für extreme Wettersituationen Vorsorge getroffen. Allerdings schränkte Homann ein, eine Garantie für die Netzstabilität könne niemand geben. "Ganz außergewöhnliche Ereignisse" seien in den Prognosen natürlich nicht vorgesehen.Gleichzeitig stimmte der Behördenchef die Verbraucher darauf ein, dass Strom noch teurer werden könnte. "Die Netzentgelte werden auch in Zukunft noch weiter steigen. Es stehen ja erhebliche Investitionen in die Energiewende und konkret in den Netzausbau an. Diese müssen finanziert werden."
So steht´s um die Energiewende
So wird Strom erzeugt
Die Kohle ist mit einem Anteil von 44 Prozent am Stromenergiemix der derzeit mit Abstand wichtigste Energieträger bei der Stromerzeugung. Braunkohle hat einen Anteil von 25 Prozent, Steinkohle von 18 Prozent. Erdgaskraftwerke erzeugen 14 Prozent des Stroms, auf sonstige Energieträger entfällt ein Anteil von fünf Prozent.
Die erneuerbaren Energien haben im vergangenen Jahr nach Angaben des Bundesverbands Energie und Wasserwirtschaft mit einem Anteil von 20 Prozent an der Stromerzeugung den Stromausstoss deutscher Kernkraftwerke (18 Prozent) überflügelt. Inzwischen ist der Anteil der erneuerbaren Energien sogar auf ein Viertel gestiegen. Wichtigster Energieträger ist der Wind mit einem Gesamtanteil von acht Prozent, gefolgt von Wasser (fünf Prozent), Biomasse und Sonne (jeweils drei Prozent).
Das will die Bundesregierung
Erneuerbare Rohstoffe, wie Sonne, Wasser und Wind sollen bis zum Jahr 2050 mehr als die Hälfte der benötigten Energie erzeugen. Bis zum Jahr 2028 soll der Anteil bei 28 Prozent liegen. Parallel dazu erfolgt der Ausstieg aus der Atomenergie, den Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) jüngst als "unumkehrbar" bezeichnete. Im Jahr 2022 soll das letzte Kernkraftwerk vom Netz gehen, ohne dass es zu Stromengpässen kommt.
Die Regierung hat einen Katalog mit über 180 Maßnahmen vorgelegt. Dabei geht es nicht nur um neue Kraftwerke, sondern auch um mehr Effizienz. Einer Studie des Fraunhofer Instituts zufolge kann der Energiebedarf in der EU bis 2050 um zwei Drittel gesenkt werden. Altmaier setzt dabei vor allem auf Information: Bis 2020 soll jedem Bundesbürger eine kostenlose Energieberatung angeboten werden können.
Was bisher geschah
Nach dem Reaktorunglück von Fukushima im März 2011 machte die Bundesregierung die Kehrtwende und beschloss den Ausstieg aus der Kernkraft. Im Sommer 2011 fasste sie die Beschlüsse zur beschleunigten Energiewende.
Gleichzeitig senkte der Bund die Förderung für große Solarparks um bis zu 30 Prozent. Für größere Dachanlagen (10 bis 40 Kilowatt) ist die Förderung dagegen auf 18,50 Cent je Kilowattstunde angehoben worden. Hier hat sich die Opposition im Vermittlungsausschuss durchsetzen können.
Im Weiteren wird zum Jahreswechsel die Umlage auf das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) um fast 50 Prozent auf 5,28 Cent je Kilowattstunde angehoben. Kritiker bemängeln die Umlage als ungerecht, weil große Stromverbraucher davon befreit sind.
Das kostet die Energiewende
Die Schätzungen, wie teuer die Energiewende wird, gehen weit auseinander. Die Bundesregierung sieht einen Investitionsbedarf in Höhe von 550 Milliarden Euro bis 2050. Dabei schlagen allein die Kosten für den Bau neuer Stromautobahnen mit etwa 40 Milliarden Euro zu Buche. Den Löwenanteil sollen aber die energetischen Sanierungskosten von Häusern verschlingen. Hier rechnet die Regierung mit einem Bedarf 300 Milliarden Euro.
Die Strompreise dürften weiter steigen, obwohl der Verband der Elektrotechnik (VDE) vorrechnet, dass gerade mal ein Anstieg um zehn Prozent bis 2050 nötig wäre. Die Erklärung: Brennstoffe wie Kohle oder Gas werden immer teurer. Wind und Sonne gibt es quasi gratis. Und die Technologie, aus diesen Trägern Energie zu erzeugen, sei im Preis stetig gesunken.
Die größten Probleme
Mit großen Stromtrassen soll dem ersten großen Problem beigekommen werden: Wie kann Strom in ausreichendem Maße vom Produktionsort zu den Verbrauchsstellen transportiert werden? Vor allem die Windenergie wird weiter an Bedeutung gewinnen. Die Windanlagen liegen meist an und vor der Küste, verbraucht wird der Strom weiter südlich.
Das zweite Problem: Wenn Flaute herrscht und es dunkel ist, wird dennoch Strom verbraucht. Die Lagerung wirft große Probleme auf. Einige Stromversorger liebäugeln sogar wieder mit der eigentlich veralteten Technik der Nachtspeicheröfen.
Bürgerinitiativen wehren sich zudem gegen eine "Verspargelung der Landschaft". Sie wollen nicht neben Windkraftanlagen oder Stromtrassen wohnen. Die Bereitschaft der Menschen, bei der Energiewende mitzumachen, ist schwer zu wecken.
(Autor: Jan-Ole Kraksdorf)
Auch im Interesse der Netzstabilität seien Nachbesserungen am Gesetz nötig, sagte Homann. Die Regelungen müssten so verändert werden, dass nicht mehr einfach Anlagen errichtet werden könnten, ohne darauf zu achten, ob der Strom transportiert werden kann.
Links
Energiewende für Bürger
Offen ließ der Experte, ob das deutsche Stromnetz je wieder so stabil sein wird wie vor der Energiewende. "Das muss das Ziel sein", sagte Homann. Doch werde das Stromnetz der Zukunft viel komplexer sein als das der Vergangenheit, weil sehr viel mehr Strom dezentral, lastfern und sehr viel volatiler eingespeist werde. "Natürlich wird so ein Netz mit wachsender Komplexität auch ein Stück weit anfälliger. Dies lässt sich nicht wegdiskutieren", sagte Homann. Keinen Zweifel hat der Behördenchef, dass das letzte Kernkraftwerk in Deutschland 2022 abgeschaltet wird. "Das ist der am besten gesicherte Teil der Energiewende", sagte Homann. "Ich kann mir weit und breit keine politische Konstellation vorstellen, die den Ausstieg aus der Kernenergie und den Zeitplan, der damit verbunden ist, infrage stellt."



