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merkzettel

Vergewaltigung in Indien

"Eva ärgern" ist in Neu-Delhi Alltag

  • Video Indien: Verhandlung gegen Vergewaltiger
  • Video Das etwas andere Gesicht Indiens
  • Video Regierung zum Handeln gezwungen
  • Video Indien: Vergewaltigungsopfer gestorben
  • VideoIndien: Verhandlung gegen Vergewaltiger

    Ganz Indien blickt auf den Prozess gegen die mutmaßlichen Vergewaltiger einer 23-Jährigen, Demonstranten fordern mehr Gerechtigkeit für Frauen. Denn noch immer ist für viele Inder das Belästigen von Frauen nur ein Kavaliersdelikt. Es gibt sogar einen eigenen Begriff dafür: "Eva ärgern".

    (03.01.2012)
    VideoDas etwas andere Gesicht Indiens

    Indiens Hauptstadt Delhi ist noch immer erschüttert vom Tod der vergewaltigten Studentin. Stephan Hallmann berichtet, dass solch brutale Übergriffe in den ländlichen Regionen Indiens kaum vorstellbar sind.

    (03.01.2013)
    VideoRegierung zum Handeln gezwungen

    Nach der Vergewaltigung mit Todesfolge finden nun die Verhandlungen gegen die Täter statt. Laut ZDF-Korrespondent Stephan Hallmann zwinge nun die öffentliche Meinung die Regierung zum Handeln.

    (03.01.2013)
    VideoIndien: Vergewaltigungsopfer gestorben

    Vor fast zwei Wochen war eine 23-Jährige in Neu Delhi von sechs Männern in einem Bus vergewaltigt und misshandelt worden und kämpfte seitdem ums Überleben. Nun ist die junge Frau tot.

    (29.12.2012)

    Anklage gegen mutmaßliche Vergewaltiger in Indien

    Knapp eine Woche nach dem Tod der brutal vergewaltigten jungen Inderin in Neu Delhi sind fünf der sechs mutmaßlichen Täter wegen Mordes angeklagt worden. Ihnen droht die Todesstrafe. 

    Seit heute ist der Prozess gegen die mutmaßlichen Vergewaltiger einer 23-jährigen Inderin eröffnet. Fünf der mutmaßlichen Vergewaltiger sind angeklagt worden.
    Tradition gegen Moderne
    Inderin mit zugeklebten Mund / Quelle: ap

    Der tägliche Kampf der Frauen

    Die Gruppenvergewaltigung in Delhi hat das ganze Land erschüttert. Der Kampf zwischen Tradition und Moderne führt regelmäßig zu "menschlichen Erdbeben". Einen Erklärungsversuch lesen sie hier.

    Sie müssen sich wegen Mordes, Entführung und Vergewaltigung verantworten. Die Beschuldigten waren nicht im Gerichtssaal anwesend. Bei einer Verurteilung droht ihnen die Todesstrafe. Was mit dem minderjährigen sechsten Verdächtigen geschieht, ist noch unklar. Bei einer ersten Anhörung soll auch der Polizeibericht zu der Tat vorgestellt werden, aus dem indische Medien zitierten. Danach versuchte die Gruppe offenbar, das mittlerweile verstorbene Opfer nach der in einem Bus begangenen Tat zu überfahren.

    Täter wollten Frau überfahren

    Lokalzeitungen und TV-Sender berichteten unter Berufung auf den tausendseitigen Polizeibericht, dass der Begleiter der 23-Jährigen seine Freundin gerade noch rechtzeitig wegziehen konnte, als er sah, wie der Bus wendete, um sie offenbar zu überrollen. Der junge Mann wurde demnach mit seiner Freundin nach der Gruppenvergewaltigung aus dem Bus geworfen, nachdem dem Paar zuvor noch die Kleider vom Leib gerissen worden seien, berichtete "The Indian Express".


    Die Frau war Mitte Dezember in Neu Delhi von sechs Männern vergewaltigt und misshandelt worden. Auch ihr Freund wurde schwer verletzt. Die Inderin starb am frühen Samstagmorgen in einem Krankenhaus in Singapur an den Folgen des Angriffs. Den fünf  Männern droht bei einer Verurteilung wegen Mordes die Todesstrafe.

    Frau fügte Männern Bisswunden zu

    Bei einem weiteren mutmaßlichen Täter, der 17 Jahre alt sein soll, müssten erst Untersuchungen abgewartet werden, um sein wahres Alter zu bestimmen, sagte ein Polizeivertreter. Sollten Knochentests seine Minderjährigkeit bestätigen, kommt er vor ein Jugendgericht.

    Gewalt und Vergewaltigungen in Indien

    Mord

    Die offizielle Mordrate lag 2010 in Indien bei 3,4 Fälle pro 100.000 Menschen. Dies ist im internationalen Vergleich eher niedrig und entspricht der Mordrate in Schottland (3,3) oder Belgien (3,0). In Deutschland liegt die Mordrate mit 1,8 pro 100.000 Einwohnern allerdings nur halb so hoch. Selbst die Mega-City Mumbai, mit 18,4 Millionen Einwohnern eine der größten Städte der Welt, hatte 2008 eine Mordrate von 1,3 pro 100.000 Einwohner, die damit ähnlich niedrig lag wie in Berlin (1,8) und niedriger als die von Helsinki (2,8).

    Körperverletzung

    Die Rate bei Körperverletzungen liegt in Indien im internationalen Vergleich eher sehr niedrig. Mit 23,9 Fällen pro 100.000 Einwohnern in 2008 rangiert Indien noch hinter Japan mit einer Rate von 47,4. Deutlich mehr Körperverletzungen gibt es in den USA mit 276,6 Fällen pro 100.000 Einwohnern.

    Entführung

    Entführungen sind in Indien etwa so häufig wie in vielen Industrieländern. Die Rate ist seit 2005 kontinuierlich angestiegen und lag 2010 bei 3,1 Fälle pro 100.000 Einwohner. In Deutschland betrug die Rate im selben Jahr 2,1, in der Schweiz hingegen 4,0, in Kanada sogar 12,7.

    Vergewaltigung

    Für 2011 weist das indische innenministerium eine Vergewaltigungsrate von 2,0 Fällen pro 100.000 Einwohnern aus. Dies deckt sich mit den Zahlen des UNO. Von Frauenrechtlerinnen der "All India Democratic Women’s Association" wird allerdings geschätzt, dass nur jede zehnte Vergewaltigung in Indien angezeigt wird. Zum Vergleich: In Deutschland liegt die Rate bei 9,4 Fällen von Vergewaltigung pro 100.000 Einwohnern, in Südafrika, dem weltweiten Spitzenreiter bei Vergewaltigungen, liegt die Rate bei 120 Fällen pro 100.000 Einwohnern, bei einer Dunkelziffer, die zehn Mal so hoch geschätzt wird.

    Grundlagen der Zahlenwerte

    Die hier zitierten statistischen Zahlen entstammen den Berichten des United Nations Office on Drugs and Crime (UNODC) und dem National Crime Records Bureau (NCRB) des indischen Innenministeriums und sind frei im Internet abrufbar. Sie basieren auf den der Polizei gemeldeten Fällen. Die neuesten verfügbaren Werte stammen aus dem Jahr 2010. Zur besseren Vergleichbarkeit wurden jedoch auch Zahlen aus dem Jahr 2008 verwendet, wenn keine neueren zur Verfügung standen.


    Wie "The Times of India" berichtete, fügte die Frau ihren Peinigern während des Angriffs Bisswunden zu, um sich zu befreien. Diese Verletzungen sowie Blut, Sperma und Haare bilden der Polizei und den Medien zufolge gemeinsam mit der Aussage des Freundes der Inderin die Hauptbeweislast. Der Fahrer muss sich zudem wegen Verschwindens von Beweismitteln verantworten, da er nach der Tat  die Kleider der Frau verbrannt sowie versucht haben soll, den Bus gründlich zu reinigen.

    Es findet sich kein Verteidiger
    Links
    Was läuft falsch in Indien?
    Indien trauert und protestiert
    UNO verurteilt Vergewaltigung
    Die Anklageschrift dürfte mit Details darüber beginnen, wie der Fahrer des privaten Fahrzeugs seine Freunde zu einer Spritztour überredet haben soll, berichtete "The Times of India". Der Fahrer soll sich ebenfalls an der Gruppenvergewaltigung beteiligt haben. Ein Mitglied der Anwaltskammer des Hauptstadtbezirks Saket sagte, dass die dort zugelassenen Anwälte sich weigerten, die Beschuldigten zu verteidigen. Keiner der 2.500 bei dem zuständigen Gericht registrierten Verteidiger sei dazu bereit, da es "unmoralisch" sei, diesen Fall zu übernehmen, sagte Sanjay Kumar. Die Regierung muss in diesem Fall Pflichtverteidiger bestimmen.

    Am Mittwoch gingen in Neu Delhi erneut hunderte Menschen auf die Straßen, sprachen Gebete für die Frau und zündeten Kerzen an. Der Staatssekretär für Bildung, Shashi Tharoor, schlug unterdessen vor,  ein geplantes Gesetz zu schärferen Strafen für Sexualverbrechen nach ihr zu benennen. Voraussetzung sei, dass die Familie einverstanden sei, schrieb er über den Internetdienst Twitter. Der Name des Opfers ist bislang unbekannt. Sexuelle Gewalt gegen Frauen ist in Indien weit verbreitet. Aus Furcht vor einer Stigmatisierung der Familien wird die Identität der Opfer meist geheim gehalten, viele Taten werden nicht angezeigt.

    03.01.2013, Quelle: dpa, afp
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