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Vergewaltigung in Indien
"Eva ärgern" ist in Neu-Delhi Alltag
VideoIndien: Verhandlung gegen Vergewaltiger
VideoDas etwas andere Gesicht Indiens
VideoRegierung zum Handeln gezwungen
VideoIndien: Vergewaltigungsopfer gestorben
Anklage gegen mutmaßliche Vergewaltiger in Indien
Knapp eine Woche nach dem Tod der brutal vergewaltigten jungen Inderin in Neu Delhi sind fünf der sechs mutmaßlichen Täter wegen Mordes angeklagt worden. Ihnen droht die Todesstrafe.
Seit heute ist der Prozess gegen die mutmaßlichen Vergewaltiger einer 23-jährigen Inderin eröffnet. Fünf der mutmaßlichen Vergewaltiger sind angeklagt worden.
Tradition gegen Moderne
Die Gruppenvergewaltigung in Delhi hat das ganze Land erschüttert. Der Kampf zwischen Tradition und Moderne führt regelmäßig zu "menschlichen Erdbeben". Einen Erklärungsversuch lesen sie
hier.
Die Gruppenvergewaltigung in Delhi hat das ganze Land erschüttert. Der Kampf zwischen Tradition und Moderne führt regelmäßig zu "menschlichen Erdbeben". Einen Erklärungsversuch lesen sie hier.
Die Frau war Mitte Dezember in Neu Delhi von sechs Männern vergewaltigt und misshandelt worden. Auch ihr Freund wurde schwer verletzt. Die Inderin starb am frühen Samstagmorgen in einem Krankenhaus in Singapur an den Folgen des Angriffs. Den fünf Männern droht bei einer Verurteilung wegen Mordes die Todesstrafe.Frau fügte Männern Bisswunden zuBei einem weiteren mutmaßlichen Täter, der 17 Jahre alt sein soll, müssten erst Untersuchungen abgewartet werden, um sein wahres Alter zu bestimmen, sagte ein Polizeivertreter. Sollten Knochentests seine Minderjährigkeit bestätigen, kommt er vor ein Jugendgericht.
Gewalt und Vergewaltigungen in Indien
Mord
Die offizielle Mordrate lag 2010 in Indien bei 3,4 Fälle pro 100.000 Menschen. Dies ist im internationalen Vergleich eher niedrig und entspricht der Mordrate in Schottland (3,3) oder Belgien (3,0). In Deutschland liegt die Mordrate mit 1,8 pro 100.000 Einwohnern allerdings nur halb so hoch. Selbst die Mega-City Mumbai, mit 18,4 Millionen Einwohnern eine der größten Städte der Welt, hatte 2008 eine Mordrate von 1,3 pro 100.000 Einwohner, die damit ähnlich niedrig lag wie in Berlin (1,8) und niedriger als die von Helsinki (2,8).
Körperverletzung
Die Rate bei Körperverletzungen liegt in Indien im internationalen Vergleich eher sehr niedrig. Mit 23,9 Fällen pro 100.000 Einwohnern in 2008 rangiert Indien noch hinter Japan mit einer Rate von 47,4. Deutlich mehr Körperverletzungen gibt es in den USA mit 276,6 Fällen pro 100.000 Einwohnern.
Entführung
Entführungen sind in Indien etwa so häufig wie in vielen Industrieländern. Die Rate ist seit 2005 kontinuierlich angestiegen und lag 2010 bei 3,1 Fälle pro 100.000 Einwohner. In Deutschland betrug die Rate im selben Jahr 2,1, in der Schweiz hingegen 4,0, in Kanada sogar 12,7.
Vergewaltigung
Für 2011 weist das indische innenministerium eine Vergewaltigungsrate von 2,0 Fällen pro 100.000 Einwohnern aus. Dies deckt sich mit den Zahlen des UNO. Von Frauenrechtlerinnen der "All India Democratic Women’s Association" wird allerdings geschätzt, dass nur jede zehnte Vergewaltigung in Indien angezeigt wird. Zum Vergleich: In Deutschland liegt die Rate bei 9,4 Fällen von Vergewaltigung pro 100.000 Einwohnern, in Südafrika, dem weltweiten Spitzenreiter bei Vergewaltigungen, liegt die Rate bei 120 Fällen pro 100.000 Einwohnern, bei einer Dunkelziffer, die zehn Mal so hoch geschätzt wird.
Grundlagen der Zahlenwerte
Die hier zitierten statistischen Zahlen entstammen den Berichten des United Nations Office on Drugs and Crime (UNODC) und dem National Crime Records Bureau (NCRB) des indischen Innenministeriums und sind frei im Internet abrufbar. Sie basieren auf den der Polizei gemeldeten Fällen. Die neuesten verfügbaren Werte stammen aus dem Jahr 2010. Zur besseren Vergleichbarkeit wurden jedoch auch Zahlen aus dem Jahr 2008 verwendet, wenn keine neueren zur Verfügung standen.
Wie "The Times of India" berichtete, fügte die Frau ihren Peinigern während des Angriffs Bisswunden zu, um sich zu befreien. Diese Verletzungen sowie Blut, Sperma und Haare bilden der Polizei und den Medien zufolge gemeinsam mit der Aussage des Freundes der Inderin die Hauptbeweislast. Der Fahrer muss sich zudem wegen Verschwindens von Beweismitteln verantworten, da er nach der Tat die Kleider der Frau verbrannt sowie versucht haben soll, den Bus gründlich zu reinigen.Es findet sich kein Verteidiger
Die Anklageschrift dürfte mit Details darüber beginnen, wie der Fahrer des privaten Fahrzeugs seine Freunde zu einer Spritztour überredet haben soll, berichtete "The Times of India". Der Fahrer soll sich ebenfalls an der Gruppenvergewaltigung beteiligt haben. Ein Mitglied der Anwaltskammer des Hauptstadtbezirks Saket sagte, dass die dort zugelassenen Anwälte sich weigerten, die Beschuldigten zu verteidigen. Keiner der 2.500 bei dem zuständigen Gericht registrierten Verteidiger sei dazu bereit, da es "unmoralisch" sei, diesen Fall zu übernehmen, sagte Sanjay Kumar. Die Regierung muss in diesem Fall Pflichtverteidiger bestimmen.Am Mittwoch gingen in Neu Delhi erneut hunderte Menschen auf die Straßen, sprachen Gebete für die Frau und zündeten Kerzen an. Der Staatssekretär für Bildung, Shashi Tharoor, schlug unterdessen vor, ein geplantes Gesetz zu schärferen Strafen für Sexualverbrechen nach ihr zu benennen. Voraussetzung sei, dass die Familie einverstanden sei, schrieb er über den Internetdienst Twitter. Der Name des Opfers ist bislang unbekannt. Sexuelle Gewalt gegen Frauen ist in Indien weit verbreitet. Aus Furcht vor einer Stigmatisierung der Familien wird die Identität der Opfer meist geheim gehalten, viele Taten werden nicht angezeigt.



