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Wahl der Aufsichtsräte
Experten fordern: Kompetenz statt Kumpanei
BildViele Old Boys, kaum Frauen
VideoVI Krach um die Frauenquote
VideoPolitiker in Aufsichtsräten
Auch in der Wirtschaft wird 2013 ein Superwahljahr. Ein Drittel aller Kapitalvertreter in den Aufsichtsräten der DAX30-Konzerne wird neu gewählt. Aktionärsschützer fordern ein Ende der Kumpanei und mehr Kompetenz in den Kontrollgremien.
"Das ist für mich ein klassisches Beispiel für zu große Vertrauensseligkeit", sagt Klaus Nieding zu den kürzlich bekannt gewordenen Milliardenverlusten des Stahlriesen ThyssenKrupp. "Folgt man der Unternehmensdarstellung, dann haben die Vorstände die Aufsichtsräte nicht richtig informiert. Aber hätten die Aufsichtsräte nicht von sich aus ihre Informationsrechte einfordern müssen?" fragt der Vizepräsident der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW) im Gespräch mit heute.de.Beißhemmung bei zu viel Nähe
Klaus Nieding
Quelle: privat
Quelle: privat
Konkrete Beispiele solcher Kumpanei nennt Nieding zwar nicht. Aber die Studie macht deutlich, dass das "Old Boys Network" noch funktioniert. So leitet Deutschlands mächtigster Aufsichtsrat Manfred Schneider nicht nur drei Kontrollgremien von DAX-Unternehmen, sondern weitere acht Ausschüsse. Die erste Frau in diesem Ranking findet sich erst auf Platz 26."Der Aufsichtsrat ist so zusammenzusetzen, dass seine Mitglieder insgesamt über die zur ordnungsgemäßen Wahrnehmung der Aufgaben erforderlichen Kenntnisse, Fähigkeiten und fachlichen Erfahrungen verfügen," heißt im Deutschen Corporate Governance Kodex, der Vorschläge für eine gute Unternehmensführung enthält.Keine Nominierungskriterien
Allerdings gibt es in 70 Prozent der börsennotierten Unternehmen gar keine konkreten Bewertungskriterien für die Stellenbesetzung, fand Michèle Morner in einer Studie heraus. "Das einzige Nominierungskriterium, das wir gefunden haben, ist das 'Ex' vom Ex-Vorstand", sagt die Leiterin des Reinhard-Mohn-Instituts für Unternehmensführung und Corporate Governance an der Uni Witten-Herdecke. "Wer kein Ex-Vorstand ist, wird nicht ernst genommen."Dabei unterscheiden sich die Tätigkeiten von Aufsichtsräten und Vorständen erheblich. Aufsichtsräte müssen sich "durch die Zahlenfriedhöfe arbeiten können und dann auch penetrant nachfragen", sagt Ernst Heilgenthal, Leiter des Kölner Büros von Gemini Executive Research. Laut Klaus Nieding wird "hinter vorgehaltener Hand immer wieder vermutet, dass nicht alle Aufsichtsräte in der Lage seien, eine Bilanz bis ins Detail zu lesen".Weiterbildung für Aufsichtsräte
Manche Experten halten deshalb eine entsprechende Weiterbildung für notwendig. Berufsaufsichtsräte können die Qualifizierungslücke jedenfalls nicht beheben. "Deutschland hat für viele Berufsaufsichtsräte keine Vergütungsstruktur", sagt Hans-Peter Müller, Vorsitzender der Regierungskommission Corporate Governance.Die DSW fordert neben einer größeren Transparenz bei der Besetzung die Professionalisierung der Kontrollgremien. Als Beispiel nennt Nieding die Fraport AG, die unter anderem den Frankfurter Flughafen betreibt: "Da gehören wesentlich mehr Experten für Flugverkehr, Flugtransport und Logistik hinein und weniger Politiker."Hoffen auf Einsicht
Wenn in diesem Jahr in den deutschen DAX30-Konzernen ein Drittel der Kapitalvertreter neu gewählt wird, sieht die DSW das auch als "Lackmustest" für eine weitere Forderung: die deutliche Erhöhung des Frauenanteils in den Aufsichtsgremien. Der ist zwar auf 19,4 Prozent gestiegen - davon entfallen allerdings nur 7,4 Prozent auf die Seite der Anteilseigner."Ich hoffe auf die Einsicht der Beteiligten", sagt Klaus Nieding. "In letzter Konsequenz ist aber der Gesetzgeber gefordert". Die Aktionärsschützer werden die Besetzung der Aufsichtsräte auf jeden Fall mit "Argusaugen begleiten" und eigene Vorschläge machen.



