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Schuldenkrise in Europa

Finanzmärkte feiern das Jahr der Wende

  • Video Island: Kleine Schritte aus der Krise
  • Video Spanien: Krise würgt Konsum ab
  • Video Deutschland: Armut trotz Aufschwung
  • VideoIsland: Kleine Schritte aus der Krise

    Island in der Krise: die Banken pleite, die Währung im freien Fall, die Menschen wütend und verzweifelt. Viele Familien verließen die Insel, viele kämpfen noch immer, um über die Runden zu kommen.

    (18.12.2012)
    VideoSpanien: Krise würgt Konsum ab

    Die Hälfte der spanischen Familien wird zu Weihnachten weniger ausgeben können als im letzten Jahr. Während der Krise ist der Konsum der privaten Haushalte um 40 Prozent gefallen.

    (18.12.2012)
    VideoDeutschland: Armut trotz Aufschwung

    Deutschland ist vergleichsweise gut durch die Krise gekommen. Doch viele zahlen für den schnellen Aufschwung einen Preis: Niedriglöhne, Teilzeitarbeit und Leiharbeit haben weiter zugenommen.

    (18.12.2012)

     von Michael Braun

    Die Schuldenkrise in Europa ist noch nicht ausgestanden. Viele Menschen bekommen sie tagtäglich und hautnah zu spüren. Für die Finanzmärkte jedoch war  2012 das "Jahr der Wende". Und so hoffen die Akteure für 2013, dass sich die Wirtschaftslage bessert. Das Schmiermittel hierfür ist billiges Geld. 

    Bei "Wende" und "Neuaufbau" haben und werden sich die Märkte vor allem auf die Zentralbanken verlassen. Alfred Roelli, Anlagestratege bei der Schweizer Privatbank Pictet & Cie., dichtete dazu den Satz "Das Undenkbare wird wahr". Er hob dabei vor allem auf die notfalls unbegrenzten Aufkäufe von Anleihen sanierungswilliger Euro-Staaten durch die Europäische Zentralbank ab. Zu Bundesbank- und frühen EZB-Zeiten sei das nicht für möglich gehalten worden. Nun sei es Realität.

    Nach Steuern und nach Geldentwertung tief im roten Bereich

    Roelli, früher in gleicher Funktion bei der Deutschen Bank tätig, geht davon aus, dass Regierungen und Notenbanken – allen Lippenbekenntnissen zum Trotz – Inflation wollten. Denn: "Ohne kalte Enteignung, ohne finanzielle Repression geht nichts", sagt Roelli. Mit "kalter Enteignung" meint er den Umstand, dass die realen Zinsen, also die Guthabenzinsen abzüglich der Inflationsrate, auf Null oder gar in den negativen Bereich getrieben werden. So ist es in Deutschland schon seit einiger Zeit: Aktuell liegt etwa die Inflationsrate bei 1,9 Prozent. Und wenn Bundesanleihen mit zum Beispiel zehn Jahren Laufzeit 1,4 Prozent Rendite abwerfen, bleiben real minus 0,5 Prozent übrig. Nach Steuern noch weniger.

    Die Krise kurz vor Weihnachten

    Irland: Krise zerreißt Familien

    Der kalte Wind des Wandels weht seit vier Jahren über Irland hinweg. Die Bevölkerung leidet noch immer. Ein Phänomen, das Irland viele Jahrzehnte lang begleitete, ist nun mit aller Macht zurückgekehrt: Die Menschen wandern in Massen aus. Das hat auch Familie Gunnip auseinander gerissen. Erst jetzt, zu Weihnachten, sieht sich die Familie nach langer Zeit wieder.

    Spanien: Krise würgt Konsum ab

    Die Hälfte der spanischen Familien wird dieses Jahr zu Weihnachten nur wenig ausgeben können. Während der Krise in den letzten Jahren ist der Konsum der privaten Haushalte um 40 Prozent gefallen. Die Arbeitslosigkeit liegt bei mehr als 25 Prozent, die Jugendarbeitslosigkeit ist sogar höher als 50 Prozent. Und doch üben sich die Spanier zu Weihnachten in Normalität.

    Island: Kleine Schritte aus der Krise

    Island in der Krise: die Banken pleite, die Währung im freien Fall, die Menschen wütend und verzweifelt. Viele Familien haben die Insel verlassen, viele kämpfen noch immer, um enigermaßen über die Runden zu kommen. Hlin Olafsdottir und Arni Jonsson mussten mit ihren drei Kindern in ein abgelegenes Dorf ziehen, wo das Leben billiger ist. Doch es gibt Anzeichen für den Aufschwung.

    Deutschland: Armut trotz Aufschwung

    Deutschland ist vergleichsweise gut durch die Krise gekommen. Doch viele zahlen für den schnellen Aufschwung einen Preis. Niedriglöhne, Teilzeitarbeit, Leiharbeit, so genannte atypische Beschäftigungsverhältnisse, nahmen weiter zu. Auch die Bauingenieurin Jenny Scholtes war jahrelang arbeitslos. Jetzt hat sie wieder einen Job, verdient aber so wenig, dass sie weiterhin vom Staat abhängig ist. 

    Das ist die negative Seite der Politik des billigen Geldes. Immerhin ist sie Sanierungsauflagen verbunden, die die europäischen Rettungsschirme und der Internationale Währungsfonds formuliert haben. Und die zeigen Wirkung.

    Die Lohnstückkosten rücken zusammen

    Die Lohnstückkosten, 1999 auf die Basis 100 gesetzt, hatten sich bis 2009 um gut 20 Prozent in Frankreich und um rund 50 Prozent in Irland erhöht. Nur Deutschland blieb mit einem Anstieg von weniger als zehn Prozent ein Muster an Wettbewerbsfähigkeit. Nun scheint es vorbei mit der großen Spreizung der Lohnstückkosten: Sie rücken zusammen und finden sich nun bei rund 130 Prozent in der ganzen Eurozone. Nur Deutschland liegt mit etwas mehr als 110 Prozent weiter deutlich darunter, ist also wettbewerbsfähiger als die Partner.

    Links

    Denen gelingt gleichwohl, ihre Leistungsbilanzen aus dem roten Bereich herauszuschieben. Vor allem Irland führt schon wieder mehr Waren aus als ein. Auch Portugal und Spanien ist es gelungen, nicht nur zu sparen, also nicht nur weniger zu importieren, sondern auch durch vermehrte Exporte namentlich nach Lateinamerika die Bilanz wieder deutlich besser aussehen zu lassen.

    Wenn die Reformen kommen, geht die Rezession

    Besser auch die Daten für Italien: "Italien könnte 2013 den Weg aus der Rezession finden", sagt Mildred Hager-Germain, Analystin der österreichischen Erste Group, schränkt aber ein: "Sofern weitere Reformen umgesetzt werden." Auch Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Berenberg-Bank, schickte seine Kunden mit guter Hoffnung in die Weihnachtstage: "Die Länder am Rande der Eurozone", schrieb einer der großen Euro-Optimisten seiner Zunft, "sind mit ihrem harten Sparkurs im Jahr 2012 dem Ziel tragfähiger Staatsfinanzen deutlich näher gekommen."

    Alle warnen aber vor möglichen Rückschlägen, wenn es gut geht, nur kurzfristige. Und manche sorgen sich darum, dass die Frage der Staatsschulden nie befriedigend gelöst wird. Weil schon aus demografischen Gründen die Mehrheit der Wähler - sei es als Rentner oder als Studenten - Transferempfänger sein werde. Die Steuerzahler gerieten in die Minderheit. Und die Mehrheit melde Wünsche an, die die Regierungen nur mit immer mehr Schulden erfüllen könnten.

    18.12.2012
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