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Umstrittene Erdgasgewinnung

Fracking: Durchbruch oder Show?

  • Bild Umstritten: Erdgas durch Fracking
  • Video Regierung will Fracking erlauben
  • Video Grafik: So geht Fracking
  • Video Erdgasförderung mit giftiger Chemie
  • BildUmstritten: Erdgas durch Fracking
    Erdgasgewinnung durch "Fracking"
    VideoRegierung will Fracking erlauben

    Fracking ermöglicht es, Erdgas mittels hydraulischem Druck aus tausenden Metern Tiefe zu bergen. Die Bundesregierung will das umstrittene Verfahren jetzt mit Bedingungen erlauben.

    (26.02.2013)
    VideoGrafik: So geht Fracking

    Beim Fracking wird ein Gemisch aus Wasser, Sand und Chemikalien in tiefe Gesteinsschichten gepresst, um dieses so aufzubrechen, dass Schiefergas entweichen kann. Bundesweit gibt es dagegen Widerstand.

    (25.06.2012)
    VideoErdgasförderung mit giftiger Chemie

    In Niedersachsen schlummern riesige Erdgasvorräte. Gefördert werden soll mit Fracking. Ein Verfahren, das Chemikalienin den Boden presst und so zur Gefahr für das Grundwasser werden könnte.

    (14.12.2012)

     von Kristina Hofmann

    Fracking ja, aber in Grenzen: Bundesumweltminister Altmaier und Bundeswirtschaftsminister Rösler haben sich auf Ausnahmen bei der Gasförderung aus tiefen Gesteinsschichten verständigt. Die Grünen sprechen von „Show“, Umweltschützer sind empört – und befürchten jetzt Fracking im großen Stil. 

    Die Einigung klingt erst einmal beruhigend. Nach längerem Streit soll nach dem Willen des Bundesumwelt- und des wirtschaftsminsteriums Fracking künftig nur dann erlaubt werden, wenn es zuvor eine Umweltverträglichkeitsprüfung gab. Fracking in Trinkwasserschutzgebieten soll ganz verboten werden. Eine Verordnung und ein Gesetz müssen dafür geändert werden – geht es nach den Willen der Bundesregierung möglichst schnell, bis zur Sommerpause von Bundestag und Bundesrat.

    Konflikt ungelöst: Umweltschutz kontra Profit

    Die Abbaumethode Fracking ist seit langem umstritten. Der Begriff steht kurz für "hydraulic fracturing", was so viel wie hydraulisches Aufbrechen bedeutet. Dabei wird Flüssigkeit in das Gestein gepresst und dadurch Druck erzeugt, um Öl und Gas freizusetzen. Kritiker bemängeln unter anderem den Einsatz von Chemikalien, in denen sie eine Gefahr für das Trinkwasser sehen. Befürworter verweisen auf das große Potenzial der heimischen Erdöl- und Erdgasvorkommen. So sieht es auch die Bundesregierung in ihren Verordnungen: Das Anzapfen dieses Potenzials käme wegen der Energiewende und des steigenden CO2-Ausstoßes gerade recht. Die Energieressource sei als "sehr bedeutsam einzustufen": 2,3 Billionen Kubikmeter Gas wären im geologischen Untergrund vorhanden – die Versorgung also über Jahrzehnte gesichert, ohne auf das Ausland angewiesen zu sein.

    Wie Fracking funktioniert

    Fracking ist ein Verfahren zur Gewinnung von Erdgas aus Gesteinsporen. Bei dem hydraulic rracturing wird Gestein in 1000 bis 5000 Metern Tiefe mit hohem hydraulischen Druck aufgebrochen. Dank moderner Bohrtechniken, bei denen erst nach unten gebohrt wird und dann im Untergrund Querbohrungen stattfinden, lohnt sich dieses aufwendige Verfahren. Es ist besonders in den USA wirtschaftlich und politisch interessant geworden, um unabhängiger von Erdöl- und Erdgaslieferungen aus dem Ausland zu werden.

    Auch in Deutschland gibt es nennenswerte Vorkommen dieser unkonventionellen Erdgas-Lagerstätten. Man findet sie zum Beispiel in Schiefertonformationen, Kohleflözen und dichten Sandsteinformationen - unter anderem in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Studien gehen davon aus, dass der deutsche Gasbedarf mit den Vorkommen bis zu 27 Jahre lang gedeckt werden könnte. Allerdings gelten 14 Prozent der Fläche als Wasserschutzgebiete, somit ist das Förderpotenzial weit geringer.

    Um dieses Gas fördern zu können, wird in der Regel ein flüssiges Gemisch aus Wasser, Sand und Chemikalien in den Boden gepresst. Dadurch entstehen Risse im Gestein, durch die das Gas entweichen und über Bohrrohre an die Oberfläche gelangen kann.

    Umweltschutz kontra Profit - die Interpretation der beiden Ministerien am Tag nach der Fracking Einigung hört sich dementsprechend unterschiedlich an. Während FDP-Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler von „erheblichen Chancen“ der Methode zur Energiegewinnung und sinkenden Energiepreisen spricht, tritt CDU-Umweltminister Peter Altmaier auf die Bremse. „Ich halte Fracking in nächster Zeit für nicht vertretbar.“ Erst müssten die Folgen der Methode geklärt werden. Deswegen sei jetzt die Rechtslage eingeschränkt worden. Er sehe keine „Perspektive für Fracking in Deutschland, weder kurzfristig noch in den nächsten Jahren“.

    „Wie Segeln im Gebirge“
    Links
    Die Welt im Gasrausch
    Umweltschützer hätten sich deswegen ein komplettes Fracking-Verbot gewünscht. Der jetzt verabredete Umweltschutz „reicht nicht“, sagt Ann-Kathrin Schneider, Klimaexpertin beim BUND. "Wir haben die große Sorge, dass Fracking im großen Stil in Deutschland erlaubt wird." Denn wenn die Bundesregierung nur die Trinkwasserschutzgebiete ausschließt, erlaube sie die Abbaumethode auf 80 Prozent der Fläche des Bundesgebiets. Die Risiken für das Grundwasser seien nicht absehbar. Bärbel Höhn, Bundestagsabgeordnete der Grünen, spricht bei der Einigung der Bundesregierung sogar von einer "Show". Fracking im Wasserschutzgebiet zu verbieten "ist so, als ob man Segeln im Gebirge verbieten würde". Und Umweltverträglichkeitsprüfungen forderten sogar Betreiber.

    Fracking zu erlauben, "ohne zu wissen, welche Folgekosten das für die Gesellschaft hat, finde ich unverantwortlich", sagte Höhn. Diese Methode – erst beschließen, dann über Konzept und Kosten reden – sei schon bei dem Ausstieg aus der Atomkraft schief gegangen. Auch die SPD hält die Einigung für verantwortungslos. "CDU und FDP haben vor der Niedersachsenwahl den Eindruck erweckt, dass sie den Einsatz von Chemikalien ablehnen. Das jetzt anders zu machen, ist nichts anderes als Wahlbetrug", sagt Ulrich Kelber, Vize-Vorsitzender der Bundestagsfraktion. Angesicht des Überangebots an Erdgas auf dem europäischen Markts sei damit auch keine sinkenden Energiepreise zu erzielen.

    Bundesumweltamt: Informationen fehlen

    "Erdgas ist zentraler Baustein der Energiewende", sagt Hildegard Müller vom Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft. Doch auch sie ist vorsichtig: Man müsse jetzt "klug ausloten" und die Wissenschaft zu Wort kommen lassen, "bevor man politisch entscheidet, was geht und was nicht". Doch die Wissenschaft hat längst gesprochen. Das Bundesumweltamt rät in einer Studie vom vorigen Jahr zum Abwarten: "Zu einer fundierten Beurteilung der Risiken und zu deren technischen Beherrschbarkeit fehlen aus unserer Sicht viele und grundlegende Informationen."

    Wo Fracking vorstellbar wäre

     Schiefergas-Gebiete in Deutschland

    Nach Angaben der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe ist Fracking in vielen Regionen in Deutschland theoretisch möglich. In den gelb gekennzeichneten Stellen auf der Karte besteht bereits eine Bergbau-Berechtigung zur Förderung nicht-konventionellen Kohlenwassers, auch von Schiefergas. Theoretisch ist das auch in anderen Regionen möglich. Grob gesagt: nördlich der Linie Osnabrück – Hannover – Magdeburg, im Ruhrgebiet, in der Kölner Bucht, entlang des Rheins südlich vom Raum Wiesbaden, rund um Frankfurt und südlich der Donau bis zum Alpenrand.

    26.02.2013, Quelle: mit dpa
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