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20.05.2013

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Wut über Urteil in Ägypten

Fußballfans greifen Polizeiclub in Kairo an

  • Bild Wut über neues Urteil
  • Video Ägypten: 27 Tote bei Ausschreitungen
  • Video Ägyptens Wirtschaft im freien Fall
  • Video US-Außenminister Kerry besucht Ägypten
  • BildWut über neues Urteil
    Ausschreitungen in Kairo
    VideoÄgypten: 27 Tote bei Ausschreitungen

    In Port Said ist es nach einem Todesurteil gegen 21 Angeklagte zu Ausschreitungen gekommen. Das Gericht macht die Männer für schwere Fußballkrawalle im vergangenen Jahr verantwortlich.

    (26.01.2013)
    VideoÄgyptens Wirtschaft im freien Fall

    Die politischen Unruhen sorgen in Ägypten für das Ausbleiben von Investoren und Touristen. Auch die Währung verliert immer mehr an Wert, während die Arbeitslosigkeit steigt.

    (04.01.2013)
    VideoUS-Außenminister Kerry besucht Ägypten

    Bei seinem Besuch in Ägypten hat US-Außenminister Kerry Regierung und Opposition zum Konsens ermahnt. Beide Seiten müssten aufeinander zugehen, um die politische Spaltung des Landes zu überwinden.

    (03.03.2013)

    Nach dem neuen Urteil im Prozess um die tödlichen Fußball-Krawalle ist es zu neuen Ausschreitungen gekommen: In Kairo steckten wütende Fußballfans einen Club für Polizeioffziere in Brand. Zuvor hatte ein Gericht die Todesurteile gegen 21 Männer bestätigt, mehrere Polizisten wurden freigesprochen. 

    Links
    Neue Protestwelle droht
    Kairoer Fußballfans haben aus Wut über ein Urteil im Prozess um die tödlichen Fußball-Krawalle vor einem Jahr einen Polizeiclub attackiert. Anhänger der Traditionsmannschaft Al-Ahli griffen die Einrichtung mit Brandsätzen an, meldeten staatliche Medien. Demonstranten stürmten auch die Zentrale des ägyptischen Fußballverbands und steckten sie in Brand. Den Angaben zufolge hatte ein Polizeihubschrauber die sogenannten "Ultras" erzürnt, der über dem Al-Ahli-Stadion kreiste. Dort hatten sich die Fußballfans versammelt, um über das Urteil zu diskutieren.

    Wut über Freisprüche

    Grund für die Empörung waren Freisprüche für sieben Polizisten. Die Beamten waren im Einsatz, als am 1. Februar 2012 Fans des rivalisierenden Al-Masri-Clubs mit brutaler Gewalt auf die Kairoer Fans losgingen. Bei den Ausschreitungen in der Hafenstadt Port Said kamen damals 74 Menschen ums Leben. Der Polizei wurde damals vorgeworfen, sie habe den Tumulten praktisch tatenlos zugesehen.

    Ein Gericht hatte in Kairo am Samstagvormittag die Todesurteile gegen 21 Angeklagte wegen der Fußballkrawalle in Port Said bestätigt und gegen weitere Beteiligte teils langjährige Haftstrafen verhängt. Der frühere Sicherheitschef von Port Said, Essam Samak, muss 15 Jahre hinter Gitter. Bereits der erste Urteilsspruch in dem Verfahren im Januar hatte massive Ausschreitungen in Port Said und Kairo zur Folge, bei denen mehr als 40 Menschen starben. 

    Militante Anhänger von Al-Ahli hatten eine zentrale Rolle bei den Protesten gespielt, die im Februar 2011 zum Sturz des langjährigen Machthabers Husni Mubarak führten. Die Al-Ahli-Anhänger vermuten, dass die blutigen Fußballkrawalle in Port Said ein Jahr später von der Polizei oder Mubarak-Anhängern aus Rache angezettelt worden waren.

    Die Akteure im Machtkampf in Ägypten

    Mursi - Ägyptens "neuer Pharao"?

    Mit der Ausweitung seiner Befugnisse hat Mohammed Mursi Protest heraufbeschworen. Im Juni angetreten mit dem Versprechen, "Präsident aller Ägypter" sein und die Ideale der Revolte gegen Machthaber Husni Mubarak verteidigen zu wollen, verfügte Mursi am 22. November, dass die von ihm "zum Schutz der Revolution getroffenen Entscheidungen" rechtlich nicht mehr angefochten werden können. Prompt handelte er sich den Vorwurf ein, er gebärde sich als Ägyptens "neuer Pharao". Seine Sondervollmachten hat Mursi angesichts massiver Proteste inzwischen rückgängig gemacht. Dennoch bleibt er in der Kritik.

    Anhänger loben Mursis Pragmatismus, mit dem er sich auch als Vermittler zwischen Israel und der Hamas im Gazastreifen Anerkennung verdiente. Kritiker sehen ihn dagegen als bauernschlauen Apparatschik der Islamisten, der gezielt seine Stellung ausbaut, um die Einführung des islamischen Rechts der Scharia voranzutreiben und ein neues autokratisches System einzuführen.

    Nach seiner Wahl versprach Mursi einen zivilen Staat, der alle politischen Strömungen, Frauen, Islamisten wie auch koptische Christen einbeziehe. Diskriminierung aufgrund von Religion, ethnischer Zugehörigkeit oder Geschlecht wolle er beenden.

    Die Unterstützer Mursis

    - Die 1928 gegründete Muslimbruderschaft ist die größte islamistische Bewegung Ägyptens. Sie hatte Mursi als Kandidaten für das Amt des Präsidenten aufgestellt. Angesichts der hierarchischen Struktur der Bewegung gehen ägyptische Beobachter davon aus, dass die Politik des Präsidenten vom Führungsgremium der Bruderschaft (Irschad-Büro) mitbestimmt wird.

    - Die radikal-islamische Salafistenbewegung trägt den Kurs der Muslimbrüder weitgehend mit. Mit der Partei des Lichts waren die Salafisten im ersten Parlament nach dem Sturz von Präsident Mubarak die zweitstärkste Kraft. Sie erkennen die Regeln des Staates zum Teil nicht an und fordern die Einführung der Scharia in Ägypten. Die meisten Anhänger dieser Bewegung sind nicht gewaltbereit. Ein Teil der Salafisten ist jedoch militant und hat mit den demokratischen Spielregeln gar nichts am Hut. Vor allem auf der Sinai-Halbinsel entziehen sich die Salafisten immer mehr staatlicher Kontrolle.

    - Viele Religionsgelehrte des Al-Azhar-Islam-Institutes. Die Verfassung räumt ihnen ein Mitspracherecht im Gesetzgebungsprozess ein.

    Die Gegner Mursis

    - Die traditionsreiche liberale Wafd-Partei hatte zunächst mit dem Gedanken gespielt, eine Allianz mit den Muslimbrüdern zu bilden. Davon ist sie aber inzwischen abgekommen.

    - Die neu gegründete Partei der Freien Ägypter stellt sich strikt gegen jeden Versuch einer weiteren Islamisierung des Staates.

    - Mehrere unterlegene Präsidentschaftskandidaten haben sich jetzt zusammengeschlossen, um eine gemeinsame Front gegen die Machtausweitung der Islamisten zu bilden. Zu ihnen gehören der frühere Generalsekretär der Arabischen Liga, Amre Mussa, der vor allem bei der Jugend und den Sozialisten beliebte linke Aktivist Hamdien Sabahi und Friedensnobelpreisträger Mohammed el Baradei, der seine Kandidatur vor der Wahl zurückgezogen hatte.

    - Einige Anhänger von Abdel Moneim Abul Futuh, einem moderaten Islamisten, der aus der Muslimbruderschaft ausgeschlossen worden war. 

    - Die Mehrheit der Richter, ein Teil der Mitglieder der Journalistengewerkschaft, die Gewerkschaft der Mitarbeiter der Filmindustrie sowie mehrere Gruppen junger Revolutionsaktivisten.

    (Quelle: dpa, afp)

    09.03.2013, Quelle: dpa, afp, ap
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