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Ölkatastrophe im Nigerdelta

Gericht verurteilt Shell zu Schadenersatz

  • Video Shell muss Schadenersatz zahlen
  • VideoShell muss Schadenersatz zahlen
    (30.01.2013)

    Die Ölpest im Nigerdelta gilt als stille Katastrophe. Millionen Barrel Öl strömen aus den Pipelines und verseuchen das Land. Der Ölkonzern Shell macht Sabotage dafür verantwortlich. Dennoch muss es einem Bauern nun den Schaden ersetzen. 

    Der Ölkonzern Shell ist wegen der Ölpest in Nigeria zu Schadenersatzzahlungen verurteilt worden. Ein Zivilgericht in Den Haag gab in Den Haag der Klage eines Bauern aus dem Nigerdelta statt. Shell habe die Leitungen nicht ausreichend vor Sabotage geschützt, hieß es zur Begründung. Die Höhe des Betrages wird in einem anderen Verfahren festgelegt.

    Schlimmste Umweltkatastrophe

    Vier weitere Klagen von Bauern wies das Gericht aber ab. Das Urteil kann nach Ansicht von Rechtsexperten weitere internationale Klagen gegen Shell nach sich ziehen. Die Ölpest im Nigerdelta ist nach einem UN-Bericht eine der schlimmsten Umweltkatastrophen.

    Die Bauern aus Nigeria und eine niederländische Umweltorganisation hatten den britisch-niederländischen Konzern verklagt. Er habe die Pipelines in Nigeria mangelhaft gewartet, nicht geschützt und Umweltschäden nicht beseitigt.

    Schäden durch Sabotage

    In vier Fällen sei das Unternehmen aber nicht haftbar, stellten die Richter fest. Die Schäden seien durch Sabotage entstanden. Nur in einem Dorf war nach Ansicht des Gerichts ein Brunnen nicht gut gesichert. Dadurch hätten Kriminelle beim illegalen Abzapfen die Leitungen beschädigt. Das herauslaufende Öl habe das Ackerland des
    Bauern verseucht.

    Die Kastastrophe im Nigerdelta

    Nigeria ist der größte Ölproduzent in Afrika südlich der Sahara und der achtgrößte Ölexporteur weltweit. Das Nigerdelta ist nach mehr als 50 Jahren Ölförderung von extremer Umweltverschmutzung betroffen. Die UNO hatte 2011 erklärt, die Säuberung der Region Ogoniland könne möglicherweise die umfangreichste und längste Reinigungsaktion aller Zeiten werden. Viele Umweltschutzorganisationen werfen den großen Ölkonzernen vor, in Nigeria wesentlich laxer mit Schutzmaßnahmen umzugehen als beispielsweise in den USA oder Europa - was Shell bestreitet.

    Shell begrüßte das Urteil. "Nur an einer Stelle hätten wir bessere Vorsichtsmaßnahmen treffen müssen. Inzwischen ist das geschehen und
    die Verschmutzung beseitigt", sagte der Umweltdirektor von Shell, Allard Castelein, der Nachrichtenagentur ANP.

    "Durchbruch für die Gerechtigkeit"

    Die Umweltschutzorganisation "Milieudefensie" spricht dagegen von einer bahnbrechender Entscheidung. "Zum ersten Mal zwingt ein Gericht Shell, den Schaden zu kompensieren. Das ist in Nigeria noch nie gelungen", sagte der Sprecher der Organisation, Geert Ritsema. Auch die Menschenrechtsorganisation Amnesty International sprach von einem "Durchbruch für Gerechtigkeit", da die Haftbarkeit des Unternehmens festgestellt worden sei.

    "Milieudefensie" will gegen die vier übrigen Urteile Berufung einlegen. "Die Beweise von Shell waren sehr dünn", sagte Ritsema. In den Dörfern waren schlecht gewartete Leitungen die Ursache der Verseuchung, und nicht Sabotage.

    30.01.2013, Quelle: dpa
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