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24.05.2013

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Videobrille in der Kritik

Google Glass: Albtraum Datenbrille?

  • Bildfamilie Display der Smartbrille Google Glass
  • BildfamilieBild Brille
    Display der Smartbrille Google Glass / Quelle: ap
    (Quelle: ap)

     von Torsten Kleinz

    Noch in diesem Jahr will Google seine Google Glass auf den Markt bringen. Die Videobrille entfacht eine neue Debatte um Privatsphäre und allgegenwärtige Überwachungssensoren. Datenschützer schlagen bereits jetzt heftig Alarm. 

    Es erinnert ein wenig an die Debatte um Google Street View: Noch ist Google Glass nicht auf dem Markt, noch weiß man nichts Genaues über die Funktionen der neuen Datenbrille - doch schon erreicht die Debatte fast hysterische Töne. Ein Café in Seattle verbietet das Gerät in seinen Räumen – und erntet weltweite Schlagzeilen. Gerade in deutschen Medien schlägt die Frage hohe Wellen: Wo bleibt die Privatsphäre?

    Überwachungskamera Marke Google?

    Hätte nicht der Webgigant Google die neue Brille angekündigt, sondern ein kleines StartUp aus Deutschland oder Italien – die Debatte wäre kaum in Gang gekommen. Denn die Videobrille an sich ist keine allzu neue Vision. Einige Enthusiasten des "Wearable computing", des anziehbaren Computers, tragen sie seit Jahren auf Kongressen spazieren. Sportenthusiasten können Helmkameras zu günstigen Preisen erwerben, um ihre Ski-Abfahrt oder ihren Fallschirmsprung zu dokumentieren.

    Und doch sorgt die Kamera-Funktion von Google Glass für besonderes Unbehagen, da man hiermit quasi unbemerkt Fotos und Videos aufnehmen könnte. Mehr noch: Der tragbare Mini-Computer kann Personen erkennen und sie in die Google-Datenbank einsortieren: Wer hat wen, wie oft gesehen? Wo und mit wem? Alles im Dienste des Kunden: Die Kontakte auf Android-Smartphones und in Google+ können heute schon so abgeglichen werden. Für manche eine Horrorvision. So fordert der Journalist Lorenz Matzat im Blog "Netzpolitik.org" neue Gesetze: "Am besten kommt eine Regulierung noch gepaart mit Störsendern oder ähnlichem daher, die Belichtungssensoren von Digitalkameras blockieren und Mikrofone verrauschen." Matzat nennt das "Digitale Selbstverteidigung."

    Datenschützer fürchten um Privatsphäre

    Doch um die Debatte um Privatsphäre und allgegenwärtige Überwachungssensoren zu führen, ist es nicht nötig auf Google Glass zu warten. Denn längst sind überall in unserem Alltag Mini-Kameras und Mikrofone auf uns gerichtet. Jedes Smartphone, jedes Tablet hat eine, wenn nicht gar zwei Kameras verbaut. Notebooks ohne Kameras gibt es kaum noch und auch bei Fernsehern wird sie immer mehr zur Standardausrüstung. Objektivdeckel für die Plastiklinsen gibt es erst gar nicht. So können die neusten Android-Handys den Betriebsmodus umstellen, wenn ihr Besitzer auf das Display blickt, Fernseher schalten auf Gestensteuerung um. Auch sind immer mehr Mikrofone auf uns gerichtet, um bei Bedarf einen Sprachbefehl zu erkennen. Maschinen beobachten uns.

    Eigentlich sind die rechtlichen Grenzen längst abgesteckt: Wir dürfen nicht jedermann in privaten Situationen fotografieren und die Fotos ungefragt veröffentlichen. Gleichzeitig ist es kein Problem, wenn man mit einer Videokamera durch die Stadt zieht und für den privaten Gebrauch in die Menge filmt. Was Google, Facebook oder Microsoft mit den privaten Daten von Millionen ihrer Nutzer machen dürfen, wird zum Beispiel in zähen Verhandlungen mit den europäischen Datenschützern ausgehandelt. Der deutsche Gesetzgeber macht hingegen eine unglückliche Figur: Google und Microsoft hat er das Fassadenfotografieren effektiv vermiest, doch Fragen nach den neuen Grenzen der Privatsphäre kann er nicht beantworten.

    Google-Brille vielleicht nur Eintagsfliege

    Letztlich hängt es davon ab, was die Menschen in der Gesellschaft für sinnvoll und zulässig erachten. Dass Google Glass die Privatsphäre neu erfinden wird, ist dabei nicht unbedingt wahrscheinlich – zu viele Google-Produkte haben nach erstem Hype ein schnelles Ende gefunden. Dies sagt der US-Unternehmer Joel Hladecek auch der Google-Brille voraus: Zu früh sei die Entwicklung, zu unpraktisch das Produkt. Doch das sei nicht das Ende der Entwicklung: "Die Augmented Reality ist tatsächlich unsere Zukunft" - Wenn sie jedoch komme, sehe sie ganz anders aus als Google Glass. Ganz anders.

    19.03.2013
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