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Agenten-Affäre

Häftling X wird für Israel zum Problem

  • Bild Grab von Ben Zygier in Melbourne
  • Video Mossad - der geheimste Geheimdienst
  • BildGrab von Ben Zygier in Melbourne
    Grab von Ben Zygier
    VideoMossad - der geheimste Geheimdienst

    Ein Film über die verborgene Welt von Israels Mossad - des wohl geheimsten Geheimdienstes. Ehemalige Agenten erzählen von der Mission des Mossad: Israel verteidigen zu müssen - mit allen Mitteln.

    (14.05.2012)

     von Katrin Eigendorf, Tel Aviv

    Als sich vor zwei Jahren ein namenloser Gefangener in Israels sicherstem Gefängnis erhängt, dürfen israelische Medien nicht berichten. Ben Zygier war vermutlich ein Agent des israelischen Auslandsgeheimdienstes Mossad. 

    Ben Zygier hat ein Photo hinterlassen und viele Rätsel. Das Photo zeigt einen sympathischen jungen Mann: Ein australischer Jude, der nach Israel kam, um hier seinen Militärdienst zu leisten. Ein weiteres Photo zeigt einen Grabstein auf dem jüdischen Friedhof von Melbourne. Ben Zygier steht darauf, gestorben am 15. Dezember 2010, im Alter von 34 Jahren. Was liegt dazwischen?

    Als am Dienstag der australische TV-Sender ABC seine Recherchen veröffentlicht, ruft Ministerpräsident Benjamin Netanjahu die Chefredakteure der wichtigsten israelischen Medien in sein Büro und fordert sie auf, "nicht über einen Vorfall zu berichten, der ein bestimmtes staatliches Institut in größte Verlegenheit bringen könnte". Eine klare Anspielung auf den Mossad, schreibt die Zeitung "Haaretz". Als daraufhin drei Oppositionsabgeordnete, geschützt durch ihre Immunität im Parlament, Justizminister Jakob Neeman zu der Affäre befragen, ist die Totalzensur nicht mehr zu halten.

    "Wir durften nicht darüber berichten"

    "Wir kannten bereits vor zwei Jahren sehr viele Details, wir durften aber nicht darüber berichten", erzählt Nir Dvori, Reporter beim israelischen Channel 2. Wir treffen uns im Newsroom des Senders, Nir hat es eilig, denn jetzt darf er berichten. Er ist sichtlich bewegt, als Journalist möchte er weitere Hintergründe aufdecken, als Mensch interessiert ihn das Schicksal dieses fast gleichaltrigen Mannes. "Er ist aus einem reichen Land hierher gekommen, um für Israel zu kämpfen, ein schlauer und sympathischer Typ, warum musste er sterben?"

    Eine Frage, auf die die Regierung in Jerusalem auch heute keine Antwort gibt. Doch so viel immerhin: Das Justizministerium bestätigt jetzt den Selbstmord eines Häftlings X mit doppelter Staatsbürgerschaft am 15. Dezember 2010 im Ayalon Gefängnis.

    Australisches TV deckt auf

    Der Australier Ben Zygier ist 24 Jahre alt, als er im Jahr 2000 nach Israel einwandert und seinen Militärdienst ableistet. Er heiratet eine Israelin, bekommt zwei Kinder und wird Agent des israelischen Auslandsgeheimdienstes Mossad. Zygier besitzt einen israelischen und einen australischen Pass, ein großer Vorteil für einen Agenten. Das ist die Geschichte, die der australische Reporter Trevor Bormann erzählt.

    "Wir können jetzt diese Reportage des australischen Fernsehens zitieren, damit wird der Fall endlich öffentlich", sagt Reporter Nir Dvori. Und mehr will auch er nicht preisgeben.

    Die Wahrheit wird ans Licht kommen

    Der letzte, der Häftling X lebend gesehen hat, ist vermutlich sein Anwalt. Avigdor Feldmann. Auch er redet inzwischen offen mit Journalisten und erklärt heute im israelischen Channel 10, er vermute, Ben Zygier wurde durch Vernehmung zum Selbstmord getrieben.

    Warum Israel die Existenz von Häftling X weiter geheim halten will, schreibt das israelische Internetportal 972. Es ist zur Zeit der am meisten getwitterte Link in Israel. Schon 2010 hatten die Blogger die Geschichte des geheimnisvollen Häftlings veröffentlicht – der Bericht wurde kurz nach Erscheinen wieder gelöscht.

    Nir Dvori ist überzeugt, die Wahrheit kommt ans Licht. "Es hat sicher schon viele Häftlinge X gegeben. Nur heute lässt sich die Informationsflut nicht mehr kontrollieren, das ist der Unterschied."

    14.02.2013
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