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Im Trend: Osteopathie
Heilen mit den Händen
BildOsteopathie: Heilen mit den Händen
Es klingt ein wenig nach Zauberei: Hand anlegen statt Tabletten schlucken oder OP. Doch genau das macht die Osteopathie und erfreut sich als Komplementärmedizin wachsender Beliebtheit. Auch die Forschung findet zunehmend Belege für die Wirksamkeit.
Britta Almstedt hatte ein Jahr lang wirklich alles ausprobiert, um ihre Magenprobleme in den Griff zu bekommen: Magensäureblocker-Medikamente, wochenlange Diäten, Anti-Pilz-Kuren, Tests auf Laktose- oder Fruktose-Intoleranz und sogar eine Magenspiegelung. Doch nichts half - die Ärzte fanden keine Erklärung.Schließlich bekam sie in einem zufälligen Gespräch auf einer Bahnfahrt den Tipp, es einmal beim Osteopathen zu versuchen. Und zwei Tage nach der Behandlung waren die Magenprobleme tatsächlich weg. "Seitdem bin ich überzeugt von osteopathischer Heilkraft", sagt Almstedt, die ihre Erfahrungen deshalb auch gern weitergibt.Interesse an Osteopathie steigt
Britta Wagner schreibt für heute.de über Wissensthemen
Quelle: Britta Wagner
Quelle: Britta Wagner
Tipps für interessierte Patienten
- Osteopathie ist keine Konkurrenz zur Schulmedizin, sondern eine Ergänzung – akute Verletzungen, Krebs, schwere psychische Krankheiten usw. gehören in ärztliche Hände. Und: Normalerweise sollte nach vier osteopathischen Sitzungen eine Besserung eintreten
- Osteopathie ist kein geschützter Beruf – ein Osteopath sollte besser eine mehrjährige Ausbildung als eine kurze Weiterbildung vorweisen können
- Osteopathie ist wie jede Therapie nicht risikofrei – Handgriffe an der Halswirbelsäure und an vorgeschädigten Körperteilen sollten gut überlegt und besprochen werden
- Osteopathie ist keine Konkurrenz zur Schulmedizin, sondern eine Ergänzung – akute Verletzungen, Krebs, schwere psychische Krankheiten usw. gehören in ärztliche Hände. Und: Normalerweise sollte nach vier osteopathischen Sitzungen eine Besserung eintreten
- Osteopathie ist kein geschützter Beruf – ein Osteopath sollte besser eine mehrjährige Ausbildung als eine kurze Weiterbildung vorweisen können
- Osteopathie ist wie jede Therapie nicht risikofrei – Handgriffe an der Halswirbelsäure und an vorgeschädigten Körperteilen sollten gut überlegt und besprochen werden
Gerade bei solchen Fällen können komplementärmedizinische Ansätze wie die Osteopathie helfen, ist Karl-Ludwig Resch, Mediziner und Leiter des Deutschen Instituts für Gesundheitsforschung, überzeugt: "Sie ist nicht ohne Grund in den Bereichen so erfolgversprechend, in denen unsere moderne Medizin wenig zu bieten hat." Verdauungsprobleme ließen sich heute oft nicht richtig diagnostizieren, und stressbedingte Rückenschmerzen könnten durch Chirurgie oder Orthopädie nicht behoben werden, weil das eigentliche Problem ganz woanders liege. Noch nicht genügend Studien Bei Rückenschmerzen ist der Nutzen der Osteopathie durch Studien inzwischen gut belegt. In anderen Bereichen ist die Forschung noch nicht so weit. Es gibt zwar eine wachsende Zahl von methodisch guten Studien, die unter anderem Erfolge bei Migräne oder speziellen Problemen von Frauen und Babys beschreiben. Allerdings sind die Probandenzahlen häufig gering. Für Kritiker gilt der Nutzen osteopathischer Behandlungen damit noch nicht als belegt. Resch dagegen würde die Ergebnisse in vielen Fällen durchaus als vorläufige positive Hinweise werten. Da Osteopathen ihre Studien bislang selbst finanzieren müssen, fehlt für größere Studien häufig einfach das Geld. Ein vor kurzem gegründeter Förderverein will hier helfen.Unklar ist auch, ob die theoretischen Annahmen der Osteopathie richtig sind, warum die Methode helfen kann. Manche Teilgebiete sind tatsächlich auch fachintern umstritten. Diese Diskussion hält Resch aber nicht für wichtig für den Patienten: "Mein Paradebeispiel ist das Aspirin. Es wurde 1898 auf den Markt gebracht und der Wirkmechanismus erst Anfang der 1970er Jahre aufgeklärt", sagt er. "Man konnte 80 Jahre lang Aspirin ganz gezielt nutzen – ohne zu wissen, wie der Wirkmechanismus funktioniert."
27.12.2012



